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Für dieses Startup ist Stevia nicht Süßungsmittel, sondern Lebensgrundlage

Im Eistee Steavia ist die Pflanze nicht nur Zusatzstoff, sondern Hauptzutat. Doch es war nicht einfach, für dieses Getränk überhaupt eine Zulassung zu bekommen.

Wenn man ein Getränke-Startup gründet, ist die größte Herausforderung normalerweise, die eigenen Flaschen in den Handel zu bekommen. Für Paul Sahm allerdings war die erste Hürde, überhaupt die Zulassung für sein Getränk zu erhalten. Sein Eistee namens Steavia besteht aus Tee, der aus den Blättern der Stevia-Pflanze gebraut ist. Ein hierzulande als Nahrungsmittel kaum verbreitetes Gewächs. Schon 2016 hat er sein Unternehmen gestartet, doch erst in diesem Jahr konnten die ersten Flaschen abgefüllt werden. 

„Es hat über ein Jahr gedauert, bis ich die Zulassung vom Regierungspräsidium hatte, dass ich das Stevia-Blatt verwenden darf“, berichtet Sahm. „Unser Antrag ging von Behörde zu Behörde und niemand hat sich zuständig gefühlt.“ Dabei war er sich eigentlich sicher, dass es klappen wird, denn Stevia ist in der Novel-Food-Verordnung enthalten, die regelt, ob neuartige Lebensmittel in der EU verwendet werden dürfen. „Nur Teegetränke darf man aus Stevia süßen, obwohl die Unbedenklichkeit nachgewiesen ist und Stevia in anderen Ländern seit Jahrhunderten verwendet wird“, erklärt Sahm. 

Der 21-jährige Student hat Steavia allein gegründet. Das Startup sitzt in Bad Vilbel in Hessen, hat aber mit dem dort ebenfalls ansässigen Getränke-Konzern Hassia nichts zu tun. Mit 15.000 Euro aus privaten Mitteln ist Sahm gestartet, mittlerweile hat er einen Investor, der einen mittleren fünfstelligen Betrag in das Unternehmen gesteckt hat.

Paul Sahm, 21, ist nicht nur Gründer, sondern auch noch Student.

Paul Sahm, 21, ist nicht nur Gründer, sondern auch noch Student.

Unbekannt ist Stevia inzwischen aber auch in Deutschland nicht mehr. Spätestens seit Coca-Cola eine zuckerfreie und mit Stevia gesüßte Cola auf den Markt brachte, ist die Pflanze vielen Verbrauchern ein Begriff. Mit seinem Startup Steavia hat das laut Sahm allerdings nicht viel zu tun. „Ich sehe meine Aufgabe nun auf darin, aufzuklären, dass wir wirklich das Blatt der Stevia-Pflanze verwenden und nicht nur das chemisch gewonnenes Extrakt, die Steviolglycoside“, sagt er. „Diejenigen, die Stevia als Süßungsmittel verwenden, müssen das inzwischen ja auch auf dem Etikett so deklarieren. Das ist nach wie vor ein umstrittenes Verfahren.“

Im April hat Sahm die ersten 30.000 Flaschen Steavia abgefüllt. „Der Verkauf lief besser, als ich gedacht hatte“, zeigt sich der Gründer zufrieden. Die meisten Flaschen verkauft er an Studentencafés und Gastronomen in Frankfurt (Main) und Umgebung. Aber auch in einigen Edeka- und Rewe-Filialen ist Steavia inzwischen gelistet. In den nächsten Wochen will Sahm versuchen, sein Produkt bei Bio-Großhändlern zu platzieren. „In der vergangenen Woche wurden erneut 30.000 Flaschen abgefüllt, insgesamt sollen in diesem Jahr noch 100.000 Flaschen dazukommen.“

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Bilder: Steavia

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