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Würdest du für dieses Gericht eine 8.000-Euro-Maschine kaufen?

Das Startup MChef liefert Gourmet-Küche, die nur in einem hochpreisigen Miele-Gerät zubereitet werden kann. Der Gründer hat uns erklärt, wer trotzdem bei ihm bestellt.

Im vergangenen Jahr hatte Martin Eilerts eine Geschäftsidee. Er wollte ein Catering-Startup auf Gourmet-Niveau gründen. Das hat er geschafft. Heute ist der gelernte Koch Geschäftsführer von MChef. Die Sache hat aber einen Haken: Die Gerichte von MChef können nur Mieles neuem Dialoggarer zubereitet werden. Und der kostet rund 8.000 Euro. Im Interview mit Gründerszene und NGIN Food erklärt Eilerts, wer seine Gerichte trotz des hohen Preises bestellen soll. 

Herr Eilerts, wie kam es zur Zusammenarbeit mit Miele?

Ich bin ganz einfach mit meiner Geschäftsidee an Miele herangetreten. Nach meiner Ausbildung als Koch hatte ich BWL studiert und danach unter anderem als geschäftsführender Partner einer Beratungsgesellschaft gearbeitet. Aus dieser Zeit hatte ich noch Kontakte zu Miele. Der Dialoggarer wurde 2017 der Öffentlichkeit präsentiert. Und glücklicherweise passte meine Geschäftsidee perfekt zu diesem Gerät.

Ist MChef also ein Lieferservice von Miele?

Nein, es war allen Beteiligten klar, dass ein solcher Gourmet-Lieferservice nicht im klassischen Rahmen von Miele funktioniert. Dafür braucht es eine eigene Firma. Allerdings gehören Miele 90 Prozent von MChef, ich halte 10 Prozent.

Wer soll denn bei MChef Essen bestellen, wenn er dafür erstmal den Wert eines Kleinwagens in ein Küchengerät investieren muss?

Wir liefern beispielsweise an Wirtschaftsprüfungsgesellschaften oder Kanzleien. Anwälte gehen ja häufig mit ihren Mandanten essen, das wird auch schnell teuer und kostet zudem Zeit. Und bei Spitzenanwälten ist jede Minute wertvoll. Deshalb ist es für diese Zielgruppe durchaus interessant, wenn wir Spitzengastronomie in ihre Räumlichkeiten bringen. Da muss man das Meeting lediglich für das Mittagessen unterbrechen. So rechnet es sich schnell, den Dialoggarer in die Teeküche eingebaut zu haben.

Martin Eilerts hält zehn Prozent an MChef.

Martin Eilerts hat nach seiner Koch-Ausbildung noch BWL in Göttingen studiert. 

Stört Sie die Abhängigkeit von Miele?

Nein. Miele ist, und das nicht allein wegen des Zusammenhangs zum Dialoggarer, ein wichtiger Partner für den Erfolg von MChef.

Der Dialoggarer kostet 8.000 Euro. Was kann der Ofen, was andere nicht können?

Das ist natürlich ein hoher Preis, aber der ist aufgrund der Technologie auch gerechtfertigt. Es geht dabei um sogenanntes Responsive Cooking. Das heißt, es findet ein Dialog zwischen dem Gerät und dem Gericht statt. Unser Menü besteht aus verschiedenen Komponenten, die unterschiedliche Garzeiten und Temperaturanforderungen haben. Das erkennt der Dialoggarer von selbst. Diese Technologie war bereits in der Entwicklung extrem aufwendig.

Was muss der Kunde denn noch machen, bis er das fertige Gericht auf dem Teller hat?

Der Kunde muss im Prinzip nichts machen, außer eine Folie abzuziehen. Alles andere macht der Dialoggarer. Deshalb hängt das Gelingen auch nicht von den Kochkünsten der Kunden ab. Der Kunde startet die richtige Zubereitung über die MChef-App aus der Datencloud und sendet sie damit an den Dialoggarer. Alles andere gelingt dann automatisch.

MChef hat derzeit sieben Mitarbeiter und befindet sich noch in der Testphase. Eilerts will seinen Service auf der diesjährigen IFA präsentieren und ab September in Nordrhein-Westfalen starten. Ab 2019 wird der Lieferdienst bundesweit angeboten. Stolz ist das Bielefelder Startup auch auf seine Logistik. MChef hat auf seine Transportboxen und die dazugehören Porzellanteller Patent angemeldet. Sie sollen die Lieferung 24 Stunden lang frisch halten. Einmal der Box entnommen, lassen sich die Menüs bei entsprechender Temperatur bis zu fünf Tage lagern.

Wer hat die Gerichte kreiert, die MChef anbietet?

Die sind von Köchen aus unserem Team entwickelt worden. Ich selbst habe früher ja in der Spitzengastronomie gearbeitet, außerdem haben wir noch Lebensmitteltechnologen und andere Experten dabei. Dabei ist uns auch wichtig, dass für die Kunden transparent ist, woher unsere Zutaten kommen. Wir müssen allerdings klar sagen: Wir machen keine Sterne-Küche. Unser spitzengastronomischer Service setzt auf digitale Prozesse und ist etwas ganz Neues, das sich nicht eins zu eins mit den etablierten Bewertungen der Gastronomie vergleichen lässt.

Wo wollen Sie mit MChef in fünf Jahren stehen?

Wir bedienen eine Nische, das ist klar. Wir wollen nicht die Größten sein, sondern die Besten. Wenn es uns gelingt, dass jeder unserer Kunden zwei Lieferungen pro Woche bestellt, wäre ich schon glücklich.

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Bilder: MChef/Miele

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