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Lieferdienst Deliveroo zieht sich aus Deutschland zurück

Der britische Essenslieferdienst Deliveroo stellt seinen Service hierzulande noch diese Woche ein. Rund 1.000 Fahrer sind betroffen, sie sollen Kulanzzahlungen erhalten.

 

Mitte vergangenen Jahres zog sich der britische Essenslieferdienst Deliveroo schon aus zehn deutschen Städten zurück, jetzt verlässt er das Land komplett. In einer E-Mail an die Kunden hat das Startup heute das Aus in Deutschland bekanntgegeben. Zum 16. August werde der Dienst hierzulande eingestellt, heißt es darin. Aktuell ist die Firma noch in Hamburg, Berlin, Frankfurt, Köln und München aktiv.

Wie die Allgemeine Hotel- und Gastronomie-Zeitung (AHGZ) unter Berufung auf das Unternehmen schreibt, ist der Grund für den Rückzug die Verdopplung des Umsatzes in anderen Märkten weltweit. Offenbar ist dagegen das Geschäft in Deutschland hinter den Erwartungen zurückgeblieben.

Deliveroo will nach eigenen Angaben nun nur noch in Märkte investieren, in denen es die größte Rendite erwartet, wie ein Unternehmenssprecher auf Anfrage von Gründerszene und NGIN Food mitteilt. In Großbritannien wolle man beispielsweise in diesem Jahr 50 neue Städte erschließen. In Spanien soll die Zahl der belieferten Städte bis Ende 2019 auf insgesamt 60 verdoppelt werden. Auch Frankreich und Italien seien Wachstumsmärkte. 

Lange Zeit hatte sich der Lieferdienst hierzulande einen erbitten Kampf um die Marktvorherrschaft mit dem Konkurrenten Foodora geliefert – bis dieser im Frühjahr von der Lieferando-Mutter Takeaway gekauft wurde. Seitdem arbeiten ehemalige Foodora-Fahrer unter der Marke Lieferando, sie konnten damals übernommen werden.

Bei Deliveroo sieht das anders aus: Mehr als 1.000 selbstständige Fahrer sind nach Firmenangaben vom Deutschland-Aus betroffen. „Mit Blick auf die Fahrer wissen wir, dass die Nachfrage sinken wird, wenn wir ankündigen, dass Deliveroo den deutschen Markt verlässt. Deshalb ist es besser für sie, eine kurze Frist und ein großzügiges Vergütungspaket zu haben, als stetig immer weniger Aufträge zu erhalten“, schreibt der Unternehmenssprecher. Demnach erhalten die Fahrer eine Kulanzzahlung von etwa einem durchschnittlichen Monatslohn. Mindestens sollten es aber 50 Euro sein, so das Unternehmen. Restaurants, die nun auf den Lieferservice verzichten müssen, sollen laut Handelsblatt ebenfalls entschädigt werden.

Der Takeaway-CEO weiß nicht, wie es nach der Fusion weitergeht

Seit Kurzem wird Delivery Hero hierzulande von Takeaway betrieben. Im Interview spricht der neue Chef Jitse Groen über den Zusammenschluss.

Keno Böhme von der zuständigen Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten kritisiert das Vorgehen von Deliveroo. „Die an den Haaren herbeigezogene Begründung für die Kurzfristigkeit ist ein zusätzlicher Schlag ins Gesicht“, schreibt er auf Anfrage von Gründerszene. Das Unternehmen hätte den Fahrern die Information über den Rückzug früher zukommen lassen müssen. „Viele Beschäftigte stehen nun zum Ende der Woche ohne ihre Haupteinnahmequelle da und wissen nicht, wohin mit sich.“

Gegründet wurde Deliveroo im Jahr 2013 von Greg Orlowski und William Shu, Firmensitz ist London. Nach eigenen Angaben sind derzeit insgesamt 60.000 Fahrradkuriere für das Startup unterwegs. Das Unternehmen ist in 14 Ländern und 500 Städten aktiv.

Anmerkung: Wir haben den Artikel nachträglich um ein Statement der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten ergänzt.

Bild: Getty Images / Dan Kitwood; Mitarbeit: Timo Brücken

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