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Letzte Chance für das Döner-Imperium der zwei WHUler in den USA

Nach sieben Jahren steckt die millionenschwere US-Gastro-Kette zweier Deutscher in einer schweren Krise. Und die Gründer mussten ihr eigenes Startup verlassen.

Mit großen Ambitionen waren Michael Heyne und Dominik Stein 2011 in die USA ausgewandert. Die beiden Absolventen der bekannten Business School WHU hatten ein klares Ziel: Mit einer hochwertigen Gastro-Kette wollten sie den Döner in den USA etablieren. Sie gründeten VertsKebap

Bereits 2016 konnten die beiden Gründer fast 40 Restaurants und 17 Millionen US-Dollar Jahresumsatz vorweisen. Doch zwei Jahre später scheint das Konzept trotzdem am Ende zu sein. Wie Michael Heyne gegenüber Gründerszene bestätigte, plant das Unternehmen, das seit November 2017 Noon Mediterranean heißt, in dieser Woche bei den Behörden Chapter 11 anzumelden. Es handelt sich dabei, um das US-Äquivalent zur Insolvenz in Eigenregie. Bereits in der vergangenen Woche seien die Investoren darüber informiert worden.  

Drei hochrangige Manager seien in dieser Situation zu teuer

Außerdem hat Michael Heyne ebenso wie sein deutscher Mitgründer Dominik Stein, mit dem er die Geschäfte bislang führte, sein eigenes Unternehmen verlassen. „Seit Ende vergangener Woche hat Noon Mediterranean einen neuen CEO“, sagt Heyne. „Stefan Boyd, der bisher unser CMO und VP Finance war, wurde vom Gesellschafterkreis in diese Position gewählt.“

In der aktuellen Situation seien drei C-Level-Manager zu teuer und für potentielle Investoren nicht attraktiv. „Deshalb sind Dominik und ich seit Freitag nur noch in der Rolle als Berater tätig.“ Ob ihre Meinung gewünscht ist, hängt jetzt von ihrem ehemaligen Angestellten ab. Schon seit Ende 2017 halten die beiden Gründer nicht mehr die Mehrheit an Noon Mediterranean. Eine Absprache, ob sie nach einer möglichen Restrukturierung wieder ins Unternehmen einsteigen, gibt es nicht.

Was sind die Gründe für den Absturz? Rückblickend sieht Michael Heyne die Standortwahl im Zuge der schnellen Expansion kritisch. Das Startup habe die Dönerläden in den falschen Städten eröffnet, sich eher auf Shoppingsmalls in Vorstädten konzentriert, anstatt liberalere Großstädte ins Visier zu nehmen. In den Vorstädten würden die Familien lieber in Restaurants der altbekannten Marken essen. Außerdem habe es sich als schwierig erwiesen, ein komplett unbekanntes Produkt wie den Döner in diesem Tempo und dieser Größenordnung in den USA zu etablieren, sagt der Gründer. Als die negative Entwicklung deutlich wurde, versuchten die Gründer mit Änderungen am Menü und der Schließung etlicher Filialen entgegenzusteuern.

Zwei WHU-Absolventen verdienen Millionen mit ihrem Döner-Imperium

Chapter 11 bedeutet noch nicht das Ende des Startups. Die ordentliche Geschäftstätigkeit wird unterbrochen. Das Unternehmen muss keine Rechnungen mehr zahlen und hat drei Monate Zeit, dass sich die Kapitalgeber einigen.

In diesen drei Monaten muss ein neuer Investor gefunden und ein neuer Plan für das Unternehmen entwickelt werden. Stimmen die Investoren und der Staat diesem Plan zu, kann das Unternehmen danach weitermachen. Kommt es zu keiner Einigung, wird es abgewickelt, das nennt sich dann Chapter 7. 

Laut Heyne sehen die Investoren Chapter 11 nicht als Pleite, sondern als Möglichkeit, das Unternehmen weiterzuentwickeln. „Mit den größten Anteilseignern haben wir schon vor einem Jahr über diesen Schritt nachgedacht, aber Dominik und ich waren dagegen“, berichtet Heyne. Aus seiner Sicht ist Noon Mediterranean aktuell schon wieder auf einem guten Weg. „Seit der Umbenennung, der Reduzierung der Filialzahl und dem neuen Konzept haben wir eine positive Entwicklung, aber das sind eben erst sechs Monate denen sieben Jahre des negativen Trends gegenüberstehen“, so der Gründer. Einen konkreten Investor habe das Unternehmen allerdings noch nicht im Blick, Gespräche würden aber schon geführt. 

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Gestartet war das Startup als VertsKebap, seit 2016 hieß das Unternehmen noch Verts, Ende 2017 folgte dann die Umbenennung in Noon Mediterranean. Als Folge dieses Pivots gab es bei Noon Mediterranean keinen Döner mehr. Stattdessen konzentriert sich die Gastro-Kette nun auf mediterrane, individuell zusammengestellte Bowls mit Trendfood wie Quinoa oder Kale. Das kommt nicht bei allen Kunden gut an. Bei Reddit häufen sich die empörten Kommentare dazu. Zahlreiche Nutzer äußern hier ihre Enttäuschung darüber, dass sich die Gastro-Kette in den zurückliegenden Jahren in verschiedensten Belangen verschlechtert hätte. 

Die Unternehmensstruktur der Gastro-Kette war von Anfang kompliziert gestaltet. Weil Heyne und Stein davon ausgingen, in den USA nur als große Gastro-Kette Erfolg haben zu können, setzten sie auf schnelles Wachstum und versuchten möglichst viel Kapital einzusammeln. Dafür gründeten sie zusätzlich zu ihrem US-Startup im Jahr 2015 eine deutsche Tochterfirma mit dem Namen VertsKebap Finance GmbH. 

Diese war dafür da, für die Gastro-Kette Geld von Investoren einzusammeln. Die Gründer boten dafür sogenannte Nachrangdarlehen mit qualifiziertem Rücktritt an. Eine Form der Geldanlage, die dem Investor praktisch keine Sicherheit bietet. Noon Mediterranean ist zu 75 Prozent mit Geldern aus Deutschland finanziert.  

Umsätze reichen nicht aus

Schon in den vergangenen Monaten gab es Anzeichen, dass es dem Unternehmen nicht gut geht. So teilte die VertsKebap Finance GmbH im Januar dieses Jahres mit, dass die Zinszahlungen und Rückzahlungen für die Nachrangdarlehen bis auf Weiteres ausgesetzt seien. Das öffentliche Angebot für die Nachrangdarlehen sei bereits im Dezember 2017 beendet worden.

Als Grund gab das Startup in einer BaFin-Mittelung an, es sei im Herbst 2017 „weder gelungen ausreichende Umsätze zu erwirtschaften noch neues Eigen-/Fremdkapital in ausreichender Höhe aufzunehmen“. Für die Anleger bedeutete das, dass ihre Gelder „in ernsthafter Gefahr sind“, wie Ralf Buerger, Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht, damals erklärte. Im schlimmsten Fall drohe ihnen der Totalverlust. Investiert hatten vor allem viele Business Angels. An dem US-Startup waren unter anderem der deutsche VC Wolfman One und Littlerock aus Kassel beteiligt. Insgesamt sollen mehr als 36 Millionen Dollar in das Unternehmen geflossen sein.

Bild: Michael Heyne / Verts

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