Trends, Innovationen und Digitales aus der Lebensmittelbranche

Die Plastikbecher dieser Gründer sollen das Müllproblem lösen

Zwei Jahre nach der Gründung macht das Startup Recup einen Millionenumsatz mit Kaffeebechern zum Wiederverwenden. Nun wollen die Münchner expandieren.

In Berlin bekommen Alnatura-Kunden ihren Kaffee to go nur noch in mintgrünen und hellbraunen Bechern des Startups Recup. Der Bio-Supermarkt hat Einwegbecher in seinen 200 Filialen Anfang des Jahres abgeschafft, stattdessen nutzt er in der Hauptstadt das Pfandsystem des Münchner Jungunternehmens. 

Deutschlandweit geben mehr als 2.500 Cafés und etwa 100 Kantinen die Kunststoffbecher von Recup heraus. Der Gedanke dahinter ist, aus einem wiederverwendbaren Behälter zu trinken, anstatt die Pappbecher nach wenigen Minuten in den Müll zu werfen. Für jeden Recup-Behälter zahlen Kunden einen Euro Pfand. Im Gegenzug erhalten sie eine Vergünstigung vom jeweiligen Café. Das könne beispielsweise ein kostenloses Croissant sein oder 30 Cent Rabatt auf den Kaffee to go, erklärt Recup-Mitgründer Fabian Eckert gegenüber Gründerszene und NGIN Food.

Ende 2016 hat das bayerische Startup die ersten Becher ausgeteilt. Jeden Monat beteiligen sich etwa 100 neue Cafés an dem Pfandsystem, so Eckert. Seit einem Jahr verkauft das Startup obendrein Mehrwegdeckel für 1,50 Euro, allerdings ohne Pfand.

Ausrangierte Becher werden recycelt 

Die Becher, die das Startup wieder zurückbekommt, weil sie etwa beschädigt sind oder Partner nicht mehr mitmachen wollen, lässt Recup recyceln. Bislang haben rund zwei Prozent der Kunden die Zusammenarbeit wieder gekündigt, so der Mitgründer.

Die teilnehmenden Partner zahlen an Recup ebenfalls einen Euro Pfand pro Becher sowie eine zusätzliche Gebühr von einem Euro täglich. Pro Café und Kantine bekommt das Startup durch diese Gebühr also bis zu 365 Euro im Jahr, bei aktuell 2.600 Partnern wären das knapp eine Million Euro – plus Einnahmen durch die Deckel. Zum genauen Umsatz wollen sich Eckert und sein Mitgründer Florian Pachaly nicht äußern. Die Erlöse seien von 2018 auf 2019 um 150 Prozent gestiegen, sagten sie lediglich. 

Startups oder Städte – wer macht die besseren Kaffeebecher-Pfandsysteme?

Einige Kommunen haben eigene Pfandsysteme für Kaffeebecher eingeführt. Viele Startups haben ein ähnliches Geschäftsmodell. Was unterscheidet die Angebote?

In zwei Finanzierungsrunden haben sich unter anderem ein Investmentarm des Verlagshauses Müller Medien sowie Christian Kohlhof, Gründer der Kaffeekette Chicco di Caffè, an dem Münchener Startup beteiligt. Über die Summe herrscht Stillschweigen.

Derzeit testet Recup ein Pfandsystem mit Essensbehältern. Die „Rebowls“ sollen fünf Euro kosten und auch bei Lieferdiensten Einsatz finden. Obendrein habe das Startup Kooperationsverträge mit Partnern in Südafrika, Belgien, Irland und England abgeschlossen, so Eckert. Die Münchner wollen, dass in Zukunft auch in anderen Ländern Kaffee to go aus mintgrünen und hellbraunen Kunststoffbechern getrunken wird.

Bild: Recup/Hellobeautyful Photography

Folge NGIN Food auf:

In Kooperation mit
amplifypixel.outbrain