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Lycka-Gründer: „Wir hatten totales Chaos“

Pleiten, Burnouts und ein Genickbruch. Der Lycka-Gründer erzählt im „Schöner Scheitern“-Interview von seinen Fuckups und wie er einen Investor zur Unterschrift zwang.


Eis, Cold Brew Kaffee und Power Riegel – damit hat sich Felix Leonhardt einen Platz in Supermarktregalen erkämpft. Lycka heißt sein Startup, mit dem er das erreicht hat. Leicht war der Weg nicht. Statt einer großen Pleite hat er gleich eine Vielzahl an Fuckups hingelegt, erzählt er.

Trotzdem sei er von Startup und Geschäftsidee „hart überzeugt“. Noch immer gäbe es „zu viel Schrott in den Supermärkten“.

Felix, bist du schon mal richtig hart gescheitert?

Theoretisch hätten wir aufgeben müssen. Vielleicht wären wir heute viel weiter, wenn ich damals gesagt hätte: Wir lassen das Ding mal gegen die Wand fahren. Klappt nicht, Haken dran. Aber da bin ich nicht gut drin.

Was ist denn passiert?

Wir haben vor sechs Jahren mit einem Shop-in-Shop-Konzept angefangen, bei dem wir Frühstücksjoghurts und Frozen Yoghurts verkauft haben. Zu der Zeit hatten die meisten Coffee-Shops nur Bagels und Donuts.

Nach Außen hat das funktioniert. Die Produkte verkauften sich super. Doch hinter der Theke war es schlimm. Die Abrechnungsprozesse zum Beispiel: Ich habe damals gelernt, wie man eine Kasse manipuliert. Denn die Abrechnungen der Gastronomen, mit denen wir kooperiert haben, stimmten nicht.

Haben sie euch betrogen?

Das weiß ich bis heute nicht sicher. Obwohl die angegebenen Umsätze geringer waren, wurde häufig groß nachbestellt. Am Ende war die Frustration bei den Gastronomen und bei uns hoch. Das war der erste Punkt, an dem wir aus unternehmerischer Sicht einen Schlusspunkt hätten setzen sollen.

Das Frozen-Yogurt-Startup, das es besser als Nestlé machen will

Der Frozen Yogurt des Hamburger Startups Lycka sieht stylish aus, verkauft sich gut – und hilft armen Kindern. Aber reicht das? Wir haben den Gründer getroffen.

Doch die Gründer entwickeln lieber eine neue Marke: Lycka, für sozial verträgliche Lebensmittel. Eine Design-Agentur entwirft die Verpackung. 18.000 Euro sollen die Gründer dafür zahlen, statt der üblichen 80.000 Euro. Sechs Monate haben sie, bis die Rechnung fällig wird.

Aber wir hatten das Geld nicht. Und: Wir hatten keine Ahnung vom Lebensmittelhandel. Hatten die Lieferkette nicht verstanden. Null.

Wir brauchten also Geld. Und zwar schnell.

Was hast du gemacht?

Wir haben fusioniert. Ich kannte zwei Hamburger Gründer, die auch Frozen Yoghurt verkaufen wollten und schon in 20, 30 Läden gelistet waren. Unsere Konkurrenten – die aber auch kurz vor der Pleite standen. Also haben wir die beiden Firmen innerhalb von zwei Monaten zusammengeschmissen. Gleichzeitig haben wir Business Angels gefunden, die in die neue Firma investiert haben – wenige Tage vor der 18.000-Euro-Rechnung, die wir nicht hätten zahlen können.

Problem gelöst, Startup gerettet?

Nein, wir hatten totales Chaos.

Felix lacht. Im Rückblick amüsiert er sich selbst über die Misere, in die er schlitterte. Als hätte er dem Schicksal einen Streich gespielt – und nicht anders herum.

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Nach ein paar Monaten stellte sich einer der Business Angel quer. Er fand, dass wir uns in die falsche Richtung entwickelten. Er unterschrieb nichts mehr.
Das Governance-Thema flog uns um die Ohren. Wir hatten nicht bedacht, was passiert, wenn einer ins Unternehmen kommt, der wirklich mal böse ist. Dann fing er an, uns mit Schadensersatzklagen zu drohen. In einer so frühen Phase ist das der Tod für dein Startup.

Nach einem Jahr brauchten wir eine weitere Finanzierung. Unsere Alt-Investoren wollten Geld nachschießen, einige neue waren auch dabei. Aber wie willst du eine neue Runde machen, wenn du einen Investor hast, der nichts unterschreibt?

Nur weil ein Investor sich querstellte war das Startup blockiert?

Er unterschrieb einfach nicht, obwohl er nur zwei Prozent hielt. Ich musste allen Mitarbeitern sagen, dass wir das Gehalt wohl um einen Monat schieben müssen. Unsere Gründer-Gehälter waren ohnehin gestrichen. Und man darf nicht vergessen: Ich war damals 22 Jahre alt.

Für Felix Leonhardt ist das nicht der erste Schicksalsschlag. Fünf Jahre zuvor, im Alter von 17 Jahren brach er sich beim Kitesurfen das Genick. Doch die Ärzte erkannten nicht, dass der siebte Halswirbel zertrümmert war. Zwölf Tage lief er mit gebrochenem Genick und ohne Diagnose herum – trotzdem überlebte er ohne Querschnittslähmung. Seitdem zählt Felix die Tage, die ihm noch bleiben. Nicht mehr ganz 18.000 sind es noch, rechnet er auf seinem Blog aus – rein statistisch natürlich.

Bild: Lycka

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