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Was die Deutschen wirklich über Food-Lieferdienste denken

Google-Suchanfragen verraten viel über ihre Nutzer. Wir haben ausgewertet, was die Deutschen über E-Food wissen wollen und welcher Lieferdienst am beliebtesten ist.

Bei der Google-Suche scheinen die Menschen am ehrlichsten zu sein. Das jedenfalls könnte man meinen, wenn man sich die Suchvorschläge anguckt, die Google seinen Nutzern präsentiert. Die Empfehlungen basieren dabei auch auf Inhalten, die häufig von anderen Personen gesucht werden. Tippt man etwa in das Google-Suchfeld „Wie vertusche” ein, schlägt einem die Suchmaschine als Fortsetzung des Satzes vor: „ich eine Affäre“, „ich eine Schwangerschaft“, „ich dass ich noch Jungfrau bin“, „ich eine Alkoholfahne“ und „meinen Bauch“. Das sind sie also, die Sorgen der Deutschen.

Auch bei anderen Themen lohnt ein Blick auf die Suchanfragen bei Google, zeigen sie doch zumindest grob, was die Menschen wissen wollen. Das Tool Google Trends bietet solche Auswertungen. Diese Darstellungen sind keine korrekten Marktanalysen, doch zeigen zumindest Trends und Entwicklungen auf. NGIN Food hat sich deshalb einmal genauer angeschaut, was die Deutschen zu den Lieferangeboten von frischen Lebensmitteln in Deutschland halten.

Blickt man auf die drei großen Lieferdienste Amazon Fresh, Bringmeister (Edeka) und den Lieferservice von Rewe, zeigt sich, dass deutsche Google-Nutzer im vergangenen Jahr am häufigsten nach dem Angebot des US-Konzerns suchen. Von allen deutschen Supermärkten geht Rewe das Thema E-Food zwar am ambitioniertesten an, jedoch wird nach dem Online-Supermarkt in diesem Vergleich am seltensten gesucht. Edekas Lieferdienst Bringmeister verzeichnet deutlich mehr Suchanfragen. 

Die meisten Google-Suchen verzeichnet allerdings ein Startup für sich. Das niederländische Unternehmen Picnic, das im Frühjahr auch in Deutschland startete, verzeichnet konstant eine höhere Zahl von Suchanfragen als die etablierten Konkurrenten. Es ist allerdings nicht auszuschließen, dass hier auch Versuche einfließen, mit missglückter Rechtschreibung etwas über das Picknick im Freien zu erfahren.

Auffällig ist, dass die Suchanfragen zu den Angeboten von Rewe und von Edeka relativ konstant sind. Dass etwas Bringmeister in Berlin vor Weihnachten 2017 von der Nachfrage überfordert war, spiegelt sich in den Suchanfragen nicht wider. Amazon Fresh verzeichnete einen Peak Anfang November, als der Service in München startete.

Bei allen Daten muss zudem berücksichtigt werden, dass die hier abgebildeten Graphen keine absoluten Zahlen zeigen, sondern das Verhältnis der Anzahl der Suchanfragen zueinander. Die höchste Zahl der Suchanfragen (Picnic, am 1. Oktober 2017) wird als Wert 100 festgelegt. Daran werden die anderen Suchanfragen anteilhaft dargestellt.

Mit Blick auf die regionale Verteilung der Suchanfragen nach den Lieferservices der drei großen Konzerne Rewe, Edeka und Amazon liegt der US-Händler weit vorne. Nur in Berlin und Brandenburg wird Bringmeister am häufigsten gegoogelt.

Um allerdings ein Gefühl dafür zu bekommen, welche Relevanz das Thema Food-Lieferungen für die Kunden hat, lohnt ein Vergleich der Suchanfragen nach den Supermärkten selbst und ihren Lieferservices. Er zeigt, dass das Interesse der Kunden an den Lieferdiensten der Supermärkte im Vergleich zum Interesse an den Märkten selbst noch relativ gering ist.

Und die kleineren Liefer-Startups? Im Vergleich zwischen AllYouNeedFresh, MyEnso und GetNow verzeichnet AllYouNeedFresh die höhere Zahl der Google-Suchanfragen. MyEnso aus Bremen und GetNow, das mit Metro zusammenarbeitet, werden in etwa gleich häufig gesucht.

Der Wettkampf der Lieferdienste und Supermärkte um die Marktführerschaft beim Thema E-Food hat erst in den vergangenen Jahren Fahrt aufgenommen. Der Markteintritt von Amazon Fresh in Deutschland etwa hat die Bewegung beschleunigt. Dass auch das Interesse der Kunden sich erst langsam steigerte, zeigt die folgende Grafik. Die Auswertung zeigt, dass die Suche nach dem Begriff „Lebensmittel liefern“ in den vergangenen zehn Jahren angestiegen ist.

Die Funktion, dass Google die eingegebene Suche mit Vorschlägen vervollständigt, fördert bei den Suchbegriffen „Lebensmittel liefern lassen“ übrigens unter anderem die Worte „Lidl“ und „heute“ zutage. Das könnte darauf hindeuten, dass die Nachfrage nach einer Same-Day-Delivery besteht. Und entgegen der Konzernstrategie würde ein Lidl-Onlineshop mit Lebensmitteln offenbar auf Abnehmer stoßen.

Bild: Bringmeister

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