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Otto’s Burger: „Wir würden durch jede Instanz mitgehen“

Das Versandhaus Otto hat das Startup Otto's Burger wegen seines Namens verklagt. Zu unrecht, entschied das Gericht. Im Interview spricht der Gründer über das Urteil.

Die Erzählung von David gegen Goliath, von Gründer gegen Konzern, ist um eine Episode reicher. Und wieder scheint der Gründer als Sieger dazustehen. Das Versandhaus Otto hatte die Hamburger Fast-Food-Kette Otto’s Burger wegen Missbrauchs der Namensrechte verklagt. Das Startup mit vier Filialen nutze illegal die Bekanntheit des Namens, um bessere Geschäfte zu machen, so die Argumentation von Otto. Diese Klage wies das Hamburger Landgericht gestern ab. Eine Verletzung des Unternehmenskennzeichen „Otto“ liege nicht vor, weil die von den vier Burger-Lokalen angesprochenen Gäste Otto's Burger nicht mit dem Otto-Kennzeichen des Versandhändlers in Verbindung brächten, entschieden die Richter.

Gründer Daniel MacGowan ist gebürtiger Brite und hat in London als Rechtsanwalt gearbeitet, bevor er Otto’s Burger startete. Man lasse sich von Anwaltsschreiben eben nicht so schnell einschüchtern, wenn man selbst schon mal welche geschrieben habe, sagt er zu dem Streit. Im Interview mit Gründerszene und NGIN Food spricht er über den gewonnenen Prozess.

Daniel, du hast den Gerichtsstreit gegen Otto gewonnen. Wie groß ist die Erleichterung?

Sehr groß! Der Streit ging ja schon mehrere Jahre. Wir haben lang verhandelt und wollten eine außergerichtliche Lösung finden. Aber irgendwann hat sich abgezeichnet, dass Otto das nicht will. Jetzt möchte ich einfach nur wissen, ob der Streit damit vorbei ist, damit ich mich wieder auf unser Kerngeschäft konzentrieren kann.

Hattest du seit dem Urteil schon Kontakt zu Otto?

Nein, sie haben auf Nachfrage mitgeteilt, dass sie das Urteil jetzt zunächst prüfen werden und dann entscheiden, ob sie in Berufung gehen. Sie haben allerdings schon vor einiger Zeit angekündigt, dass sie durch jede Instanz gehen würden. Aber da würden wir mitgehen!

Wie war der erste Kontakt mit Otto?

Der war sehr positiv. Wir haben nämlich erst mal zusammengearbeitet. Sie haben uns für ein Catering angefragt und Teile ihres aktuellen Katalogs in unserem Laden in Hamburg-Ottensen geshootet. Deshalb war es auch eine ziemliche Überraschung, als plötzlich die Abmahnung im Briefkasten lag. Schließlich habe ich zeitgleich noch mit anderen Abteilungen von Otto zusammengearbeitet. Die sahen offenbar kein Problem in unserem Namen.

Ist deine Burgerkette neben dem Versandhaus denn die Einzige Firma, die Otto heißt?

Wir haben 120 Firmen gefunden, die Otto im Namen tragen. Sogar hier in Hamburg, da gibt es zum Beispiel Ottos Eisdiele. Es hat uns immer gewundert, warum Otto genau gegen uns vorgegangen ist. Wahrscheinlich sind wir die einzigen, die sich gewehrt haben.

Hat dir Otto Geld geboten, damit du dein Startup umbenennst?

Im Gegenteil, die wollten, dass ich Geld zahle, damit ich den Namen benutzen darf.

Otto hat kommuniziert, dem Konzern bliebe keine Wahl als euch zu verklagen, weil ihr mit Merchandising-Artikeln, also Kleidungsstücken, ihr Kerngeschäft angreift. Was sagst du zu diesem Vorwurf?

Es ärgert uns sehr, dass Otto das als Vorwand für die Klage nutzt. Auch im eigenen Unternehmen, um den Vorgang gegenüber den eigenen Mitarbeitern zu rechtfertigen. Tatsächlich geht es in keinem einzigen der Anklagepunkte um unsere Merchandising-Produkte. Wir wurden dargestellt, als wollten wir ins Bekleidungsgeschäft einsteigen. Da ist natürlich nichts dran.

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Du selbst heißt ja Daniel MacGowan. Warum überhaupt der Name Otto?

Es gibt ja verschiedene Theorien, wer den Burger erfunden hat. Aber aus meiner Sicht war das Otto Kuase. Der Hamburger hat am Hafen die Burger gebraten und die Auswanderer haben sie nach Amerika gebracht. Deshalb heißen sie ja auch Hamburger.

Hast du einmal an Otto gedacht, als du dein Geschäft gegründet hast?

Nein, ich stamme aus England. Deshalb war mir das Versandhaus Otto überhaupt nicht präsent.

Startups vs. Großkonzern – Lässt sich „Cold Brew“ als Marke schützen?

Kaffeehändler J. Hornig ließ sich „Cold Brew“ als Marke sichern und mahnte daraufhin Startups ab. Was folgte, war ein harter Branchenstreit mit absurdem Ausgang.

Wann bist du nach Deutschland gekommen?

Ich habe den Burger-Trend lange Zeit in London beobachtet. Da ich mich immer selbstständig machen wollte und mein Bruder in Hamburg wohnt, habe ich im März 2014 beschlossen, nach Deutschland zu gehen und Otto’s Burger zu gründen.

Angenommen, der Streit ist nun vom Tisch. Wie geht es mit deinem Unternehmen weiter?

Wir wollen organisch weiterwachsen und deutschlandweit ein bis drei neue Läden pro Jahr eröffnen.

Bild: Otto's Burger

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