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Ein Rewe-Supermarkt, der abgelaufene Lebensmittel anbietet

Pro Jahr werden in Deutschland fast sieben Millionen Tonnen Lebensmittel verschwendet. Eine Rewe Filiale in Bayern sagt dem den Kampf an.

Wer im Rewe-Markt in Bad Brückenau in Bayern an der Backtheke vorbeigeht, entdeckt auf der rechten Seite ein schwarzes Regal, das es in anderen Filialen der Supermarktkette nicht zu finden gibt. Es besteht aus einem Kühlschrank und sechs Fächern, auf denen stets verschiedene Lebensmittel angeboten werden. Dieses Regal ist eine sogenannte Food-Sharing-Box, mit der der Rewe-Markt Hauke gerade bundesweit Aufsehen erregt. Denn mit dieser Box will Filialleiter Sebastian Hauke der Wegwerfgesellschaft den Kampf ansagen. 

„Unsere Motivation für das Regal waren die Tränen in unseren Augen, als wir gesehen haben was alles in die Tonne fliegt“, erzählte er dem Magazin Utopia. „Wir standen schon kurz vor der Entscheidung weitere Mülltonnen anzuschaffen, dann allerdings ist immer mehr die Idee des Food-Sharing entstanden.“ Das Prinzip ist einfach: Drei Tage bevor das Mindesthaltbarkeitsdatum eines Lebensmittels überschritten wird, nehmen die Mitarbeiter des Marktes es aus den regulären Regalen und bieten es der örtlichen Tafel an.

Alles, was die Tafel nicht verwenden kann, kommt in die Food-Sharing-Box. Hier können sich die Kunden des Rewe-Marktes die Produkte dann kostenlos mitnehmen. Die Rewe-Filiale erklärt auf dem Regal zudem, um was für Lebensmittel es sich in der Box handelt. Denn Essen und Getränke mit abgelaufenem Verfallsdatum dürfen Supermärkte zwar nicht mehr verkaufen, aber durchaus verschenken.

Damit geht Hauke ein großes Problem an. Die EU-Kommission geht davon aus, dass pro Jahr 88 Millionen Tonnen Lebensmittel in der Europäischen Union verschwendet werden. In Deutschland rechnet man mit 6,7 Millionen Tonnen. Ein Großteil davon wird zwar in privaten Haushalten entsorgt, doch auch auf den Handel entfallen einige Tonnen, die das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten haben. Im März vergangenen Jahres einigten sich die EU-Abgeordneten darauf, die Lebensmittelverschwendung bis 2030 um 50 Prozent verringern zu wollen. Auch Startups wie Too Good To Go haben den Markt mit Lebensmitteln, die kurz vor dem Weg in die Mülltonne stehen, für sich entdeckt. 

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Das Projekt Foodsharing folgt einem ähnlichen Ansatz wie Haukes Rewe Filiale. Nutzer können auf der Online-Plattform selbst Lebensmittel anbieten, die kurz vor dem Haltbarkeitsdatum stehen. Zudem stehen bundesweit mehrere sogenannte Fairteiler in Universitäten, Cafés oder Hinterhöfen. Das Prinzip ist, dass jeder alte Lebensmittel in diese öffentlich zugänglichen Kühlschränke und Regale packen oder mitnehmen kann.

Doch ist die Food-Sharing-Box auch ein Modell für andere Märkte? Auf Nachfrage von NGIN Food stellt Rewe zunächst klar, dass es sich bei diesem Regal „um eine Einzelaktion eines selbstständigen Rewe-Partnerkaufmanns handelt“. Tatsächlich bietet diese Filiale noch weitere Besonderheiten wie eine Ladestation für Smartphones, hauseigene Floristinnen oder Whisky-Tastings. Rewe gebe Lebensmittel, die nicht mehr verkauft, aber unbedenklich verzehrt werden können, bereits seit 1996 an die bundesweit 930 Tafeln ab, so ein Sprecher.

Bild: Rewe Markt Hauke / Facebook

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