Trends, Innovationen und Digitales aus der Lebensmittelbranche

Zu gut für die Tonne: Ideen gegen die Verschwendung von Lebensmitteln gesucht!

Rund elf Millionen Tonnen Lebensmittel werden hierzulande jährlich weggeworfen. Mit deiner Idee wäre alles anders? Dann werde jetzt Lebensmittelretter!

Warum auch weniger schönes Obst und Gemüse eine Chance verdient hat

Kaum zu glauben, aber wahr: Wenn nach dem Wochenende wieder nur Joghurt und Licht im Kühlschrank übrig sind, und ersteres das Haltbarkeitsdatum bereits um zwei Tage überschritten hat, wird man als Konsument auch nach dessen Verzehr vermutlich nicht das Zeitliche segnen. Auch der etwas schrumpelige Apfel aus dem Obstkorb gleich nebenan ist zwar kein optisches Highlight mehr, weiß aber durch innere Werte immer noch zu überzeugen. Denn was gut aussieht, riecht und schmeckt, ist meistens auch nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums noch genießbar.

Also keine Angst: Das Mindesthaltbarkeitsdatum dient als Orientierungshilfe und informiert Konsumenten darüber, wie lange ein Lebensmittel mindestens seine Abfüll- oder Abpack-Qualität behält. Nach dessen Ablauf wird aus „Mindestens haltbar bis“ also nicht „Sofort tödlich ab“. Wer seine Geschmacksknospen durch Glutamat oder die Fastfood-Kette seines Vertrauens nicht gänzlich vergrault hat, kann demnach ganz unbesorgt auf seine Sinne vertrauen. Die leicht labbrige Zucchini lässt sich locker noch in einer Sauce verwerten, Paprika sind durch Dellen meist auch nur optisch und nicht geschmacklich benachteiligt, und Käse riecht von Haus aus.


Du hast nichts gegen Schrumpelgemüse, aber eine Idee gegen Lebensmittelverschwendung? Dann bewirb dich bis 31. Oktober 2018 für den Zu gut für die Tonne!-Bundespreis des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft!  


Warum Nachhaltigkeit mehr als ein schönes Füllwort sein sollte

Wer Lebensmittel nicht wegwirft, weil sie gewissen Schönheitskriterien nicht entsprechen, folgt den Prinzipien der Nachhaltigkeit. Ein Wort, das bei vielen entweder für den kalten Schauer der Ablehnung, Ratlosigkeit oder übereifrige Belehrungsstürme sorgt. Doch wir brauchen diese Gutmenschen mehr als je zuvor, denn in puncto ressourcenschonender Umgang hat Deutschland eindeutig noch, nun ja, positives Entwicklungspotenzial:
Elf Millionen Tonnen Lebensmittel im Wert von 25 Milliarden Euro wandern hierzulande jedes Jahr in die Tonne – darunter auch Nahrungsmittel, die noch genießbar sind. Pro Kopf sind das rund 55 Kilogramm Lebensmittelabfall jährlich. Zur Verschwendung tragen alle bei, Hersteller, Landwirtschaft, Handel und Verbraucher.

In dieser Angelegenheit lohnt es sich, einmal zu den Nachbarn zu linsen: Frankreich und Italien haben beispielsweise bereits einen Gesetzesentwurf vorangebracht, der einen Wegwerfstopp für Lebensmittel vorsieht.

„Zu gut für die Tonne!“ – die BMEL-App gegen Verschwendung

Auch hierzulande ist man nicht untätig: Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) setzt auf Digitalisierung und hat mit Zu gut für die Tonne! eine App herausgebracht, die helfen soll, die Lebensmittelverschwendung einzudämmen. Wer jetzt an eine schnöde Resteverwertungs-App denkt, irrt. An der Entwicklung der App waren Spitzenköche wie Sarah Wiener und Johann Lafer beteiligt. Und damit ist es noch nicht getan: Das digitale Rezeptbuch umfasst mittlerweile 340 Rezepte und wächst stetig.

Die App beinhaltet jedoch nicht nur Rezepte, sondern liefert auch Informationen. Wichtig zu wissen ist etwa, dass sich bei den meisten Lebensmitteln Geruch, Geschmack und Konsistenz verändern, schon bevor sie verdorben sind: Was duftete, riecht fad, was intensiv schmeckte, schmeckt etwas langweiliger, was knackig war, wird weicher. Essbar sind die Lebensmittel aber trotzdem noch – und mit einem passenden Resterezept werden sie auch wieder mehr als nur essbar. Grundsätzlich gilt jedoch: Am besten, man kauft Lebensmittel erst dann, wenn man sie wirklich braucht. Oder wenn man weiß, dass man sie essen wird, solange sie noch schmackhaft sind.


Wer innerlich bei jedem Satz „Weiß ich längst!“ oder „Mach ich längst, nur besser und anders!“ mitgeschrien hat, der möge jetzt aufmerken: Der Bundespreis gegen Lebensmittelverschwendung geht in eine neue Runde – und für die Verleihung 2019 kommt die Bewerbungskategorie „Digitalisierung“ neu hinzu. Einsendeschluss ist der 31. Oktober 2018. Jetzt bewerben! 


Von „Irgendwas mit Medien“ zu Lebensmittelrettern

Der Bundeswettbewerb gilt als Oscar der Lebensmittelretter und steht maßgeblich für Lösungsorientierung: Hier werden herausragende Ideen prämiert, die einen relevanten Beitrag zur Vermeidung von Lebensmittelabfällen leisten können.

Ein Beispiel dafür: Die Vorjahrespreisträger „DingsDums Dumplings“, die 2018 mit dem Zu gut für die Tonne!-Förderpreis ausgezeichnet wurden. Aus den ehemaligen Studienkollegen Mauritz, Jiliana und Anna, die „irgendwas mit Medien“ machten, wurden drei Jungunternehmer der Green Economy. Die Leidenschaft am Kochen und das Bedürfnis, einen Beitrag zur Lebensmittelrettung zu leisten, brachte sie auf die Idee, Dumplings aus geretteten Lebensmitteln anzubieten. Als Caterer im Foodtruck gestartet, haben sie im Frühling dieses Jahres ihr erstes eigenes Lokal in Berlin eröffnet. Ihre geretteten Lebensmittel beziehen sie unter anderem von Bundespreisgewinner Raphael Fellmer und seinem Food-Outlet-Store „SirPlus“.

Die drei „DingsDums Dumplings“-Gründer Anna, Jilianne und Mauritz mit Bundesministerin Julia Klöckner und Ingrid Hartges, Hauptgeschäftsführerin Deutscher Hotel- und Gaststättenverband e.V.: Die „Dumpling-Dealer vom Görli“ verwenden für die Füllungen der Teigtaschen ausschließlich Lebensmittel, die aus Überproduktionen stammen oder kurz vor dem Mindesthaltbarkeitsdatum stehen.

Die drei „DingsDums Dumplings“-Gründer Anna, Jilianne und Mauritz mit Bundesministerin Julia Klöckner und Ingrid Hartges, Hauptgeschäftsführerin Deutscher Hotel- und Gaststättenverband e.V.: Die „Dumpling-Dealer vom Görli“ verwenden für die Füllungen der Teigtaschen ausschließlich Lebensmittel, die aus Überproduktionen stammen oder kurz vor dem Mindesthaltbarkeitsdatum stehen.


Willst auch du die Lebensmittelbranche nachhaltig verändern und der Verschwendung den Kampf ansagen? Dann bewirb dich noch bis 31. Oktober 2018 für den Zu gut für die Tonne!–Bundespreis!  


Was sind die Teilnahmevoraussetzungen?

Grundsätzlich gilt: Ganz gleich, ob man sich als Unternehmen, Privatperson, Kommune, NGO oder Bürgerinitiative gegen Lebensmittelverschwendung einsetzt: Der Zu gut für die Tonne!–Bundespreis ist für alle offen. Was zählt, ist eine gute Idee, die hilft, Lebensmittelabfälle zu reduzieren. Die Einreichungen werden nach fünf Kriterien bewertet: Themenpassgenauigkeit, Kreativität/Innovation, Engagement, Erfolg, Vorbildwirkung. Eine Jury wählt unter allen eingereichten Bewerbungen die besten aus. Die Gewinner werden Anfang 2019 im Rahmen einer feierlichen Preisverleihung bekannt gegeben.

Ihr habt ein Konzept, es fehlen aber noch die Mittel für die Umsetzung? Auch dann lohnt es sich, mitzumachen: Unter den Bewerbern werden zwei Förderpreise vergeben, die mit 10.000 Euro beziehungsweise 5.000 Euro dotiert sind.

Weitere Fragen zum Bewerbungsverfahren? Gerne telefonisch an 0228 99 68 45 – 7340 oder per E-Mail an kontakt@zugutfuerdietonne.de

Artikelbild: eyeem.com
Bild DingsDums-Dumplings: BMEL/Christof Rieken

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