So sehen die neuen Food-Trends aus

„Ernährung ist nicht statisch“

Also wird in der Industrie geforscht und probiert, was das Zeug hält. Locker 100.000 Produkte bieten etablierte Hersteller wie auch Startups dem Handel jedes Jahr an. In den Markt schaffen es davon am Ende allerdings nur gut 40.000, meldet die Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE). Zumindest vorübergehend. „13.000 Produkte halten sich über zwei Jahre, der Rest weicht neuen Trends“, sagt BVE-Hauptgeschäftsführer Christoph Minhoff, der das aktuell verfügbare Warenangebot hierzulande auf rund 170.000 Produkte schätzt. „Ernährung ist nicht statisch, sie passt sich immer den Lebensumständen und gesellschaftlichen Trends an.“

Das hat teilweise auch skurrile Auswüchse: Feinkosthersteller Kühne zum Beispiel bringt die aktuelle Gin- und Whiskey-Welle nun auch in die Küche, indem er Cornichons neben Würze auch einen Schuss Gin oder Whiskey mit ins Glas gibt.

Veganer bleiben die Ausnahme

Allerdings gibt es auch Grenzen. „Extreme Ernährungstrends wie Paleo, wo ausschließlich Zutaten genutzt werden, die es schon in der Steinzeit gab, oder auch Insekten und das im Reagenzglas gezüchtete In-Vitro-Fleisch haben so gut wie keine Akzeptanz beim Verbraucher“, beschreibt Konsumforscher Kecskes. Auch Veganer bleiben dem Experten zufolge die absolute Ausnahme, auch wenn es zuletzt einen kleinen Hype um die entsprechenden Produkte gab. „Das ebbt gerade wieder ab und wird immer eine absolute Nische bleiben“, meint Kecskes.

Vegetarische Produkte dagegen, also sozusagen die Vorstufe von vegan, bleiben weiterhin gefragt, zumal dieser Trend mittlerweile vornehmlich von sogenannten Flexitariern getragen wird, die zwar nicht komplett auf Fleisch verzichten wollen, ihren Konsum aber mit Blick auf Tierwohl und die eigene Gesundheit deutlich reduzieren.

Superfoods haben ihren Preis

Veggie-Produkte sind dementsprechend ein weiterer Schwerpunkt bei den Neuheiten der Anuga. Vorgestellt werden zum Beispiel bunte Brotscheiben. Hersteller Barboli Benelux aus den Niederlanden mischt wahlweise Blumenkohl, Rote Beete, Grünkohl oder auch Kürbis in Focaccias, die dann für zwei Minuten im Toaster aufgewärmt werden.

Dazu gibt es reihenweise neue Smoothies und Nahrungsmittel mit Superfoods, also mit Beeren und Saaten wie Acai, Chia, Goji oder Quinoa, die von Natur aus hohe Nährstoff- und Enzym-Gehalte haben und damit einen Zusatznutzen versprechen. Verbraucherschützer indes kritisieren den hohen Preis von Superfoods, zumal manch heimische Früchte und Gemüse der propagierten Gesundheitswirkung in nichts nachstehen würden, darunter Heidelbeeren, Holunder und Kirschen oder auch Grünkohl, Spinat und Brokkoli.

„Bio ist inzwischen Mainstream“

Im Trend sieht GfK-Forscher Kecskes zudem noch immer die Bio-Bewegung. „Neue Trends werden nicht mehr ohne Bio-Bezüge auskommen“, prognostiziert er. Aus seiner Sicht müssen Neuheiten in Zukunft grundsätzlich biofähig sein, um überhaupt eine dauerhafte Chance zu haben. „Bio hat heute eine Käuferreichweite wie Toilettenpapier“, begründet Kecskes seine Einschätzung. 98 Prozent der Haushalte in Deutschland würden mindestens einmal pro Jahr ein Bio-Produkt kaufen. „Bio ist inzwischen Mainstream und wird von den Verbrauchern nicht mehr hinterfragt, sondern erwartet.“

Das zeigt sich auch in den Zahlen: Mit Bio-Lebensmitteln wurde zuletzt ein Jahresumsatz von rund sechs Milliarden Euro erzielt, meldet die GfK. Der Anteil an den Lebensmittelausgaben hat sich dabei innerhalb von zehn Jahren auf fast sechs Prozent nahezu verdoppelt.

Dieser Artikel erschien zuerst bei Welt Online.

Bild: Patrick Aventurier / Getty Images

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