Bio-Company-Chef: „Amazon ist für mich nicht akzeptabel“

Georg Kaiser, Gründer von Bio Company, rechnet damit, dass der Online-Handel mit Lebensmitteln zunehmen wird. Er hofft aber auf andere Shops als Amazon.

Wir wollen's ganz genau wissen: Wie sieht die Zukunft der Branche aus? In der Rubrik „What's Cooking?“ fragen wir die großen Entscheider der Food-Industrie nach ihrer persönlicher Meinung. Den Anfang macht Georg Kaiser, Chef der Bio-Supermarktkette Bio Company.

Name: Georg Kaiser

Alter: 50 Jahre

Position: Bio- und Qualitätsenthusiast – Gründer und Geschäftsführer von Bio Company

Lieblingsessen: Suppen aller Art – aktuell Tomatensuppe

Anzahl Mitarbeiter: 1.500

Umsatz der Firma 2017: 157,2 Millionen Euro

Wie häufig lassen Sie sich im Monat Lebensmittel nach Hause liefern? Wann war das letzte Mal?

Muss ich überlegen – ich glaube noch nie! Für mich ist Lebensmitteleinkauf Freude. Ich weiß, dass ich da vielleicht einer Minderheit angehöre. Aber das Stöbern und sich inspirieren zu lassen, macht mir Spaß. Die anderen Menschen zu beobachten und auch mal rauszukommen aus Büro und Haus, ist für mich eine soziale Interaktion.

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Wer wird den Food-Markt nachhaltiger umkrempeln: Amazon oder der Trend zum Regionalen?

Wenn Sie mit den regionalen Anbietern diejenigen meinen, die möglichst nahe am Kunden sind, würde ich diesen in jedem Fall eine gute Zukunft geben. Amazon ist für mich persönlich nicht akzeptabel. Nicht als Kunde und nicht als Geschäftspartner. Das hat mehrere Gründe. Vielleicht ist dies aber eine Wunschvorstellung. Doch auch andere Imperien sind schon in sich zusammengefallen. Die Welt danach war aber immer eine andere als davor. Der Foodmarkt wird in jedem Fall von den Unternehmen gestaltet werden, die sich möglichst schnell auf die Bedürfnisse der Kunden einstellen. Auch der stationäre Handel kann so smart werden, dass es möglichst vielen Konsumentinnen und Konsumenten Spaß macht einzukaufen. Bio Company kooperiert beispielsweise mit dem Lieferservice Lokador (im Raum Potsdam) und dem Onlinehändler AllyouneedFresh (Berlin). Hier sehen wir regionale Alternativen, die wir gut mit unserer Philosophie vereinbaren können.

Eine Bio-Company-Filiale von innen.

Bio Company hat in Berlin, Hamburg und Dresden insgesamt 54 Filialen.

Was bedeutet Digitalisierung für Ihr Unternehmen? Und wie wird das Thema bei Ihnen in die Praxis umgesetzt?

Dies bedeutet eine zunehmende Vernetzung und auch effizientere Nutzung von IT-Systemen. Beispielsweise in der Warenbeschaffung, Qualitätssicherung, im Cash-Management, Personalmanagement etc. Ein Beispiel dafür ist unser Online-Bewerbertool für Mitarbeiter. Gleichzeitig bedeutet es aber auch einen erhöhten Maßstab an die Sicherheit und anspruchsvollen Schutz von Daten. Wir haben jüngst für unsere Kunden eine Kundenkarte eingeführt, die ein Rabattsystem anbietet. Hier kann der Kunde selbst entscheiden, ob er seine Karte personalisiert oder nicht. Damit unterscheiden wir uns von vielen anderen Anbietern.

Welche Trends aus der Gastronomie beeinflussen ihr Unternehmen?

Paleo, vegan, gesunde saisonale Gerichte für die Mittagszeit. Aber auch ein hohes Maß an handwerklicher Erzeugung. Beispielsweise haben wir mit der Bio Manufaktur Havelland einen eigenen regionalen Fleisch- und Wurstwarenbetrieb, der für unsere Theken auch warme Mittagsgerichte zaubert.

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Welches Food-Startup finden Sie aktuell besonders interessant?

Generell solche, die spontan Kochfreunde zusammenbringen, so dass man wieder mehr gemeinsam zubereitet und mit viel Vergnügen an großen Tischen speist. Es sind solche Food-Startups, die nicht die dritte Kopie eines Produktes bringen, wie beispielsweise Bitterschokolade aus speziellen Kakaobohnen oder eine noch coolere Limo. Vor circa 18 Monaten haben mich die Bonebrox-Founder begeistert. Eine Knochenbrühe, wovon wir in zwölf Monaten 6.000 Stück verkaufen konnten, obwohl die Gläser immerhin 7,99 Euro kosten. Dieses Jahr sind einige interessante Kimchi-Varianten am Markt wie beispielsweise das Zentrum für Fermentation in Leipzig.

Noch macht der Anteil von Online-Einkäufen im Lebensmittelhandel nur etwa ein Prozent der Einkäufe aus. Wie groß wird dieser Anteil in Ihren Augen in zehn Jahren sein?

Sollte ich die Glaskugel finden, die das voraussieht, gebe ich Ihnen gerne Bescheid. Der Anteil wird aber sicher noch etwas steigen. Selbsternannte Experten sprechen von zehn Prozent Anteil in fünf bis zehn Jahren. Eines ist jedoch gewiss: Frische Lebensmittel online zu verkaufen, ist ungleich komplexer, als Bücher oder Schuhe online zu versenden. Der mit einem Verkaufswert verbundene Aufwand ist um ein mehrfaches höher als in diesen Bereichen.

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Auf welche Entwicklung im Lebensmittelbereich freuen Sie sich ganz besonders?

Den stetig wachsenden Trend nach authentischen Erzeugnissen von kleinen und mittleren Biobetrieben, die wir seit 1999 mit nach vorne gebracht haben.

Wovon werden wir uns Ihrer Meinung nach in 50 Jahren ernähren?

Sicher nicht von Heuschreckenmehl. Ich bin der Meinung, dass es auch dann noch genügend Menschen gibt, die sich von frischem Feldgemüse aus der Region, hochwertigen Molkereiprodukten und Erzeugnissen aus artgerechter Tierhaltung ernähren werden. Es wird das Prinzip gelten: Weniger ist mehr. Qualität vor Quantität.

Bild: Bio Company

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