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Shitstorm wegen brandneuem Thermomix

Über Nacht hat Vorwerk ein neues Modell seines gefeierten Küchengeräts auf den Markt gebracht – ohne vorherige Ankündigung. Viele Kunden fühlen sich hintergangen.

„Der neue Thermomix TM6 ist da“, schrieb Vorwerk am späten Freitagabend auf Facebook. Eine große Überraschung – nicht nur für die Käufer der intelligenten Küchenmaschine, sondern auch für das Verkaufsteam. Und sie ging nach hinten los: In den sozialen Netzwerken beschweren sich mittlerweile Hunderte Thermomix-Liebhaber, dass sie gerade erst das Vorgängermodell TM5 für rund 1.200 Euro gekauft hätten, ihnen versichert worden sei, dass es so schnell kein neueres Gerät geben werde und dass sie sich betrogen fühlten.

„Meinen TM5 habe ich im Januar gekauft und extra vorher nachgefragt, wann das neue Modell rauskommt. Mir wurde 2024 (!!!!) gesagt. Ansonsten hätte ich nie bestellt. Ihr könnt euer Gerät gerne zurückhaben!!! Das ist Betrug“, schreibt eine Nutzerin auf Facebook. „Hätte ich gewusst, dass dieses Jahr ein neues Gerät kommt, hätte ich gewartet. Ich fühle mich betrogen und verarscht für ein Auslaufmodell so viel Geld bezahlt zu haben“, heißt es von einer anderen Kundin. Mehr als 400 Nutzer schlossen sich daraufhin zu einer Gruppe zusammen, um eine Musterfeststellungsklage gegen Vorwerk zu bewirken. Sie befürchten, dass ihr gerade gekauftes Gerät durch das erneuerte Modell mindestens 700 Euro an Wert verliert.

Auf seiner Website wirbt Vorwerk damit, dass der TM6 leiser sei als sein Vorgänger, das Bedienfeld sei größer und der Thermomix der nächsten Generation habe noch mehr Funktionen als der alte: Sous-Vide-Garen, Fermentieren, Slow Cooking und Rösten. Rund 1.360 Euro soll das Gerät kosten und ab 1. April erhältlich sein.

Thermomix macht 40 Prozent der Vorwerk-Umsätze aus

Das Vorwerk-Team reagiert beschwichtigend auf die Kommentare, schlägt den wütenden Kunden beispielsweise Wechselangebote vor. TM5-Bestellungen, die zwischen dem 20. Februar und 8. März eingegangen sind, sollen gegen das neue Modell eingetauscht werden können. Ausnahmen wolle der Konzern aber nicht zulassen. Am Montag hieß es dann allerdings, dass Vorwerk doch Wechselangebote prüfen wolle, wenn der Kauf vor dem genannten Zeitraum lag.

„Es ist ein Teil der Unternehmensphilosophie, dass neue Produkte von Vorwerk eine Überraschung für jedermann sind“, schreibt das Social-Media-Team auf Facebook. Selbst die etwa 13.000 deutschen Repräsentantinnen, die die Küchenmaschinen im Direktvertrieb verkaufen, haben erst am Freitagabend von dem neuen Modell erfahren. Auch sie fühlen sich hintergangen, bekommen nun den Ärger der Kunden ab, schreiben mehrere Beraterinnen auf Facebook.

Ein ähnliches Szenario spielte sich 2014 schon einmal ab, als der TM5 erstmals vorgestellt wurde. Der digitale Thermomix hatte seinen Vorgänger nach zehn Jahren überraschend abgelöst. Auch damals waren die Kunden über die plötzliche Produkteinführung verärgert. Die 600 Euro teure Teemaschine Temial führte Vorwerk 2018 hingegen mit etwa fünf Monaten Vorlaufzeit ein.

2017 waren die Umsätze durch den Thermomix erstmals rückläufig. Das Küchengerät macht knapp 40 Prozent der Konzernumsätze von Vorwerk aus. Etwa 1,1 Milliarden Euro hat das Unternehmen 2017 mit Thermomix umgesetzt, etwa 13 Prozent weniger als im Vorjahr und „leicht unter den Erwartungen“, heißt es im aktuellsten Geschäftsbericht. Die Zahlen für 2018 liegen noch nicht vor. Der vergleichsweise schnelle Wechsel zur nächsten Thermomix-Generation könnte darauf hindeuten, dass die Umsätze im vergangenen Jahr weiter gesunken sind.

Lieferstopp und Softwareprobleme – Flop für Vorwerks Teemaschine

Anfang September hat Vorwerk seine neuen Teekocher für knapp 600 Euro ausgeliefert. Dann passierte drei Monate nichts. Der Grund waren technische Fehler.

Bild: GUILLAUME SOUVANT / Getty Images

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