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Wie läuft’s eigentlich bei Deliveroo und Foodora?

Deliveroo und Foodora streiten um die Spitzenposition der Premium-Lieferdienste

Nach einer Deliveroo-Finanzierung über Hunderte Millionen sind die Karten im Food-Delivery-Markt neu gemischt. Wie steht es um die Konkurrenten Foodora und Deliveroo?

Nachdem der britische Essenslieferdienst Deliveroo in der vergangenen Woche hohe Verluste für 2016 veröffentlichte, gab er prompt eine neue Finanzierung bekannt. Die US-amerikanischen Finanzriesen Fidelity und T. Rowe Price haben 385 Millionen Dollar in Deliveroo gesteckt und dabei das Startup mit mehr als zwei Milliarden Dollar bewertet.

Das frische Kapital kann Deliveroo gut gebrauchen: Zwar hat das Unternehmen im vergangenen Jahr umgerechnet etwa 147 Millionen Euro Umsatz erzielt, aber unter dem Strich stand ein Verlust von ebenfalls rund 147 Millionen Euro. Das britische Startup konnte seinen Umsatz im Vergleich zu 2015 versiebenfachen, doch das war nur durch immense Ausgaben möglich. Wie tief Deliveroo für seine Expansion in die Tasche greift, zeigt schon ein Blick auf die Zahl der Angestellten. Sie ist im vergangenen Jahr von rund 230 auf 1.050 gestiegen. Deliveroo hat für seine Mitarbeiter 2016 fünf Mal so viel ausgegeben wie noch im Vorjahr, nämlich 57 Millionen Euro.

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Auch Foodora gibt an, mittlerweile mehr als 1.000 Mitarbeiter zu beschäftigen, exklusive der Fahrer. Das Startup wurde nur sechs Monate nach dem Start von Rocket Internet gekauft und im Herbst 2015 an Delivery Hero weitergegeben. Bei dem Verkauf hat Rocket das Liefer-Startup in seinen Büchern mit 11,7 Millionen Euro bewertet. Wie viel Foodora heute wert ist, ist unklar: Die Mutter Delivery Hero gibt dazu keine Auskunft.

Foodora schrieb im vergangenen Jahr einen Gesamtumsatz von 45 Millionen Euro. Die Verluste überstiegen den Umsatz jedoch um 13 Millionen Euro und summierten sich auf 58 Millionen Euro. Allein in Deutschland büßte Foodora 18 Millionen Euro ein. Ähnlich wie Deliveroo schreibt auch die Delivery-Hero-Tochter gegenwärtig noch keine schwarzen Zahlen.

Deliveroo: Bruttomarge von unter einem Prozent

Das Problem bei beiden Lieferdiensten ist die niedrige Marge. Die Startups verlangen von ihren Kunden eine Liefergebühr zwischen 2,50 und 4,90 Euro. Der Betrag variiert je nach Lage und Restaurant und hängt davon ab, ob der Mindestbestellwert erreicht wird. Zudem kassieren die Startups von den Restaurants eine Provision von bis zu 30 Prozent. Doch dann schlagen die hohen Ausgaben zu Buche: Die Radkuriere kosten viel Geld – und auch das Marketing. Der Stundenlohn für deutsche Foodora-Kuriere liege mittlerweile zwischen 9 und 11 Euro, wie Mitgründer Emanuel Pallua kürzlich in einem Interview mit Gründerszene angab.

Ein Beispiel: In den ersten drei Monaten dieses Jahres setzte Foodora noch pro Bestellung 10,20 Euro um. Davon wurden im Schnitt 8,50 Euro für die Lieferung und Bezahlkosten abgezogen, sodass pro Bestellung ein Betrag von 1,70 Euro übrig bleibt, um weitere Ausgaben wie für Marketing oder Löhne anderer Mitarbeiter zu decken. Deliveroos Bruttomarge sah 2016 ebenfalls mau aus: Pro umgesetztem Euro behielt das Startup weniger als ein Prozent für sich.

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Pink-grüner Straßenkampf

Aktuellere Informationen sind kaum zu finden. In einem Pressegespräch Anfang der Woche gab die Foodora-Mutter Delivery Hero zwar aktuelle Geschäftszahlen bekannt, doch es hieß lediglich, dass sich das Business im zweiten Quartal bei allen Lieferplattformen gut entwickelt habe. Und: Foodora erwirtschafte pro Bestellung einen Überschuss und solle weiter ausgebaut werden.

Die Delivery-Hero-Chefs Niklas Östberg und Emmanuel Thomassin bewerten die millionenschwere Finanzierung für den britischen Konkurrenten Deliveroo positiv: „Das stärkt den Gedanken, dass Logistik-Plattformen profitabel sein können“. Wann? Das bleibt offen. 

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Foodora ist momentan in 60 Städten weltweit vertreten; 27 davon in Deutschland, wo das Startup mit 2.500 Restaurants zusammenarbeitet. Das Liefer-Startup beschäftigt hierzulande 2.300 Fahrer. Der Konkurrent mit den türkisfarbenen Rucksäcken operiert international in 150 Städten. 2.000 Partnerrestaurants finden sich in 15 deutschen Städten. Bundesweit kooperiert Deliveroo mit über 1.000 Fahrradkurieren. Die Briten sind in Deutschland zwar noch kleiner als Foodora, doch international der klare Vorreiter. Das britische Liefer-Startup ist außerdem erst kürzlich in neun weiteren deutschen Städten gestartet.

Wer ist nun für das Rennen besser gerüstet? Ein Vergleich der Cashbestände ist schwierig: Deliveroo verfügte laut aktuellem Geschäftsbericht Ende 2016 umgerechnet über 192 Millionen Euro Nettovermögen. Hinzu kommt jetzt das neue Funding über 326 Millionen Euro. Aber: Weder Delivery Hero noch die Tochter Foodora geben auf Nachfrage Auskunft über den Cashbestand des pinkfarbenen Lieferdienstes.

Bild: Gründerszene

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