Trends, Innovationen und Digitales aus der Lebensmittelbranche

Dieser Unternehmer rettet Süßigkeiten vor der Vernichtung

Das Startup Snackfox will abgelaufene Süßigkeiten vor der Mülltonne retten. Doch das Konzept stößt nicht überall auf Begeisterung.

Über wenige Themen sind sich die Deutschen dieser Tage so einig wie darüber, dass die Verschwendung und Vernichtung von Lebensmitteln gestoppt gehört. Bundesernährungsministerin Julia Klöckner (CDU) ruft dazu auf, die Vereinten Nationen und die Welthungerhilfe. Ein Startup namens Snackfox hat daraus sogar eine Geschäftsidee gemacht. Seit einigen Tagen ist die Website online, diese Woche läuft die Werbung in den sozialen Medien an. „Es kann doch nicht sein, dass wir Plastiktüten verbieten, aber gleichzeitig Kekse verbrennen“, sagt Mitgründer Michael Bruck.

Dass Bruck von Keksen spricht ist kein Zufall. Er hätte auch Gummibärchen, Lakritz oder Schokoriegel erwähnen können. Snackfox kauft nach eigenen Angaben Sonderposten und „qualitativ hochwertige B-Ware“ auf und verscherbelt sie mit Rabatt an „preisbewusste Naschkatzen“.

Auf der Website liest sich das so: „Du naschst gerne gut und günstig, willst aber gut zu Mensch und Umwelt sein? Dann bist du hier genau richtig!“ Schließlich trage jeder Käufer dazu bei, dass von den 114.000 Tonnen aussortierter Ware, die jährlich in der deutschen Süßwarenproduktion anfielen, weniger weggeworfen oder sogar verbrannt werde.

Konsum mit Abosystemen anheizen

Ernährungsberater sind von dem Angebot trotzdem nicht begeistert – und auch Ministerin Klöckner wird es nicht sein, schließlich hatte sie just diese Woche einen großen Zucker-, Fett- und Salzreduktionsgipfel veranstaltet. Zumal die Online-Süßkram-Vermarkter den Konsum mit Abosystemen anheizen. Anbieter wie Sugafari oder Vernaschediewelt.com bieten die regelmäßige Lieferung von Kartons voller Zuckerzeug, Snackfox wirbt zusätzlich mit Rabatten bis zu 25 Prozent. Monatlich können Verbraucher sich hier Kisten mit 1,7 Kilogramm Bonbons, Fruchtgummi oder Schokolade liefern lassen.

Barbara Bitzer, Chefin der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) graust es bei solchen Offerten. „Derartige Angebote lehnen wir ab. Solche Boxen beinhalten ungesunde Zucker- und Fettbomben“, sagte sie gegenüber der Zeitung Welt: „Die Boxen werden unter dem Deckmäntelchen ,Snackboxen‘ angeboten – was aus unserer Sicht die Verbraucher zu sehr täuscht.“

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Jeder Karton mit etwa acht bis zehn kleinen Schokoteilchen enthalte fast 4000 Kalorien – so viel wie sieben Kilo Äpfel. „Die Großpackungen verleiten dazu, deutlich mehr an hochkalorischen Süßigkeiten zu konsumieren als einen kleinen Snack“, mahnt Bitzer und empfiehlt stattdessen Obstkörbe, die ja ebenfalls im Internet bestellt werden könnten. An Snackfox prallt die Kritik ab. Der Verbrauch bleibe gleich, argumentiert Bruck, es werde dann eben weniger Süßes in den Supermärkten gekauft.

Dieser Artikel erschien zuerst bei Welt.de

Bild: Snackfox

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