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Wann ist der richtige Zeitpunkt, um Mitarbeitern zu kündigen?

Mal muss eine Abteilung aufgelöst werden, die nicht rentabel ist. Mal passen neue Kollegen nicht ins Team. Zwei Gründer erzählen, wann und wie sie Angestellte entlassen.

Im Leben eines jeden Unternehmers kommt irgendwann der Punkt, an dem er einen Mitarbeiter entlassen muss. Solche Gespräche sind nicht angenehm und können im schlimmsten Fall Klagen nach sich ziehen. Gründerszene hat zwei Chefs gefragt, woran sie merken, dass der Zeitpunkt da ist, und wie sie ins Kündigungsgespräch hineingehen.

„Meistens ist das eine Leistungssache“, sagt Little-Lunch-Mitgründer Denis Gibisch. Sein Augsburger Suppenhersteller hat rund 30 Mitarbeiter. „Bei uns müssen alle selbstständig arbeiten. Viele können das nicht und wollen lieber angeleitet werden. Aber ich weiß auch nicht alles und brauche daher Leute, die das Unternehmen weiterbringen“, so Gibisch. Die Probezeit bei Little Lunch dauert sechs Monate. Wenn Kollegen den Anforderungen von Denis Gibisch und seinem Bruder Daniel nicht gerecht werden, müssen sie das Startup schon vorher verlassen.

Little Lunch musste aber auch schon einmal betriebsbedingt Leute entlassen. „Einmal haben wir einen Versuch gemacht und ein Außendienstteam aus vier Leuten eingestellt. Dann mussten wir aber feststellen, dass sich das nicht rentiert und die ganze Abteilung auflösen“, erzählt der Mitgründer. Diese Situation versucht Lemoncat-Gründerin Doreen Huber zu umgehen. Wenn sie merkt, dass eine Abteilung schwächelt, setzt sie sich für mehrere Wochen zum jeweiligen Team, spricht mit jedem Angestellten und versucht, sowohl den Grund als auch eine Lösung zu finden, wie sie Gründerszene erklärt.

„Ich mache das meistens Freitagnachmittag um 16 Uhr“

Aber: „Es passiert auch, dass man Mitarbeiter an Bord holt, die nach ein paar Wochen vielleicht doch nicht so gut zur Firma passen. Und ich versuche das dann schnell zu klären“, sagt Huber. Die Berlinerin musste sowohl in ihrer ersten eigenen Firma Yields Sales & Services als auch als Chefin des Catering-Portals Lemoncat Mitarbeitern kündigen. Vor kurzem verkaufte sie letzteres an den Konkurrenten Caterwings, zuletzt arbeiteten rund 40 Leute unter ihr. „Idealerweise sollte man das nicht auf eine persönliche Ebene ziehen, sondern ganz sachlich und offen ansprechen und sagen: ‚Ich glaube, das passt nicht mit uns und das war vielleicht doch nicht die richtige Position.‘“

Denis Gibisch übernimmt Kündigungsgespräche immer allein. „Ich mache das meistens Freitagnachmittag um 16 Uhr“, erzählt er. Auf diese Weise wolle er vermeiden, dass die Betroffenen schlechte Stimmung im Team verbreiten oder absichtlich Schwierigkeiten bereiten. Er stelle die baldigen Ex-Kollegen dann sofort frei, sodass sie die verbliebenen vier Wochen Kündigungsfrist nicht mehr zur Arbeit kommen. Obendrein biete er den Mitarbeitern eine Abfindung von 2,5 Monatsgehältern an. Dann bittet Gibisch sie nach eigener Aussage, ihre Sachen zu packen und sich zu verabschieden. 

„Je weniger man sagt, desto weniger Stress mit dem Anwalt“

Er rät außerdem, keine expliziten Gründe für die Kündigung zu nennen. „Je weniger man sagt, desto weniger Stress hat man danach mit dem Anwalt.“ Das Startup habe in der Vergangenheit oft Kündigungsschutzklagen von ehemaligen Angestellten bekommen, da sie die Ausgleichszahlung abgelehnt hätten, erzählt der Little-Lunch-Chef.

Eins hat Doreen Huber nach 13 Jahren Chefin-Sein gelernt: „Wenn man Kapital von Investoren hat, ist es das Verführerischste, zu viele Leute einzustellen, anstatt Sachen zu automatisieren.“ Ihr Catering-Startup hat insgesamt rund neun Millionen Euro eingesammelt, darunter von Rocket Internet. „Deswegen sollte man sich immer noch mal fragen, ob es wirklich nötig ist, eine neue Person einzuarbeiten und ob diese Person die Umsätze reinholen kann.“

Scheitern ist keine Option, sagt die Lemoncat-Gründerin

Im August verkaufte Doreen Huber ihr Catering-Portal Lemoncat an die Konkurrenz. Uns hat sie im Videointerview Einblicke in ihr Startup und Gründerinnenleben gegeben.


Bilder: Little Lunch / Lemoncat

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