So steht es um Foodora

Der Foodora-Eigner Delivery Hero geht Ende Juni an die Börse – und muss dafür erstmals genaue Geschäftszahlen des Restaurant-Lieferdienstes Foodora offenlegen.

Die Zahlen überraschen nicht: Foodora ist weit von einem profitablen Geschäft entfernt. Die Tochter von Delivery Hero schrieb im Jahr 2016 einen Verlust über 58 Millionen Euro. Mit minus 18 Millionen Euro wurde der größte Teil des Verlusts in Deutschland geschrieben. Darauf folgt der französische Markt mit etwa minus acht Millionen Euro.

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Gleichzeitig verzeichnete das Logistik-Startup 2016 einen Umsatz von 45 Millionen Euro. Insgesamt wurden Gerichte im Wert von 120 Millionen über Foodora bestellt – das ist der Außenumsatz oder der sogenannte Gross Merchandise Value (GMV).

Diese Zahlen legte die Foodora-Mutter Delivery Hero am Dienstagmorgen in ihrem Börsenprospekt offen. Erstmals gibt das Unternehmen damit detaillierte Informationen zu Foodora preis, das es im Herbst 2015 von Rocket Internet übernommen hatte. Delivery Hero zahlte damals 13,2 Millionen Euro Cash für Foodora und bewertete die Tochterfirma in seinen Büchern mit 11,7 Millionen Euro.

Während Delivery Hero auf seiner Plattform Restaurants listet, bei denen Kunden online bestellen können und nicht selbst die Gerichte ausliefert, stellt Foodora auch die gesamte Logistik zur Verfügung. Das Startup beschäftigt also Fahrer, die für Restaurants ohne eigenen Lieferdienst das Essen ausliefern.

Die Foodora-Marge ist niedrig

Das ist ein teures Geschäft, denn diese Fahrer sind der Hauptgrund dafür, dass die Vertriebskosten in der Delivery-Hero-Bilanz stark angestiegen sind. Nach der Foodora-Übernahme haben sie sich von 2015 auf 2016 mehr als verdoppelt: von etwa 29 Millionen auf knapp 84 Millionen Euro.

Die Vertriebskosten sind für Foodora ein Problem: Das Startup verdient mehr, wenn seine Fahrer weniger bekommen. Bereits länger steht das Unternehmen in der Kritik, nicht gut genug zu zahlen. In den vergangenen Monaten gab es Proteste, Gewerkschaften haben sich in Italien und Deutschland eingeschaltet. Delivery Hero reagiert im Börsenprospekt auf diese Entwicklungen. Es heißt dort, dass das Risiko für Konflikte mit den eigenen Mitarbeitern in letzter Zeit gestiegen sei, „da die Arbeitsbedingungen in der Essenslieferbranche die Aufmerksamkeit der Gewerkschaften auf sich gezogen haben“. Signifikante Auseinandersetzungen könnten das Geschäft stören, zu abnehmenden Umsätzen führen und Betriebskosten erhöhen.

Eine Tabelle für das erste Quartal 2017 verdeutlicht, wie unterschiedlich die Geschäfte von Delivery Hero und Foodora sind. Sie zeigt die unterschiedlichen Margen der Unternehmen im Vergleich. Delivery Hero setzt pro Bestellung 1,50 Euro um, Foodora ganze 10,20 Euro. Allerdings wird dieser Vorteil schnell aufgefressen: Die Kosten pro Bestellung liegen bei Delivery Hero im Schnitt nur bei 10 Cent, bei Foodora allerdings bei 8,50 Euro. Für Foodora ist es also entscheidend, die Lieferkosten so niedrig wie möglich zu halten. Und die hängen von der Bezahlung und Auslastung der Fahrer ab.

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Wie der Bericht weiter zeigt, gehört Foodora nur zu 95 Prozent zu Delivery Hero. In der Szene heißt es, die Foodora-Gründer hielten weiter Anteile an ihrem 2014 gegründeten Startup.

Bild: Foodora

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