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Diese Gründerin baut eine Insektenfarm für den Schreibtisch

Insekten werden oft als Nahrungsmittel der Zukunft beschrieben. Eine Österreicherin will, dass jeder seine eigenen Snacks züchten kann. Kann das funktionieren?

Als Katharina Unger vor rund zwei Jahren ihre Kickstarter-Kampagne startete, verursachte sie mit ihrem Produkt zunächst einen gewaltigen Medienrummel. Der Grund: Die Österreicherin bot eine Mini-Farm für Insekten auf der Crowdfunding-Plattform an, mit der Nutzer ihre eigenen Krabbeltiere zum Verzehr züchten können. Ein zumindest ungewöhnliches Produkt.

Auf die Idee kam Unger, als sie vor sechs Jahren in Hongkong als Industriedesignerin arbeitete. Noch immer wohnt sie zeitweise dort, das Startup Livinfarms hat dort seinen Sitz. „Die Vielfalt an Lebensmitteln an einem so dicht besiedelten, zubetonierten Ort hat mich fasziniert“, erinnert sie sich. Doch die unklare Herkunft ihres Essens, die anonymen Transportwege – für Unger war das aber kein zufriedenstellender Zustand. „Ich bin auf einem Bauernhof groß geworden, wir wussten immer, wo unsere Lebensmittel herkommen, weil wir sie selber produziert haben.“

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Sie überlegte, wie sie das ändern könnte. Bei ihren Recherchen stieß sie auf Insekten als Nahrungsmittel. Deren Zucht sollte umweltschonender als Nutztierhaltung sein, gleichzeitig sollten sie ähnlich viele Nährstoffe wie Eiweiß aufweisen. Noch ein weiterer Vorteil gefiel Unger: „Insekten haben den Vorteil, dass man sie auf kleinem Raum und mit Abfallstoffen möglichst effizient züchten kann.“ Die Idee für die Mini-Farm war geboren.

Doch wie funktioniert die Zucht? In der 60 Zentimeter hohen Insektenfarm werden Mehlwürmer in die oberste Schublade gepackt, wo sie sich paaren. Die Larven fallen anschließend in darunter liegende Läden. Nach 18 Tagen sind diese groß genug, um vom Nutzer herausgenommen, gekocht und gegessen zu werden. Die Mehlwürmer können beispielsweise mit Essensresten gefüttert werden. Die Konstruktion nennt Unger Hive – das englische Wort für Bienenstock. „Man kann den Hive vielleicht mit einem Schweinestall oder Aquarium vergleichen: Wir bieten etwas an, um ein Tier zu züchten. Man schafft also so gut wie möglich Rahmenbedingungen, damit das Lebensmittel hohe Qualität hat“, erklärt sie.

Die Mini-Farm nennt die Gründerin Hive - englisch für Bienenstock.

Für den Hive bekam sie von Unterstützern der Crowdfunding-Kampagne 145.000 US-Dollar. „Der Kunde, der Insekten züchtet, ist ein anderer als der, der es im Supermarkt kauft“, sagt die Gründerin über die Käufer der Tisch-Farm. „Es gibt einen Unterschied zwischen dem Kunden, der einfach konsumieren will, und dem Kunden, der aktiv transparent Lebensmittel züchten will, weil es sein Hobby ist und aus ideologischen Gründen Sinn macht.“ Die meisten Produkte verkaufe Livinfarms nach Europa, sagt sie. Das liege einerseits an ihren Marketingmaßnahmen, andererseits aber auch an dem hiesigen Bewusstsein für Nachhaltigkeit.

Trotz – oder gerade wegen – des Medienrummels lief für LivinFarms bisher nicht alles reibungslos. Statt die Produkte für die Kickstarter-Unterstützer wie geplant im November 2016 auszuliefern, musste die Kunden fast eineinhalb Jahre auf ihre kleinen Farmen warten. Erst vor wenigen Wochen gingen die ersten aus dem Lager. „Wir haben uns sehr bemüht, pünktlich zu sein“, sagt Unger rückblickend. „Allerdings hatten wir wenig Ressourcen, ein kleines Team und wenig Erfahrung.“

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Neben der Crowdfunding-Kampagne bekam das Startup nach Angaben der Gründerin auch Unterstützung von Business Angels und dem chinesischem Hardware-Accelerator Hax. Doch in den drei Jahren seit der Gründung hat das Team um Unger erst 360 Farmen verkauft. Wollen Menschen vielleicht gar keine Insekten züchten? Unger betont, Livinfarms habe in diesem Zeitraum andere Produkte wie Kochbücher verkauft. Und die Zeit des Hives werde noch kommen, ist sie sich sicher. „Die Annahme ist nicht riesengroß, da es eine neue Idee ist“, sagt Unger. „Es braucht Zeit, bis so etwas skaliert“

Artikelbild: Screenshot/Youtube; Bild im Text: Livinfarms

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