Ein Passwort wird per E-Mail an Sie geschickt

Wo bleiben die Mett-Startups?

Von wegen Veggie-Boom! Die Deutschen lieben Fleisch – gerne als Mett auf dem Frühstücksbrötchen

Food-Startups setzen auf Superfood, Smoothie-Pulver und veganes Eis. Dabei essen die Deutschen am liebsten Fleisch. Arbeiten die Gründer nicht am Markt vorbei?

Heute morgen schrieb eine Freundin in einen Gruppenchat bei Whatsapp: „Habt ihr eine Empfehlung für ein Kochbuch für gesunde Rezepte, aber trotzdem easy?“. Die Antworten folgten prompt: Mehrere schlugen die Bestseller-Kochbücher der gigantisch erfolgreichen Bloggerin Ella Woodward aus Großbritannien vor, die unter dem Namen Deliciously Ella ausschließlich vegane Gerichte entwickelt. Die Zutaten? Mandelmus, Chia-Samen oder Avocado. Zu den Tabus zahlen natürlich Fleisch, Fisch, Zusatzstoffe oder Zucker.

Folge NGIN Food auf Facebook!

 

Doch meine Freundinnen, die alle in Großstädten aufgewachsen sind, häufig Sport treiben, gerne vegetarisch essen und in Magazinen und auf sozialen Medien die neuesten Trends nachlesen, gehören in puncto Ernährung nicht zum Durchschnitt. Das beweist der Ernährungsreport 2017 des Meinungsforschungsinstituts Forsa, der diese Woche vorgestellt wurde. Einige der Resultate: 97 Prozent der Befragten kaufen nach eigener Aussage einfach, was ihnen schmeckt. Sie achten nicht auf Zucker, Fett und Kalorien. Das Lieblingsessen ist – noch vor Pizza und Pasta – irgendwas mit Fleisch. Jeder zweite Deutsche ist überzeugt, dass Superfood nur eine kurzlebige Modeerscheinung ist.

Liest man die Ergebnisse des Reports, kommt schnell der Gedanke: Entwickeln Food-Startups in Deutschland ihre Produkte an der Masse der Menschen vorbei? Mehrere junge Firmen, darunter Nu3, Vitafy oder die KoRo Drogerie, verkaufen Superfoods und Nahrungsergänzungsmittel. Auch Startups, die ausschließlich Superfood-Pulver, also Pulver bestehend aus getrockneten Lebensmitteln, herstellen, gibt es in großer Zahl: Lebepur, Berlin Organics oder Goodme heißen sie beispielsweise. Es gibt Startups für veganes Eis (Lycka), Speiseöl aus Algen (Lüttge), gesunde Riegel aus Haferflocken (Hafervoll) oder Honig im Briefumschlag (Nearbees). Nicht zu vergessen die vielen Firmen, die Detox-Tee verkaufen: Teatox, Tree of Tea, fittea oder Teatales. Sie alle wollen aus uns Besseresser oder -trinker machen – eine Ambition, die durchaus löblich ist.

Ich frage mich: Wo bleiben die Startups, die Food-Produkte für die Masse verkaufen oder entwickeln? Beispielsweise Tiefkühlkost, die so gut schmeckt und aussieht, dass man sie gerne täglich isst und auch mal Gästen serviert. Der französische Supermarkt Picard macht es vor. Oder ein Drink ohne Zusatzstoffe, der für Stunden satt hält? Burgerbrötchen und Pommes, die nicht innerhalb weniger Minuten labbrig werden und von Lieferdiensten genutzt werden könnten? Oder Startups, die Mett verkaufen? In Form von niedlichen Figuren beispielsweise. Auf Bürofeiern wäre das sicher der Knaller. Und wollen die Menschen wirklich Fleisch, das aus Gemüse besteht, wie es die US-Startups Beyond Meat und Impossible Meat gerade entwickeln? Gemüse, das aus Fleisch gemacht ist, käme definitiv besser an.

Es fehlen Geschäftsmodelle, die nicht nur für hippe Großstädter gemacht sind. Ich kenne die Argumente: Superfood und Detox-Tees bringen hohe Margen. Personen, die viel Geld verdienen, in Ballungsgebieten wohnen, auf ihre Ernährung achten und Food-Trends folgen, sind als Zielgruppe ausreichend vorhanden. Außerdem lassen sich Produkte wie Tee oder Smoothie-Pulver leicht abfüllen und verschicken, sie werden nicht schnell schlecht. Das sind ideale E-Commerce-Produkte, die das Gründen leicht machen.

Trotzdem: Deutschland braucht in den kommenden Jahren einige richtig erfolgreiche Food-Startups. Da hilft es sicher, wenn sich die Gründer zur Abwechslung einmal daran orientieren, was die Masse will.

Bild: NamensnennungWeitergabe unter gleichen Bedingungen Bestimmte Rechte vorbehalten von tobo

Folge NGIN Food auf:

In Kooperation mit
amplifypixel.outbrain