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Ermittlungen gegen Von-Floerke-Gründer wegen Insolvenzverschleppung

Sein Bonner Startup steckt tief in der Krise: keine Lieferungen, Anzeigen, Zahlungsausfälle. Nun wird David Schirrmacher vorgeworfen, die Insolvenz hinauszuzögern.

Ist Von Floerke längst zahlungsunfähig, meldet die Insolvenz aber absichtlich nicht dem Amtsgericht? Das prüft die Bonner Staatsanwaltschaft gerade, wie der General Anzeiger zuerst berichtete. Gegen das E-Commerce-Startup liegt eine Strafanzeige wegen Insolvenzverschleppung vor, wie Staatsanwalt Sebastian Buß gegenüber Gründerszene und NGIN Food bestätigte. Die Behörde habe die Ermittlungen bereits eingeleitet. Sobald ein Unternehmen zahlungsunfähig ist, hat es nach deutschem Recht drei Wochen Zeit, die Insolvenz anzumelden. Das hat Von Floerke bislang nicht getan. Gründer David Schirrmacher war für eine Stellungnahme am Freitagnachmittag nicht zu erreichen.

Der Herrenausstatter hatte im Oktober günstige Spirituosen und Kaviar in sein Sortiment mitaufgenommen, wurde jedoch von der Nachfrage überrannt und konnte nicht liefern. Weil die Umsätze sprunghaft stiegen, Payment-Dienstleister wie Klarna und Paypal aber im Vorfeld nicht darüber informiert waren, froren diese das Geld ein. Von Floerkes Hausbank, die Stadtsparkasse Remscheid, zog einen Notfallkredit über eine halbe Million Euro wieder zurück.

Mehrere Personen stellten Strafanzeige, woraufhin die Bonner Staatsanwaltschaft Ermittlungen wegen des Verdachts auf Betrug einleitete. Die erste Rate der Zinszahlungen aus der Kapilendo-Kampagne, die Von Floerke im Herbst leisten sollte, kam nicht zustande. Im Jahr zuvor hatte der Onlineshop 1,2 Millionen Euro von der Crowd eingesammelt. Von-Floerke-Gesellschafter Frank Thelen hat angeboten, bei einer Auflösung des Startups, seine Anteile in Höhe von 17 Prozent an die Kapilendo-Anleger abzugeben, damit diese nicht ihr Geld verlieren. Der Investor stieg 2015 im Rahmen der TV-Show „Die Höhle der Löwen“ bei dem Unternehmen ein. Ein weiterer Anteilseigner ist der Mytaxi-Gründer Niclaus Mewes.

Internen Geschäftsberichten zufolge hat Von Floerke seine Crowdinvestoren von vornherein belogen. Die Zahlen zeigen, dass der CEO mit deutlich höheren als den tatsächlichen Umsätzen um Kapital geworben hat, wie das Manager Magazin im Dezember berichtete. Laut Schirrmacher soll der Innenumsatz im ersten Halbjahr 2017 mehr als 1,2 Millionen Euro betragen haben. In Wahrheit lag er aber nur bei rund 670.000 Euro. Gegenüber dem Manager Magazin sagte Kapilendo-CEO Christoph Grätz damals, die Crowdinvesting-Plattform habe die Umsatzzahlen nicht überprüft, da sie lediglich im FAQ der Kampagne veröffentlicht wurden.

Auf Linkedin hatte Schirrmacher Anfang Januar angegeben, seinen CEO-Posten zum Jahreswechsel geräumt zu haben. Mittlerweile hat er seine Angaben wieder zurück geändert. Die Spirituosen hat Von Floerke noch vor Weihnachten aus dem Sortiment genommen. Und auch die Filialen in Münster Düsseldorf seien mittlerweile geschlossen, schreibt der General Anzeiger. Sollte sich der Verdacht auf Insolvenzverschleppung bestätigen, droht dem 26-Jährigen Gründer im schlimmsten Fall eine Haftstrafe.

Neues Angebot, keine Lieferung: Heftiger Shitstorm für von Floerke

Im Oktober beschloss der Modehändler, auch Spirituosen und Kaviar in seinen Onlineshop mitaufzunehmen. Von Floerkes Richtungswechsel sorgt für Ärger.

Bild: Von Floerke

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