Trends, Innovationen und Digitales aus der Lebensmittelbranche

Lycka-Gründer: „Wir hatten totales Chaos“

Kein Geld, keine Unterschrift, das Startup vor dem Aus. Und nun?

Als erstes habe ich einen Notartermin für die Finanzierung angesetzt und alles vorbereitet, sodass nur noch die Unterschrift des Business Angels fehlte. Dann bin ich ins Auto gestiegen und ins Münsterland gefahren. Zum Büro des Investors. Unangekündigt. Auf dem Weg rief ich die Sekretärin an: „Ist der Herr da? Ja? – Gut, ich gleich auch.“ Und dann hab ich mich dort hingesetzt und bin nicht mehr weggegangen.

Sechs Stunden. Dann brachte die Sekretärin die Unterschrift.

Wie knapp war das?

Es wäre die Insolvenz unserer Gesellschaft gewesen. Nach der Kapitalerhöhung hat einer unserer anderen Business Angels über Monate einen Draht zu ihm aufgebaut und ihn am Ende rausgekauft – zum Einstiegspreis. Ich verstehe bis heute nicht, was den Menschen damals getrieben hat.

Das war einer der kritischsten Fuckups unseres Unternehmens, wenn auch nicht der letzte.

Was kam denn noch?

Wir wollten im vergangenen Jahr ein neues Produkt auf den Markt bringen. Alles war fertig, nur der Produktionstermin stand noch an. Und dann haben wir aus der Presse erfahren, dass unser Produzent pleite ist – immerhin einer der drei größten Deutschlands in der Branche.

Das hat uns ein Jahr zurückgeworfen. Später, als es mit Lycka endlich wieder gut lief, hatte mein Mitgründer ein ziemlich hartes Burnout.

Von den ursprünglich fünf Gründern ist heute nur noch Felix übrig. Alle anderen sind irgendwann ausgeschieden oder mussten aus gesundheitlichen Gründen aufgeben. Wenn man ihn danach fragt, muss Felix das erste Mal nach einer Stunde Gespräch länger nachdenken. Er überlege schon, ob es vielleicht auch an ihm liege – oder ob die anderen nur klüger seien und er schlicht zu stur, um seine Startup-Idee angesichts aller Widerstände aufzugeben.

Hast du bei all den kleinen und großen Fuckups an dir gezweifelt?

Definitiv. Ich hatte wenig Business-Erfahrung. Ohne unsere Business Angels und ihren Rat hätten wir es nicht geschafft. Auf der anderen Seite reagiere ich auf Krisen sehr unemotional. Ich werde ruhig – statt mich aufzuregen.

no images were found

Dann bist du durch die Krisen eher entspannt gegangen?

Entspannt ist nicht das richtige Wort. Stress fängt immer im eigenen Kopf an. Erst einmal ist es nur Druck. Ob daraus für dich Stress wird, hängt an dir. Und ich werde unter Druck nun einmal ruhig – und sehe überall Chancen, es besser zu machen.

Ein Beispiel: Wir machen 2018 ein komplett neues Packaging. Unser Produktmanagement hat sich aber leider bei einer Nährwerttabelle verrechnet. Gedruckt sind heute bereits einige zehntausend Becher. Hinzu kommt, dass es zeitlich wegen der Listung kritisch ist. Es geht um nicht wenig Geld. Du zahlst Strafen, wenn du nicht liefern kannst. Insgesamt könnte der Fehler einen hohen fünfstelligen Betrag kosten. Darüber könnte man sich aufregen, das Produktmanagement aufmischen, wütend werden.

Wir haben uns hingegen hingesetzt und überlegt: Wie können wir das nutzen? Und jetzt stickern wir unsere Becher und schreiben witzige Botschaften drauf. Vielleicht machen wir noch ein Gewinnspiel draus.

Bild: Lycka

Folge NGIN Food auf:

In Kooperation mit
amplifypixel.outbrain