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Warum diese Business-School-Absolventen jetzt Hipster-Pfannen verkaufen

Instagram-taugliches Kochzubehör liegt in den USA im Trend. Hierzulande ist das Düsseldorfer Startup Olav gerade in den Pfannen-Markt eingestiegen. Wer steht dahinter?

Ihr benutzt Töpfe und Pfannen von Ikea, WMF oder Mutti? Auch wenn sie in den allermeisten Fällen über Jahre ihren Zweck erfüllen, ein Produkt fürs Leben sind die Kochutensilien in der Regel selten. Stattdessen landen sie irgendwann im Restmüll. Zwei Düsseldorfer Gründer haben eine Pfanne entwickelt, von der sie sagen, dass sie zweckdienlich ist und lange schön bleibt.

Was macht das Startup?

Olav bietet seinen Kunden nach dem Kauf einen sogenannten „Wiederbeschichtungsservice“. Ist die Pfanne (die übrigens aus Edelstahl, Aluminium und Kupfer besteht) innen abgewetzt, schickt man sie an das Startup – und bekommt sie für 29 Euro plus Versand aufgearbeitet und neu beschichtet zurück. Wie viele Konsumgüter-Gründer geben auch die Olav-Gründer an, ohne Zwischenhändler auszukommen, also ein sogenanntes Direct-to-Consumer-Produkt (DTC) zu vertreiben. Produziert wird in China.

Wer soll das kaufen?

Millennials. Man wolle die Zielgruppe von Kochgeschirr begeistern, sagen die Olav-Gründer im Gespräch mit Gründerszene und NGIN Food. Ihr Produkt richte sich prinzipiell aber an alle kochbegeisterten Menschen. Den Ansatz, sich im Direktvertrieb auf einzelne Produktgruppen zu konzentrieren und sie jungen Leuten schmackhaft zu machen, verfolgen auch andere Startups, etwa für Matratzen, Kinderwagen oder Koffer. In den USA gibt es gleich mehrere Jungunternehmen, die sich wie Olav auf Kochware spezialisiert haben und mit bunten, hübsch designten Webseiten, Schmortöpfen oder Schneidebrettern auf einen direkten Draht zum Kunden unter 40 setzen. Beispiele dafür sind Great Jones (im 70er-Jahre-Look), Made In (aus Austin, Texas) und Milo (emaillierte Töpfe). Der Gedanke: Die Generation Social Media fotografiert und zelebriert ihr Essen online, sobald es fertig ist. Mit „instagrammable“ Kochzubehör soll das schon vor der fertigen Mahlzeit möglich sein. #Cookporn, sozusagen.

Wer steht dahinter?

Christina Neworal (30) studierte an der Wirtschaftsuniversität Wien, Till von Buttlar (28) an der Otto Beisheim School of Management (WHU) in Vallendar bei Koblenz. Um ihre Pfanne zu entwickeln, zogen die beiden vorübergehend nach New York, ließen sich dort von der Design-Agentur Prime Studio beraten, erzählen sie gegenüber Gründerszene und NGIN Food. Kennengelernt haben sich Neworal und von Buttlar in einer Unternehmensberatung.

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Wie sehen die Zahlen aus?

2018 als UG gegründet, sind Neworal und von Buttlar mit ihrem Produkt erst Anfang dieser Woche offiziell an den Markt gegangen. Über Verkaufszahlen wollen sie deshalb noch nicht sprechen. Der einzige Vertriebskanal ist der eigene Onlineshop. Die Olav-Pfanne kostet je nach Größe zwischen 115 und knapp 180 Euro. Das Team bestehe aus vier Praktikanten und den Gründern, sagt Neworal. Bislang habe das Startup 200.000 Euro bekommen, von Freunden und der Familie sowie ein Wandeldarlehen von der NRW.Bank. Die beiden Chefs haben zusätzlich jeweils 50.000 Euro investiert. In den USA sind die Kochgeschirr-Startups finanziell schon deutlich besser ausgestattet: Made In beispielsweise hat bis heute umgerechnet circa 7,5 Millionen Euro (8,3 Millionen US-Dollar) eingesammelt. In Great Jones investierten die Gründerinnen des US-Koffer-Unicorns Away, Jen Rubio und Steph Korey. Auf Instagram folgen Olav immerhin rund 2.500 Abonnenten.

Welche Ziele haben die Gründer?

Ist ein Unternehmen, dessen Produkte sich Kunden bestenfalls nur einmal im Leben kaufen müssen, überhaupt skalierbar? „Lieber wachsen wir in den Produktkategorien, als kurzlebige Artikel herzustellen, nur um in drei Jahren den nächsten Sale abschließen zu können“, sagt Mitgründerin Neworal. Gerade sei man dabei, ein Messer zu konzipieren. Das ist auch ein Produktfokus der US-Jungmarken Misen und Material. Neworal ergänzt: „Den Wegwerf-Konsum wollen wir nicht weiter vorantreiben.“

Bilder: Olav

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