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Helfen diese Startup-Shots gegen den Hangover?

Nach dem Feiern kommt der Kater. Rentieren sich vier Euro, um das am nächsten Tag zu verhindern? Unsere Autorin hat das Anti-Kater-Mittel von One:47 ausprobiert.

Ich trinke gern Wein. Ich trinke gern Bier. Und auch Wodka Lemon. Nur manchmal zu viel. Und dann bestraft mich mein Körper am nächsten Tag mit Übelkeit, Kreislaufbeschwerden und Müdigkeit. Das Mainzer Startup One:47 hat vor vier Jahren ein Anti-Kater-Mittel auf den Markt gebracht, das genau diese Symptome eindämmen soll.

Perfekt für einen Test am nächsten Wochenende, da bin ich mit Freunden zum Feiern verabredet. Es ist Dienstag, also bestelle ich mir online eine Packung mit zwölf der Anti-Kater-Shots für 24,99 Euro. Die Lieferzeit soll laut Website höchstens zwei Tage betragen. Leider kommt mein Paket aber erst am Montag an, zu spät für mich. Nächster Versuch: Auf der Internetseite von One:47 steht, dass das Startup seine Fläschchen und Brausepulver auch in Spätis verkauft. Ich frage bei zwei Kiosken nach, die auf der Karte gelistet sind, doch keiner der Betreiber hat je etwas von One:47 gehört. „Das war ein Testballon, und wahrscheinlich haben die es einfach abverkauft und nicht nachgefüllt“, erzählt mir Mitgründer und CEO Christopher Prätsch später. Der Kontakt laufe über Zwischenhändler, und da sei die Kommunikation schwierig, entschuldigt er sich.

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Eine Woche später: Ich gehe mit Kollegen zu einer After-Work-Party, und der Anti-Kater-Drink ist endlich angekommen. Noch im Büro nehme ich die erste Flasche. Das sind 60 Milliliter, zwei Schlucke. Der Shot besteht aus Vitaminen, Zink, Magnesium und Natrium sowie Pflanzenextrakten. Die Mineralstoffe sollen den Wasserhaushalt regulieren. B-Vitamine sind bekannt dafür, Alkohol schneller abzubauen. Ingwer soll bei Übelkeit und Magenbeschwerden helfen, Gingko die Blutgefäße erweitern, sodass kaum Kopfschmerzen auftreten. Und wenn doch, dann soll Weidenrinde helfen, die eine ähnliche Wirkung wie Aspirin hat. Kunden sollten den Anti-Hangover-Drink vor und nach dem Feiern nehmen, weil der Körper über den Zeitraum viele Nährstoffe verliert und es nicht reiche, sie im Anschluss einmal in größerer Menge wieder aufzunehmen, meint der One:47-Mitgründer.

Das Getränk schmeckt süßlich, wie aufgelöstes Brausepulver, aber gleichzeitig auch scharf. Definitiv nicht lecker. Aber: „Das lassen wir so“, sagt Prätsch. „Für uns ist die Wirkung wichtiger als der Geschmack, und beim Geschmack haben wir bereits sehr viel investiert.“ Um 18.45 Uhr trinke ich mein erstes Bier. Zum Abendessen gibt es ein belegtes Brötchen und Salat. Nicht die beste Grundlage für einen alkoholreichen Abend. Gegen 21 Uhr hole ich mir einen Moscow Mule, der mit mehr Wodka als Ginger Ale serviert wird. Eine Stunde später gibt es eine Weißweinschorle. Um 22.30 Uhr noch einen gut gemixten Moscow Mule. Ich bin mittlerweile auf der Tanzfläche.

Knapp eine Million Umsatz 

Um 23.30 Uhr gehe ich noch ein letztes Mal zur Bar und bekomme einen dreifachen Wodka-Shot auf Eis. Den Spritzer Limonade scheint der Barkeeper vergessen zu haben. Ich bin gut gelaunt, aber nicht betrunken. Zu Hause schlucke ich wieder das Anti-Kater-Mittel und gehe schlafen. Meine Uhr zeigt 0.45 Uhr. Immerhin geht es mir nicht schlecht, als ich im Bett liege. Und am nächsten Morgen wache ich ohne Kater auf. Ob es einen Unterschied gemacht hätte, wenn ich statt des pflanzlichen Drinks einfach regelmäßig ein Glas Wasser getrunken hätte? Um das zu beantworten, fehlt mir der Vergleich. Zumindest aber musste ich mich beim Feiern nicht immerzu selbst daran erinnern.

12 – One:47

Score: 35,89
Gründungsjahr: 2015
Kategorie: Foods
Webseite: www.one47.de

One:47 sei ein Saisonprodukt und verkaufe sich zum Oktoberfest, an Silvester und während der Karnevalszeit besonders gut, so Prätsch. 2018 erwirtschaftete das Mainzer Team um Prätsch und seinen Mitgründer Torben Murach einen „deutlich“ sechsstelligen Umsatz. Für 2019 peile das Startup eine „knapp siebenstellige“ Summe an.

Allerdings könnte dem Startup künftig ein Urteil des Oberlandesgerichts Frankfurt in die Quere kommen. Das Gericht hat Ende September entschieden, dass Nahrungsergänzungsmittel wie One:47 nicht damit werben dürfen, einen Kater zu behandeln. Auch wenn Mediziner dem widersprechen, sei ein Hangover aus werberechtlicher Sicht eine Krankheit, urteilte das Gericht. Und laut der sogenannten Health-Claims-Verordnung dürfen Hersteller in Deutschland nicht versprechen, dass ihre Lebensmittel eine heilende Wirkung haben. Ein Student der Universität Mainz hat den One:47-Drink daher im Rahmen seiner Abschlussarbeit untersucht, um die Wirkung des Produkts aufzuzeigen. Die Ergebnisse sollen ebenfalls in einem Fachmagazin vorgestellt werden, so Prätsch. Und erst wenn diese veröffentlicht worden sind, dürfe das Startup wieder behaupten, einen Hangover zu heilen. Bis dahin muss der Hersteller mit Aussagen wie „After Party Drink“ für sein Produkt werben. 

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Bilder: Lisa Ksienrzyk / Gründerszene

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