Trends, Innovationen und Digitales aus der Lebensmittelbranche

Haben diese Gründer die nächste Wunderpille entwickelt?

Negativen Stimmen begegnet Vogler gelassen. Kritiker könnten seinem Geschäft nichts anhaben, glaubt er – schließlich gebe es immer noch genügend Befürworter von Vitaminpräparaten wie denen von Veluvia. Genauso selbstbewusst zeigt er sich bei der Yogastunde. Nach 30 Minuten hat der Gründer genug von den Einsteiger-Übungen Sonnengruß, Baum und Krieger. Jetzt will er zeigen, was er kann: Als sei es das Einfachste der Welt, geht er in die Hocke und stützt sein gesamtes Körpergewicht auf seine Hände. Vogler hält die Pose mit dem Namen Krähe minutenlang. Immerhin erscheinen auf seinem Shirt ­inzwischen die ersten Schweißflecken.

Vertrieb nach dem Vertreter-Prinzip

Der Markt für Vitaminpillen und andere  Nahrungsergänzungsmittel ist riesig und er wächst weiter. 1,2 Milliarden Euro gaben die Deutschen 2017 dafür aus, fünf Prozent mehr als im Vorjahr. Fast 70 Prozent dieser Summe setzen Apotheken um – klar, dass Vogler und de Francesco ihre Präparate auch dort platzieren wollten.

Bis die pastellfarbenen Veluvia-Verpackungen in den Regalen der Pharmazien stehen, ist es allerdings ein weiter Weg: Jede Apotheke müsse einzeln besucht und jeder Inhaber persönlich von den Produkten überzeugt werden, sagt Vogler. „Von der ersten Anfrage bis zur Listung können drei bis vier Monate vergehen.“ Zwölf freie Mitarbeiter beschäftigen die Gründer inzwischen für den Apothekenvertrieb. Ihre Verkaufsmasche: Die Apotheker sollen die Vitaminkapseln testen und, wenn sie zufrieden sind, das Produkt listen. Neun von zehn Apothekern konnte das Vertriebsteam laut Vogler bisher überzeugen – ob nun lediglich dank des Placeboeffektes oder nicht.

Derzeit sind die Kapseln in 2000 von deutschlandweit 19.500 Apotheken erhältlich. Den Großteil des Umsatzes, über dessen Höhe Vogler nicht sprechen will, macht das junge Unternehmen über den eigenen Onlineshop. Wieso dann überhaupt die hohen Investitionen, um weg vom Online- und hin zum stationären Handel zu kommen? „Unser Produkt bedarf einer kompetenten Beratung“, sagt Gründerin de Francesco. „Der Apotheker ist ein guter Erklärer – und die Kunden vertrauen ihm.“

Was bringen die Wunderpillen für mehr Konzentration und Schönheit wirklich?

Startups wie Veluvia, Braineffect und Ahead werben damit, dass ihre Kapseln den Kunden schöner, besser, schlauer machen. Ein Experte behauptet das Gegenteil.

Inzwischen trägt sie statt Sport-Top und Leggings einen legeren  Hosenanzug. Statt auf der Yogamatte stehen sie und ihr Mann nun im Veluvia-Büro, das sich nur wenige Hundert Meter vom Luxus-Fitnessstudio entfernt befindet. In einem Haus aus rotem Backstein haben de Francesco und Vogler ihre Arbeits- und Lagerräume eingerichtet. Startup-typisches Interieur wie Kicker, Bierkästen oder Ikea-Tische findet man bei Veluvia nicht. Stattdessen einen großen Eingangsbereich mit dunkler Holzvertäfelung an der Wand und zwei schicken Sesseln für Besucher, einen verglasten Meetingraum mit floraler Tapete sowie ein ordentliches Großraumbüro mit viel Platz für die vier festangestellten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Vogler und de Francesco haben jeweils ein eigenes Büro – so weit voneinander entfernt, wie es die Größe der Wohnung erlaubt.

Von acht bis acht ist Veluvia tabu

Ein Minimum an Distanz ist wohl nötig, wenn man seine komplette Zeit miteinander verbringt. Vogler und de Francesco bauen schließlich nicht nur ihr Startup gemeinsam auf, sondern auch eine Familie. Schon seit der Schulzeit sind die beiden ein Paar, 2007 heirateten sie. Inzwischen haben sie zwei Kinder im Grundschulalter – Lukas und Flavia. „Wir sind nicht nur Ehepaar, sondern auch Geschäftsführer, Partner und Gesellschafter“, sagt Vogler „Der Haken ist: Das Thema Arbeit ist nicht Sonntagmorgen am Frühstückstisch vorbei.“

Die Familie hat daher Regeln aufgestellt: Von acht Uhr abends bis acht Uhr morgens wird nicht über das Geschäft geredet. Das Thema gesunde Ernährung ist dagegen nicht tabu. Die zehnjährige Flavia sei schon eine „kleine Ernährungsberaterin“, sagt Mutter de Francesco. Da werde auch schon mal das ungesunde Pausenbrot der Mitschüler kritisiert.

In ihrem Büro servieren Vogler und de Francesco, na klar, gesunde Pausensnacks. Auf einem Teller stapeln sich Vollkornbrötchen mit Avocado und Rote-Bete-Aufstrich, in der Mitte steht ein Korb mit Äpfeln. Daneben aber auch: eine Schale voll Schokoladenkekse. Sie wird im Laufe des Gesprächs über Vitamine und Mineralstoffe die erste sein, die leer ist.

Das Regal ist ihr Ziel

Viele Startups haben neue Food-Ideen. Aber an den traditionellen Supermärkten kommen sie nicht vorbei – eine Herausforderung für die kleinen Unternehmen.

Bilder: Headshots by Chris Marxen (aufgenommen im Fitnessstudio Aspria)

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