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Keine Lieferung und ein Chef-Wechsel – Krise beim Getränkedienst Trinkkiste

Wochenlang hat das Berliner Startup keine Getränke ausgeliefert – kommentarlos. Derweil wurde der CEO ausgetauscht und das ursprüngliche Liefer-Konzept verworfen.

Vergeblich warteten Kunden des Startups Trinkkiste vier Wochen lang auf ihre Lieferungen. Über Verzögerungen wurden sie nicht informiert. So häufen sich seit Mitte Februar die negativen Bewertungen auf Facebook und Trusted Shops: Weder die bereits bezahlten Getränke noch das eingesammelte Pfand wurden zurückgezahlt, heißt es dort. Auf Anrufe und Mails reagierte das Berliner Unternehmen bis Ende März nicht. Was ist bei Trinkkiste los?

Gründer Thomas Kraker von Schwarzenfeld hat sein Liefer-Startup schon Ende 2016 an die Hotelgesellschaft HR Group verkauft  ­– elf Monate nachdem der Lieferservice online ging. Bis November 2017 leitete er die Geschäfte des Berliner Startups. Auf Nachfrage gibt er an, das Bestellvolumen sei bei seinem Ausscheiden zehn Mal so hoch gewesen wie noch zu Beginn des Jahres 2017. 

Seit Mitte März hat Trinkkiste einen neuen Geschäftsführer: Laurent Kaestli. Als Gründer des Food-Startups Kukimi arbeitete er bereits mit dem Chef der Hotelgesellschaft HR Group zusammen, musste vor über einem Jahr jedoch Insolvenz für seine Diät-Fertiggerichte anmelden.

Kaestli erzählt jetzt, dass wenige Monate nach dem Abgang des Trinkkiste-Gründers das ursprüngliche Liefer-Konzept des Startups komplett verworfen worden sei. Im Februar hat der Besitzer, die HR Group, beschlossen, die eigene Logistik von Trinkkiste einzustellen und einen Partner für die Lieferungen zu engagieren – aus wirtschaftlichen Gründen, sagt Kaestli. Somit ist Trinkkiste selbst kein Lieferdienst mehr, sondern eine Plattform, die Bestellungen an Partner weiterleitet. Das Startup war bis dahin in acht deutschen Städten aktiv, hatte eigene Getränkelager und eigene Fahrer, die die Bestellungen ausgeliefert haben. 

Märkte eingestampft und Mitarbeiter weg

Doch wie kam es zu den Lieferausfällen? „In dem Moment, in dem man sich für den Richtungswechsel entschied, wurden alle Mitarbeiter gekündigt, die Aufgaben im Rahmen der Logistik erledigt haben“, sagt der neue Trinkkiste-Chef. Die Entscheidung, die logistische Abfertigung an Dritte abzugeben, „ist zu einem Zeitpunkt getroffen worden, zu dem ein Vertrag mit dem neuen Logistik-Partner noch nicht unterzeichnet war“, so Kaestli weiter. Das hätte seiner Meinung nach dazu geführt, dass die Mitarbeiter verunsichert waren und davon ausgegangen seien, der neue Partner würde die Lieferung übernehmen. Konkreter konnte Kaestli die Vorfälle nach seiner kurzen Zeit im Unternehmen noch nicht erklären.

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Heute bedient das Startup nur noch den Berliner Raum, alle anderen Städte werden nicht mehr beliefert. Zu wenig Umsatz, so Kaestli. Auch darüber wurden die Kunden nicht informiert. „Wir haben einen Fehler gemacht und wir wollen ihn lösen“, sagt der neue CEO jetzt. Er betont, dass entgegen einiger Gerüchte bei Facebook die Firma nicht insolvent sei und das Geschäft weiterlaufen werde. Zurzeit zählt Trinkkiste noch fünf Angestellte, zwei davon werden das Unternehmen demnächst verlassen.

In welche Richtung sich Trinkkiste konkret entwickeln soll – ob nach bewährtem Business-Modell oder einem Marktplatz-Ansatz, den die HR Group verfolgt – kann der neue CEO bisher noch nicht sagen. Zur Hotelgruppe gehört außerdem der digitale Getränkelieferservice EasyGetränke, der künftig mit Trinkkiste fusionieren könnten. Die Marke Trinkkiste und die Webseite wolle die Gesellschaft aber weiterhin behalten.

Bild: Ricky John Molloy / Getty Images, Hinweis: In einer früheren Version des Artikels stand, dass auch Vorlo zur HR Group gehört. Der Getränkeservice wurde im September 2017 verkauft.

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