Trends, Innovationen und Digitales aus der Lebensmittelbranche

PepsiCo-Chef: „Der deutsche Food-Markt ist preissensibel wie kaum ein anderer“

Tom Albold leitet den deutschsprachigen Markt von PepsiCo. NGIN Food erzählt er, warum er eher an regionale Anbieter als Amazon glaubt und wie digital seine Firma ist.

Wir wollen's ganz genau wissen: Wie sieht die Zukunft der Lebensmittelbranche aus? In der Rubrik „What's Cooking?“ fragen wir die Entscheider der Food-Industrie nach ihrer persönlicher Meinung. Diese Woche: Tom Albold, DACH-Chef des Getränke- und Snackherstellers PepsiCo, hinter dem Marken wie Pepsi, Punica, Lipton und Lays stecken.

  • Name: Tom Albold
  • Alter: 46 Jahre
  • Konzern: PepsiCo
  • Position: Geschäftsführer Deutschland, Österreich, Schweiz
  • Anzahl Mitarbeiter: Rund 271.000 Mitarbeiter weltweit, davon circa 450 in Deutschland
  • Gesamtumsatz der Firma: Mehr als 63 Milliarden US-Dollar in 2017 
  • Lieblingsessen: Bratwurst – direkt vom Wochenmarkt oder vom Grill bei mir zuhause

Wie häufig lassen Sie sich im Monat Lebensmittel nach Hause liefern? Wann war das letzte Mal?

In unserem teils sehr intensiven Arbeits- und Familienalltag würden wir uns gerne öfter Lebensmittel unkompliziert nach Hause liefern lassen. Wir haben bereits verschiedene Angebote wie Foodboxen oder den Lieferservice von Rewe ausprobiert. Das sind teilweise sehr smarte und interessante Angebote, der perfekte Service war für uns jedoch noch nicht dabei. Meist kaufen wir frische Produkte klassisch im Supermarkt oder noch lieber, wenn die Zeit es erlaubt, auf dem Wochenmarkt. 

Wer wird den Food-Markt nachhaltiger umkrempeln: Amazon oder regionale Anbieter?

Die Entwicklung hier beobachten mein Team und ich sehr gespannt – wenn Amazon antritt, um einen Markt zu erobern, muss man das immer ernst nehmen, das tut der Handel ja auch. Andererseits ist der deutsche Lebensmittelmarkt speziell und preissensibel wie kaum ein anderer in Europa. Hier nachhaltig Marktanteile zu erobern ist nicht einfach und erfordert einen langen Atem. Ich glaube regionale Anbieter werden vor allem mit nachhaltigen Produkten ihre Nischen finden, die für viele Verbraucher immer wichtiger werden.

Was bedeutet Digitalisierung für Ihr Unternehmen? Und wie wird das Thema bei Ihnen in die Praxis umgesetzt?

Wie bei den meisten Unternehmen prägt die Digitalisierung aktuell stark unser Denken, unsere Entwicklung und unternehmerische Strategie. Dies hat sich auch personell ausgewirkt, digitale Strategen und Experten für Onlinehandel sind zu zentralen Mitgliedern unseres Teams geworden. Besonders in den Bereichen Sales und Distribution sehen wir aktuell viele Chancen zur Optimierung und Erschließung ungenutzter Potentiale. Aber auch im Marketing ist das Thema hochrelevant: Gerade die jüngeren Konsumenten erreichen wir mit unseren Kampagnen zunehmend digital.

Pepsi ist eine der stärksten Marke von PepsiCo.

Welche Trends aus der Gastronomie beeinflussen Ihr Unternehmen?

Als global agierendes Unternehmen haben wir natürlich den Vorteil, Insights und aktuelle Trends aus den verschiedenen Märkten zu kennen – so können wir in jedem Land den Konsumenten die Produkte anbieten, die ihren länderspezifischen Interessen entsprechen, sie aber auch für neue Einflüsse und Produktkreationen begeistern. So zum Beispiel beim Foodtrend der Levante-Küche mit Einflüssen aus dem Nahen Osten: Seit Ende vergangenen Jahres sind wir als Joint Venture mit der Strauss Group mit dem Hummus-Produkt Obela auch auf dem deutschen Markt vertreten. Auch der aktuelle Trend des Food Pairings ist sehr spannend für uns – wir können Synergien zwischen unseren Marken herstellen und entwickeln neue Verwendungsanlässe für unsere Konsumenten.

Welches Food-Startup finden Sie aktuell besonders interessant?

Nicht nur ich persönlich, sondern der gesamte Konzern ist sehr interessiert an zukunftsweisenden Food-Startups, die den Markt nachhaltig beeinflussen und reformieren. Daher hat PepsiCo im vergangenen Jahr das Inkubator-Programm „Nutrition Greenhouse“ ins Leben gerufen: Acht Jungunternehmer haben wir mit einem sechsmonatigen Partnerprogramm sowie einer Sofortförderung von 25.000 Euro unterstützt, der Sieger erhielt sogar 100.000 Euro für den weiteren Geschäftsausbau. Besonders spannend fand ich den deutschen Finalisten Your Superfoods. Das Berliner Startup stellt funktionale Superfood-Mischungen her, die Smoothies, Säften, Joghurts, Müsli und Snacks eine Extraportion an natürlichen Mineralien, Vitaminen, Antioxidantien und veganen Proteinen verleihen.

Noch macht der Anteil von Online-Einkäufen im Lebensmittelhandel nur etwa ein Prozent der Einkäufe aus. Wie groß wird dieser Anteil in Ihren Augen in zehn Jahren sein?

Deutschland liegt im Bereich Online-Einkäufe ja noch deutlich hinter anderen Ländern wie den USA oder Großbritannien zurück. Diese Länder zeigen meines Erachtens, wohin die Entwicklung in den nächsten Jahren gehen wird – diese beobachten wir für unser Geschäft natürlich sehr genau. 

Folge NGIN Food auf Facebook!

Auf welche Entwicklung im Lebensmittelbereich freuen Sie sich ganz besonders?

Das Thema Zucker hat aufgrund des veränderten Konsumentenbewusstseins für uns eine hohe Relevanz. Bereits heute haben wir eine ganze Reihe an zuckerfreien und -reduzierten Produktinnovationen im Portfolio und helfen so den Konsumenten, bewusste Entscheidungen zu treffen. Knapp die Hälfte unseres Getränkesortiments in Deutschland ist heute kalorienfrei – und unsere R&D-Teams entwickeln unser Produktportfolio kontinuierlich weiter. Insofern sind wir in Sachen Zuckerreduktion bestens aufgestellt und ich bin auch persönlich sehr gespannt auf die weitere Entwicklung auf diesem Gebiet!

Wovon werden wir uns Ihrer Meinung nach in 50 Jahren ernähren?

Ich bin mir sicher, dass das Food-Angebot immer individueller und der Markt immer vielschichtiger wird. Wie genau das dann aussehen wird, übersteigt womöglich mein Vorstellungsvermögen – aber genau das macht es ja so spannend!

Unilever-Digitalchef: „Ich freue mich auf Blockchain in der Lebensmittelbranche“

Harald Melwisch ist bei einem der größten Konzerne für Verbrauchsgüter für Digitalisierung zuständig. Er hält künftig auch Essen aus dem Drucker für möglich.


Bild: Mario Tama / Getty Images

Folge NGIN Food auf:

In Kooperation mit
amplifypixel.outbrain