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Rezemo: Was hinter den Kaffeekapseln aus Holz steckt

Julian Reitze und Stefan Zender wollen den Komfort von Kapselkaffee und Umweltverträglichkeit miteinander vereinbaren. Ob das gelingen kann?

Kaffeekapseln sind vor allem eines: bequem. Leicht einzusetzen, keine Maschine, die man sauber machen muss – und dann kommen die kleinen Kaffeepulverbehälter einfach in den Müll. Leider ist bequem auch so ziemlich alles, was die Kapseln sind. Denn die Bequemlichkeit wird durch eine verheerende Umweltbilanz bezahlt. Nicht nur werden Wälder für den Aluminiumabbau gerodet. Auch Herstellung und Entsorgung sind sehr energieaufwendig und belasten dadurch die Umwelt. Oft landen sie nicht in der Wiederverwertung, dann werden die Kapseln zu umweltschädlichem Sondermüll.

Das muss auch anders gehen, denken sich Julian Reitze und Stefan Zender vor einigen Jahren. Die Schul- und Studienfreunde wohnen zusammen in einer WG. Ihr Gedanke: Wenn die Kapseln selbst nicht aus derart schädlichem, sondern vielleicht sogar aus umweltverträglichem Material wären, dann müsste doch alles perfekt sein. Sie recherchieren, finden aber keine Lösung am Markt. „Dann hatten wir die Idee einer Kaffeekapsel aus Holzfasern“, so Reitze gegenüber Gründerszene.

Die beiden Gründer entwickeln Idee und Produkt und nutzen dabei die Forschungseinrichtungen des Fraunhofer Instituts an ihrer Uni. In Zusammenarbeit mit einem kleinen mittelständischen Unternehmen entsteht ein erster Prototyp. Ende 2017 steigen erste Business Angels ein. Damit ihre Idee niemand stehlen kann, sichern sich die beiden Gründer ab: „Auf unsere Erfindung halten wir ein Patent, einen Markenschutz sowie ein Geschmacksmuster”, so Reitze. 

„Mehr als drei Jahre Forschung stecken heute im Produkt“, sagt Reitze weiter. Die unter den Namen Rezemo angebotene Kaffeekapsel bestehe überwiegend aus dem Naturmaterial Holz in Form von Hobelspänen aus heimischen Wäldern. Weiterer Bestandteil ist der Bio-Kunststoff PLA oder Polymilchsäure. Der stand zwar in der Vergangenheit mehrfach in der Kritik. Doch das zu Unrecht, betont Reitze. Den schlechten Ruf habe PLA nur, weil der Stoff sehr spröde ist und deshalb oft mit fossilem Kunststoff bereichert wurde.

Das mache Rezemo aber nicht. Verarbeitet werde zudem alles in einem umweltfreundlichen Verfahren in Baden-Württemberg. Nach Gebrauch könne die Kapsel dann entweder im Biomüll entsorgt oder auch verbrannt werden. Befüllt werde sie mit Kaffee aus der Cafésito-Rösterei im Allgäu, wirbt Rezemo. Diese wurde vor mehr als zehn Jahren als ein Integrationsprojekt der Oberschwäbische Werkstätten, einer gemeinnützigen Gesellschaft.

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Aktuell vertreiben die Gründer ihr Produkt online und in ausgewählten Feinkostläden. Ihr Ziel: Rezemo groß in den Einzelhandel zu bringen. Dazu benötigen sie 500.000 Euro und wären bereit, zehn Prozent ihrer Firmenanteile abzugeben. Diesen Vorschlag wollen sie in der Show „Die Höhle der Löwen“ den TV-Investoren Frank Thelen, Ralf Dümmel, Nils Glagau, Georg Kofler, Judith Williams und Dagmar Wöhrl unterbreiten.

Die Pläne der Rezemo-Gründer gehen dabei weit über den Verkauf von Kaffeekapseln an Kunden oder Hotels hinaus. „Mit unserer Technologie richten wir uns als White-Label-Anbieter auch an andere Kaffeeröster“, so Reitze. Die können dann unter ihrem eigenen Label Holzkapseln anbieten.

Bild: Rezemo

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