Trends, Innovationen und Digitales aus der Lebensmittelbranche

Rewe nennt Amazon „Riesenkampfmaschine“ und droht Food-Startups

Bei der jährlichen Bilanzpressekonferenz lässt der Rewe-CEO erkennen, was Digitalisierung für den Konzern bedeutet. Und wie sein Konzern dem US-Giganten begegnen will.

Als eine Journalistin die Frage stellte, wann der Lieferdienst von Rewe profitabel werde, kam auf dem Podium Gelächter unter den Rewe-Managern auf. „Einen Zeitpunkt will ich da nicht nennen“, antwortete schließlich der stellvertretende Vorstandsvorsitzende Jan Kunath. Das Geschäft mit E-Commerce sei im vergangenen Jahr um 30 Prozent gewachsen. Aber: „Wir sind die ersten, die in diesem Umfang technologisch investieren“, führte er weiter aus. „Deshalb sind wir selbst erstmal auf unsere eigenen Ergebnisse gespannt.“ 

Die Digitalisierung und wie die Supermarktkette Rewe damit umgeht – das war auf der diesjährigen Bilanzpressekonferenz des Konzerns das Thema der Stunde. Erst im Februar hatte Rewe bekannt gegeben, dass der Konzern Investments in Höhe von einer Milliarde Euro erhalten habe. Und neben dem Ausbau der Märkte wurde auch die weitere Digitalisierung als Verwendungszweck für dieses Geld angegeben. Rewe-CEO Lionel Souque machte jedoch deutlich, dass Digitalisierung für ihn weit mehr ist als E-Commerce.

Der Status Quo sieht bei Rewe wie folgt aus: Der Lieferdienst ist derzeit in 75 Städten verfügbar und erreicht damit knapp 40 Prozent der Bevölkerung in Deutschland. Zudem gibt es den Rewe-Abholservice, der an 67 Standorten angeboten wird. Der Lieferservice trägt aktuell rund ein Prozent zum Umsatz von Rewe bei. 

„Der Amerikaner, den alle kennen“

„Wir glauben, dass Lieferservices in großen Städten eine Zukunft haben“, stellte Souque klar. Kunath ergänzte: „In Zukunft wird sich der Kunde jeden Tag neu entscheiden, ob er seine Lebensmittel im Laden kauft, abholt oder sich liefern lässt.“ Diese Fragmentierung des Einkaufens erfordere vom Handel technologische Neuerungen. „Und die nötigen technischen Vorteile dafür muss man sich jetzt erarbeiten.“ Die eigentlichen Werte der Digitalisierung seien nämlich die Systeme und die Analytik, die im Hintergrund ablaufen. „Das wird man in ein paar Jahren auch nicht mehr aufholen können“, sagte Kunath und machte klar: „Es geht um mehr, als einen Sprinter von A nach B zu schicken. Das kriegt ja jeder durchschnittlich intelligente Mensch hin.“

Große Hoffnung setzt der Rewe-Vorstand in das automatische Logistikzentren, das in Köln entsteht. Die dortige Technik eröffne auch die Möglichkeit, den Lieferdienst profitabel zu gestalten. 

Wofür Rewe sein Milliarden-Investment ausgibt

Im Februar sammelte Rewe eine Milliarde Euro von Investoren ein. Nun zeichnet sich ab, welche digitalen Projekte profitieren. Auch Startups rücken in den Fokus.

Wenn man von E-Commerce im Lebensmittel-Handel spricht, ist auch immer von Amazon die Rede. Das US-Unternehmen hatte im vergangenen Sommer die Supermarktkette Whole Foods übernommen und bietet den Food-Lieferdienst Fresh an. Noch ist unklar, wo und in welcher Größenordnung Amazon in den Lebensmittelmarkt eingreift. Doch die Ungewissheit über die Pläne des Milliardenkonzerns schwebte auch bei der Rewe-Pressekonferenz wie ein Damoklesschwert über den Köpfen.

Es war Souque selbst, der den Konzern von Jeff Bezos ansprach. Zuerst noch zögerlich: „Die Digitalisierung bringt viele Konkurrenten, auch diesen Amerikaner, den alle kennen.“ Ein paar Sätze später dafür umso deutlicher. „Amazon ist eine Riesenkampfmaschine“, sagte Souque und rechnete vor, dass das US-Unternehmen 14 mal höher bewertet ist als die größten drei Handelsunternehmen Europas zusammen. „Das ist eine riesige Finanzkraft, die man nicht unterschätzen darf“, schlussfolgerte er. „Davor haben wir keine Angst, aber wir nehmen das sehr ernst und unternehmen viele Maßnahmen, um das mittelfristig zu konterkarieren.“ 

Neue Konkurrenz für Lieferando, HelloFresh und Co.?

Wie das gelingen könnte, ließ Souque anhand von ein paar Beispielen durchblicken. „Ob unsere Digitalisierungsstrategie erfolgreich war, werden wir in zehn Jahren nicht daran festmachen, wie viel Umsatz wir beim Lieferdienst machen“, erklärte der 46-Jährige. „Was zählt, ist: Wie haben wir durch die Digitalisierung unsere Märkte verstärkt?“ Denn die Märkte, das machte er klar, werde es immer geben. Abholung im Markt, Kunden-WLAN in allen Filialen, Arikel scannen per App, bezahlen per App – Souques Aufzählung zeigt, dass die Verzahnung der digitalen Welt mit dem stationären Handel kleinteilig ist, für ihn aber der Schlüssel für eine erfolgreiche Zukunft. 

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Insgesamt steigerte der Rewe-Konzern seinen Umsatz im Geschäftsjahr 2017 um 8,3 Prozent auf 49,3 Milliarden Euro. Das Geschäft in Deutschland legte um 7,1 Prozent zu. In diese Zahlen fließen aber auch die Ergebnisse des Discounters Penny, den toom-Baumärkten sowie einer Touristik-Abteilung und internationale Aktivitäten des Konzern ein. Im Supermarktgeschäft wuchs Rewe überdurchschnittlich stark um 15,4 Prozent. Das ist vor allem darauf zurückzuführen, dass der Konzern 60 Kaiser's-Tengelmann-Märkte sowie 160 Sky-Filialen übernommen hat. Doch auch ohne diese Zukäufe stieg der Umsatz der Rewe-Supermärkte um 5,8 Prozent. Der Gewinn fiel mit 338 Millionen Euro aufgrund der Investitionen jedoch um 27 Prozent geringer aus als im Vorjahr.

Zum Schluss hatte Lionel Souque auch für Food-Startups noch einen Satz übrig. Eine Drohung sogar, wenn man ihn denn wörtlich nimmt. „Lieferando, HelloFresh, Deliveroo ... wie sie alle heißen“, zählte er auf. „Beteiligen wollen wir uns an ihnen nicht. Aber vielleicht können wir mit unserem Lieferservice ein direktes Gegenangebot für die Kunden machen.“

Bild: Getty Images / Sean Gallup / Staff

 

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