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Postmates und der lange Weg zur Profitabilität

Eigentlich sollte das US-Startup Postmates des deutschen Gründers Bastian Lehmann längst profitabel sein. Aber das Geschäft ist hart – und die Konkurrenz mächtig.

Wischen, antippen – und schon sind Abendessen, Lebensmittel oder Getränke bestellt. Die sofortigen Lieferungen per Kurier sind zwar äußerst bequem, aber für die Anbieter rechnen sie sich längst nicht. Das ist nicht nur bei deutschen Startups wie dem Essenslieferdienst Foodora der Fall – auch der US-Vorreiter Postmates des deutschen Gründers Bastian Lehmann, der bereits vor sieben Jahren gegründet wurde, hat den Sprung in die Profitabilität bisher nicht geschafft.

Dabei hat Lehmann dieses Ziel bereits häufiger in Aussicht gestellt: In einem Gründerszene-Interview vor zwei Jahren sagte er: „Wir wollten das Unternehmen von Beginn an amerikanisch wachstumsorientiert aufbauen – aber mit deutschen Prinzipien. Bald mit guten Margen Gewinne zu machen, stand bei uns immer auf dem Plan. [...] Ob wir Ende 2016 oder Anfang 2017 profitabel sein werden, hängt von der Zahl der Märkte ab, die wir angehen werden.“

Gegenüber Forbes kündigte Lehmann dann vor einem Jahr an, die Profitabilität werde im Dezember 2017 oder Anfang 2018 erreicht. Auf Nachfrage von Gründerszene heißt es allerdings jetzt von Postmates: „Wir sind im moment nicht profitabel, aber bleibt dran.“

Ein Problem für das Unternehmen aus San Francisco ist die mächtige Konkurrenz in den USA. 75 Prozent der Postmates-Fahrten sind laut Unternehmen Essenslieferungen. Dem gegenüber steht allerdings Amazon, das mit Prime Now einen umfassenden Lieferservice bietet – und der E-Commerce-Konzern hat tiefe Taschen. Auch hinter Uber Eats, das in den USA sehr verbreitet ist, steht eine Menge Kapital und der Lebensmittel-Lieferdienst Instacart verfügt mit 850 Millionen Dollar über deutlich mehr Funding als Postmates.

Wie lange will sich Postmates noch durchschlagen?

Ob Postmates außerdem seine selbst gesetzten Wachstumsziele erreichen konnte, bleibt offen. Lehmann sagte gegenüber Forbes, er hoffe im ersten Quartal dieses Jahres einen hochgerechneten Jahresumsatz (Run Rate) von einer Milliarde US-Dollar zu erreichen. Auf Nachfrage dazu heißt es jetzt von dem Unternehmen nur, man habe die Milliarde Run Rate im Sales bereits erreicht. Das war allerdings auch schon vor einem Jahr der Fall.

Mittlerweile ist das Startup nach eigener Aussage in mehr als 50 US-Städten und Mexico City aktiv, beschäftigt 550 Mitarbeiter und liefert monatlich mehr als 2,5 Millionen Bestellungen aus. Dafür sorgen 160.000 Fahrer. Wie viel die Kuriere verdienen, gibt Postmates nicht an. Nur so viel: Sie würden pro Fahrt bezahlt und schafften zwei bis drei Touren in der Stunde – vorausgesetzt natürlich, es kommen genug Aufträge herein. In diesem Jahr wolle das Unternehmen in den bestehenden Märkten expandieren, und „ein paar weitere Märkte launchen, auch international“.

Die große Frage ist, wie lange sich Postmates noch alleine weiter durchschlagen will. Das defizitäre Unternehmen hat zuletzt im September 2016 Kapital von Investoren erhalten. Immerhin gab es gleich 140 Millionen US-Dollar von Peter Thiels Founders Fund und anderen bekannten VCs. Auch Basketball-Star Kevin Durant investierte. Allerdings zeigt sich, dass andere On-Demand-Lieferstartups lieber unter das sichere Dach eines Konzerns schlüpfen – auch um nicht mit Amazon und Co. konkurrieren zu müssen. Während viele der Exits kleiner waren, ließ sich das US-amerikanische Shipt allerdings gleich für 550 Millionen Dollar von dem Einzelhändler Target kaufen. Selbst bei dem britischen Foodora-Konkurrenten Deliveroo gab es laut TechCrunch den Versuch, einen Käufer für das Startup zu finden.

Von Postmates heißt es auf die Frage nach der Exit-Strategie, man betrachte alle Optionen und entscheide nach dem, was für das Unternehmen und die Mitarbeiter am besten sei. Und: Man arbeite weiter auf den von Lehmann angekündigten Börsengang hin. Zusätzliche Details gebe es derzeit nicht.

Roboter und autonomes Fahren für die Marge

Das eigene Geschäft sei nachhaltig, heißt es von einer Sprecherin. Man habe sich sehr auf die Margen fokussiert, damit das Business lebensfähig sei. „Wir verdienen Geld bei jeder Lieferung, was von Tag eins andas Ziel war.“

Für die Margen bei On-Demand-Modelle ist es entscheidend, die Lieferungen so effizient wie möglich zu organisieren. Postmates testet da verschiedene Möglichkeiten. So arbeitet das Unternehmen zum Beispiel mit dem Automobilhersteller Ford im Bereich autonome Lieferungen zusammen. Auch Starship Technologies ist ein Partner: Die Firma stellt Lieferroboter her und testet diese nicht nur mit Postmates in Washington DC, sondern auch gemeinsam mit Foodora in Hamburg.

„Wir sind nach wie vor von der Aussicht begeistert, dass Roboter Lieferungen übernehmen könnten und werden weiterhin Partner auf unserer Plattform unterstützen, die in deren Forschung und Entwicklung investieren“, heißt es von Postmates. Aber: „Stand heute ist, dass es bei unserem Einsatz für das Testen von Robotern und autonomen Fahrzeugen nicht darum geht, dass wir letztlich nur eines dieser Tools nutzen wollen“, so die Sprecherin. „Wir stellen sicher, dass jede neue Option die Menschen, die für die Plattform ausliefern, komplementiert.“

Bild: Postmates

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