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Dieses Proteinbier soll beim Trainieren und Abnehmen helfen

Weil die Hamburger Gründer keine Lust mehr auf Eiweißshakes nach dem Sport hatten, haben sie ein Diätbier entwickelt. Auch in Südamerika und Asien kommt JoyBräu gut an.

Paul liegt auf der Hantelbank und starrt zur Decke hoch. Er konzentriert sich, zieht seinen letzten Satz durch. Dann setzt er sich auf, wischt sich den Schweiß von der Stirn und schaut auf die Uhr. Draußen ist es heiß, gleich geht er unter die Dusche und dann in den Biergarten mit Freunden. Zuerst Arbeit, dann Vergnügen? Mitnichten! Statt einem kühlen Blonden gibt es für ihn nämlich einen zähflüssigen Proteinshake für den Muskelaufbau, denn nach dem Sport ist Bier tabu. Ein klassisches First World Problem? Bald nicht mehr!

Zwei sportbegeisterte junge Männer aus Hamburg haben vor zwei Jahren das Potential erkannt und kurzerhand eine Lösung für diejenigen entwickelt, die ihre Traumfigur nicht für ein Feierabendbier aufgeben wollen: JoyBräu, das Proteinbier.

Bier statt Proteinshake: Die Idee entstand an der Bar

Die Gründer des neuen Proteindrinks heißen Tristan Brümmer (23) und Erik Dimter (24). „Unsere Gründungsgeschichte hat in Singapur ihren Anfang genommen“, erklärt Brümmer. Von ihrem damaligen Arbeitgeber wurden sie für einen Auslandseinsatz nach Südostasien geschickt, Brümmer nach Kuala Lumpur, Dimter nach Singapur. 

„Wir haben uns häufiger getroffen. Dimter hat in einem Business-Appartement gewohnt, wo es ein Fitnessstudio gab. Wir waren beide auf einem Fitnesstrip, haben zusammen trainiert — und wie das in Singapur so ist, haben wir uns mit den Kollegen nach Feierabend regelmäßig an der Bar getroffen.“

Und so saßen sie eines Abends nach dem Training genau dort — in der einen Hand den Proteinshake, in der anderen das Bier. „Weil uns beiden die Proteinshakes mit den ganzen Süßungsmitteln nicht gut schmecken – wir haben sie eher wegen ihrer Wirkung getrunken – dachten wir uns, es müsse doch die Möglichkeit geben, den leckeren Geschmack von Bier mit den positiven Eigenschaften eines Proteinshakes zu verbinden.“

So entstand die Idee im Sommer 2015: JoyBräu, ein Bier, das auch Sportlern Freude machen soll.

Das steckt im Proteinbier — und so schmeckt es

Eines vorweg: Das Proteinbier ist alkoholfrei. Alkohol kann den Trainingseffekt schmälern, das JoyBräu-Bier soll hingegen die Erholung und das Wachstum der Muskelmasse unterstützen. Eine 0,33-Liter-Flasche des veganen Low-Carb-Drinks enthält 21 Gramm Protein. Von diesen 21 Gramm sind zehn Gramm die essentiellen Aminosäuren BCAA. Diese sind als Baustoff notwendig, damit die beim Training entstandenen Muskelfaserrisse sich wieder zusammenfügen. Zudem enthält jede Flasche L-Carnitin und Beta-Alanin. Beides sei förderlich für die Fettverbrennung, erklärt JoyBräu-Gründer Dimter — das Bier sei also auch für jene geeignet, die auf Diät sind.

Eine Flasche JoyBräu kostet rund drei Euro.

Das Proteinbier kostet etwas mehr als übliches Bier. Der Preis orientiert sich eher an Eiweißshakes: Eine Flasche kostet drei Euro, das Sixpack kostet 17,99 Euro. Ob das wirklich schmeckt, wollten wir selbst herausfinden und haben es in der Redaktion getestet. Die Bewertung: Es ist fruchtig mit bitterem Nachgeschmack und erinnert beim ersten Schluck ein bisschen an Apfelsaftschorle oder Cidre.

Als Erfrischung im Sommer ist es sicherlich geeignet. Echte Bierfans werden aber enttäuscht sein, denn mit einem herben Weizen hat das Proteinbier nur wenig gemeinsam. Das ist den Gründern durchaus bewusst: „Wir haben unser Produkt mit Fokus auf die erste Saison entwickeln lassen. Unser aktuelles Bier ist ein sehr leichtes Bier, ein bisschen zitrusartig, mit einer fruchtigen Note. Wir sind ganz bewusst nicht mit einem extrem herben Bier eingestiegen, sondern mit etwas, das sich als schöne Erfrischung nach dem Sport im Sommer anbietet.“ 

Produkterweiterung sei trotzdem ein wichtiges Thema, wie Brümmer erklärt. Auch die Biertrinker wollen sie überzeugen: „Wir entwickeln bereits ein alkoholfreies Weizen. Natürlich kommt ab und an das Feedback ‚Das schmeckt mehr wie ein Radler als ein richtig schönes herbes Bier.‘ Damit können wir ganz gut umgehen, genau das hatten wir uns nämlich anfangs auch gedacht. Wir müssen und wollen auf die Wünsche der Kunden eingehen und unsere Produktpalette dahingehend erweitern.“

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Von der Idee zur Umsetzung: „Wir wussten nie wirklich, ob es im Endeffekt klappen wird“

Nach dem Geistesblitz in Singapur 2015 hat es einige Jahre gedauert, bis das Produkt marktreif war. „Wir haben erstmal im Keller bei mir herumprobiert“, sagt Brümmer, der leidenschaftlicher Hobbybrauer ist. „Wir haben versucht, ein bisschen Proteinpulver in das selbst gebraute Bier zu mischen. Das ist natürlich extrem schiefgegangen und hat ziemlich schlecht geschmeckt. Dann haben wir relativ schnell gemerkt: Wenn wir das wirklich machen wollen, müssen wir uns externe Hilfe suchen.“

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