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Wie Reishunger mit eigener Rezept-Plattform das SEO-Game gewinnt

Das Bremer Startup Reishunger wurde durch "Die Höhle der Löwen" bekannt. Das Unternehmen profitiert aber vor allem von cleverer Content- und Amazon-Strategie.

Der Online-Food-Markt in Deutschland steht noch ganz am Anfang. Einige Player wie Mymuesli oder HelloFresh sind zwar etablierte Marken, aber müssen auch um jeden Kunden kämpfen. Wie sieht es da erst bei noch stärker spezialisierten Food-Startups aus? Das Bremer Unternehmen Reishunger will mit einer Kombination aus Influencern und Content-Portal zumindest die Marketing-Antwort gefunden haben.

„Mein Co-Gründer Torben fragte mich, was es im Iran gibt und hier nicht. Da fiel mir eigentlich direkt Reis in all seinen Varianten ein“, sagt Reishunger-Gründer Sohrab Mohammad. Seine Eltern stammen aus dem Iran, er und Torben Buttjer gründen Reishunger 2010 in Bremen. „Rund um die Gründung von Reishunger 2010 gab es zwei Faktoren, die uns bestärkt haben: Erstens steckte der Online-Food-Markt noch in den Kinderschuhen und zweitens gab es in Deutschland viel Unkenntnis zum Thema Reis.“ Heute verkaufen die beiden auf Reishunger.de alles rund um das Thema Hülsenfrüchte. 

„Die Höhle der Löwen“ als erster großer Traffic-Hebel

„In den ersten fünf Jahren haben wir vor allem auf Word-of-Mouth gesetzt. Zu der Zeit ging es darum, Meinungsmacher ausfindig zu machen. Das konnten Delikatessenläden sein oder Food-Zeitungen“, sagt Mohammad. So sei das Unternehmen komplett aus den eigenen Mitteln immer zwischen 50 und 100 Prozent von Jahr zu Jahr gewachsen. Das Produkt von Reishunger ist ziemlich erklärungsbedürftig. Viele Kunden kennen nur Basmati- oder Jasminreis und sind damit wohl oft auch zufrieden. Deshalb sei die große Herausforderung von Reishunger, potenziellen Kunden zu erklären, warum sie überhaupt Reis im Internet bestellen sollten, wo er doch günstig im Supermarkt zu haben ist. Die große Chance, einem größeren Publikum bekannt zu werden, ergibt sich dann schon zwei Jahre nach der Gründung: Die Produzenten von „Die Höhle der Löwen“ rufen an. Weil das Unternehmen aber noch zu jung ist und die beiden Gründer das noch nicht ausgestrahlte Format nicht einschätzen können, machen sie erst einmal nicht mit. Die erste Staffel der Vox-Show findet ohne Reishunger statt.

2016 sind Mohammad und Buttjer dann in der dritten Staffel doch dabei. Das Ziel sei kein Deal sondern die Aufmerksamkeit. „Nach dem Auftritt bei ‚Die Höhle der Löwen‘ 2016 hatten wir in zwei Wochen so viele Bestellungen wie sonst in drei Monaten“, sagt Mohammad. Am Ende sei die Logistik durch die etwa 20.000 Bestellungen kurz zusammengebrochen. Aber wie sieht es um die Langzeiteffekte so einer PR-Story aus? „Bei größeren Umfragen unter unseren Kunden ist DHDL immer noch in den Top-5, wenn es darum geht, woher man uns kennt“, so Mohammad. In Folge des Auftritts sei der Umsatz von Reishunger 2017 auf fünf Millionen Euro angewachsen, in diesem Jahr streben die Gründer ein Wachstum zwischen 30 und 40 Prozent an.

Rezeptplattform bringt SEO-Erfolg

Mittlerweile verzeichnet Reishunger den Großteil seines Traffics über Suchmaschinen – laut dem Analyse-Tool Similar Web über 65 Prozent. Der Großteil der übrigen Nutzer gibt die URL des Reis-Shops direkt ein. Ein Blick in ein weiteres Analyse-Tool – Sistrix – zeigt auch, warum Search für das Unternehmen so eine große Rolle spielt: Für Keywords wie „Reis kochen“, und „Reis Kalorien“ liegt Reishunger im Ranking auf Platz 1. Weitere Top-10-Rankings verzeichnet die Seite für die Keywords „Reis“, „Couscous“, „Reiskocher“ und „Reisgerichte“. “Wir sind 2013 mit einer Rezept-Plattform gestartet und haben das zuerst nicht als Traffic-Hebel verstanden. Dabei waren wir die ersten, die gezielt über Reisrezepte geschrieben haben”, sagt Gründer Mohammad zu OMR.

Keywords Reishunger SEO

Keywords, bei denen Reishunger in den Top-10 der Suchergebnisse zu finden ist (Quelle: Sistrix).

„Zuerst war eine Rezept-Plattform im Stile von Chefkoch angedacht. Das eskalierte aber recht schnell und es gab einige Schrott-Rezepte. Wir setzen jetzt lieber auf Qualität. Die Ideen für Gerichte kommen von Influencern und Essensliebhabern, mit denen wir gezielt kooperieren”, so Mohammad. So sei die Rezeptseite auf heute über 1.000 Gerichte angewachsen. Geschrieben und bebildert werden die Kochanleitungen vor allem von Foodbloggern und Food-Influencern. „Wir arbeiten meist direkt mit den Influencern zusammen und bieten ihnen vor allem die hohe Reichweite unserer Rezept-Plattform“, sagt Mohammad. In vielen Fällen werden die Rezepte nicht nur auf der Seite von Reishunger gepostet, sondern auch in den Social-Profilen der Influencer. So wird ein klassischer Influencer-Deal auf die Rezept-Plattform verlängert.

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Auf den Social-Kanälen des Unternehmens finden sich dann ebenfalls Fotos der Influencer. Auf Instagram kommt Reishunger selbst auf über 40.000 Abonnenten. Der Start auf der Plattform sei dabei Zufall gewesen. Zwei studentische Hilfskräfte hätten den Account 2013 auf eigene Faust eingerichtet und innerhalb einer Woche 8.000 Follower gewonnen. Dann habe das Team Instagram für zwei Jahre vernachlässigt und erst 2015 wieder angefangen, eine Strategie zu entwickeln. Insgesamt helfe auf der Bilder-Plattform, dass Reishunger mit Food in einen der großen Instagram-Themenbereiche (Beauty, Mode, Reisen, Essen) falle.

Eigene Geräte als „Enabler“

Ein weiterer Grund, warum Reishunger in Sachen Reis-Keywords so gut platziert ist, liegt in der Produktvielfalt. Das Unternehmen ist nicht mehr nur ausschließlich Food-Händler. „Wir haben 2012 angefangen, auch Reiskocher und anderes Zubehör zu verkaufen. Das Non-Food-Segment ist für uns nicht nur aus SEO-Gesichtspunkten wichtig. Reiskocher sind auch ein wichtiger Einstieg, damit die Kunden immer wieder zu uns kommen“, sagt Mohammad. Zuerst verkaufen er und sein Co-Gründer die Produkte eines Schweizer Herstellers auf der Seite. Als der 2015 einen Exklusiv-Vertrag mit Amazon schließt, gehen die Reishunger-Macher nach China und lassen seitdem dort Reiskocher unter einer Eigenmarke produzieren.

So geht es dem DHDL-Startup Reishunger heute

Sohrab Mohammad und Torben Buttjer verkaufen Reis im Internet. Frank Thelen fand die Idee gut, doch die Gründer kommen auch ohne Investoren gut zurecht.

Mittlerweile machen Reiskocher und weiteres Zubehör 30 Prozent des gesamten Umsatzes aus. Dieses Verhältnis sei aber schon das Optimum, auch in Zukunft sollen die Food-Produkte den Großteil der Einkünfte von Reishunger ausmachen. Und auch das Offline-Geschäft entwickelt sich derzeit noch spärlich. „Wir machen Offline den Umsatz, den wir nicht vermeiden können“, sagt Mohammad mit einem Grinsen. Zuerst soll online das Geschäft richtig stark laufen, bevor die Supermärkte des Landes angegangen werden. Besitzergeführte Läden und Delikatessen-Shops würden aber auch jetzt schon Reishunger-Produkte bestellen. Gleichzeitig sei Reishunger für die großen deutschen Rezept-Box-Player wie HelloFresh Hauptlieferant von Hülsenfrüchten.

Amazon als wichtiger Partner

Kann es also klappen als online-only Food-Händler in Deutschland? Ohne große Partner anscheinend noch nicht: “Wir wussten von Anfang an, dass wir die Marke nicht nur über den eigenen Shop aufbauen können. Amazon war für uns der passende Partner. Ich glaube, die werden auch den Lebensmittelmarkt in den nächsten Jahren auf den Kopf stellen“, sagt Mohammad. “Wir haben eine eigene Abteilung, die sich nur mit Amazon befasst.” Seit 2012 kooperiert das Unternehmen mit dem E-Commerce-Giganten – inklusive Besuch in Amazons Europazentrale in Luxemburg. Einen nicht unerheblichen Teil des Marketing-Budgets stecke Reishunger deshalb auch in Ads auf der Plattform. Wer aktuell bei Amazon nach „Reis“ sucht, bekommt gleich zwei Reishunger-Anzeigen im sichtbaren Bereich angezeigt. Ein ähnliches Bild ergibt sich beim Suchbegriff „Reiskocher“. Hier ist die Eigenmarke des jungen Unternehmens auch als Bestseller und „Amazon’s Choice“ geführt.

In der Amazon-Produktsuche prominent aufzutauchen ohne dafür zu bezahlen, ist schwierig. Die Amazon-Strategie scheint sich zumindest für Reishunger auszuzahlen. Das Unternehmen macht 30 Prozent des Online-Umsatzes über die E-Commerce-Plattform und kann im eigenen Lager auch Prime-Fulfillment abbilden. Amazon soll in Zukunft außerdem die Internationalisierung vorantreiben. Reishunger-Produkte wie die Reiskocher sollen auch in Übersee verkauft werden. Langfristig sei vor allem der US-Markt spannend, wo pro Kopf doppelt so viel Reis gegessen wird wie in Deutschland.

Dieser Beitrag erschien zuerst bei OMR.com.

Bild: Reishunger

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