Die Discounter sind kurz davor, beim E-Food eine große Chance zu verspielen

Im Kampf um die Pole-Position im Online-Handel liegen Supermärkte vor den Discountern. Dabei könnte E-Food genau für Billig-Anbieter neue Möglichkeit eröffnen.

Der digitale Wandel hin zum Lebensmittelkauf im Online-Supermarkt steht in Deutschland noch ganz am Anfang. Amazon hat erst vor wenigen Tagen angekündigt, seinen Lebensmittel-Lieferdienst „Fresh“ künftig auch in München anzubieten, Edeka und Rewe arbeiten ebenfalls daran, ihr Angebot zu verbessern und mit dem US-Giganten mitzuhalten. Von  Discountern kamen zuletzt allerdings Signale, die eher als Zeichen der Resignation im Kampf um die E-Food-Kundschaft zu werten sind. So hat Lidl sein Online-Angebot kürzlich weitestgehend auf Non-Food-Produkte eingeschrumpft, Kaufland verzichtete auf einen bereits angekündigten Start seines Lieferdienstes in Hamburg, nachdem bekannt wurde, dass Amazon Fresh ebenfalls in der Hansestadt verfügbar sein wird. 

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Eine neue Studie des Marktforschungs- und Beratungsinstituts Yougov zeigt nun allerdings, dass insbesondere Discounter von dem Online-Geschäft profitieren könnten. Wie die Lebensmittel Zeitung berichtet sind demnach rund zwei Drittel der „preisorientierten Kunden“ dazu geneigt, online einzukaufen, sobald es dort einfacher, schneller und günstiger wird als in der Filiale. Glaubt man Markus Braun, Head of Business Unit Reports bei Yougov, ist es bis dahin nur noch ein Frage der Zeit. „Die Erfahrung zeigt, dass „Online“ in vielen Produktkategorien preisführend ist. Das wird bei Lebensmitteln perspektivisch ähnlich sein, zumindest bei haltbaren Produkten“, sagt  Braun der Lebensmittel Zeitung. 

Noch hat der Online-Handel im Lebensmittelgeschäft nur einen Anteil von rund einem Prozent. Doch in anderen Ländern wie Frankreich oder Großbritannien liegen die Umsätze bereits deutlich höher. Experten halten ein Wachstum dieses Segments in den kommenden Jahren für sehr wahrscheinlich. Die wechselwillige, preisorientierte Kunden-Gruppe macht 39 Prozent aller Käufer über 18 Jahren aus. Dem gegenüber stehen die „anspruchsvollen“ Käufer, die 27 Prozent aller Kunden ausmachen und mehr Wert auf Qualität und Einkaufserlebnis legen. Letztere sind für die Discounter als Kunden ohnehin nicht interessant. Kaufen große Teile der „Preisorientierten“ ihre Lebensmittel künftig im Internet, könnte das für die Discounter schmerzhafte Auswirkungen haben.

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Für die Supermarktketten ist vor allem die Logistik der Lieferungen und die damit verbundenen Kosten ein Problem. Rewe beispielsweise versucht dem entgegenzuwirken, indem der Anbieter neben der Lieferung auch die Option bietet, Lebensmittel online zu bestellen, die Ware dann aber selbst im Supermarkt abzuholen. Für die Studie „Aldi meets Amazon“ hat YouGov nach eigenen Angaben im Jahresverlauf 70.000 Deutsche kontinuierliche repräsentativ befragt. Die Analyse dieser Daten wurde demnach mit einer zusätzlichen bevölkerungsrepräsentativen Befragung von 2097 Personen kombiniert. Die Studie wurde in Deutschland und Großbritannien durchgeführt.

Bild: Getty Images/ Busakorn Pongparnit

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