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Lieferando und Lieferheld dementieren Fusionspläne

Lieferdienste verbrennen Unsummen für Marketing, denn bislang ist wohl nur der Stärkste profitabel. Jüngsten Fusionsphantasien wird nun eine Absage erteilt.

Große Aufregung über eine mögliche Fusion der Essenslieferdienste Delivery Hero (Lieferheld, Foodora), und Takeaway (Lieferando) in Deutschland: Der Tagesspiegel hatte am Wochenende Takeaway-Gründer Jitse Groen mit den Worten zitiert: „In jedem großen Land der Welt kann es nur einen Anbieter geben.“ In dem Gespräch hatte Groen wohl auch einen Zusammenschluss mit Delivery Hero ins Gespräch gebracht.   

Im Gespräch mit Gründerszene und NGIN Food stellte Groen am Montag klar: „Ich habe gesagt, dass es in jedem Land nur Platz für einen Spieler gibt und dass die Konsolidierung in Deutschland eine Option ist. Ich habe das übrigens schon in den letzten drei Jahren gesagt.“ Auch sein Mitbewerber, Delivery-Hero-Chef Niklas Östberg, will von Fusionsplänen nichts wissen. „Wir gehen davon aus, dass es eine Konsolidierung in unserer Branche gibt", räumte er allerdings gegenüber der Wirtschaftswoche ein.

Ein Takeaway-Sprecher ruderte nach dem Vorpreschen seines CEO wortreich zurück, „unter bestimmten Möglichkeiten“, „irgendwann“ und „vielleicht“ könne eine Fusion zur Debatte stehen. Momentan sei das aber nicht der Fall.

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51 Millionen Euro für Marketing verbrannt

Fest steht: Lieferdienste verbrennen Unsummen, um die Vorherrschaft auf den margenschwachen nationalen Märkten zu sichern. Takeaway investierte im vergangenen Jahr 51 Millionen Euro in das Marketing nur für den deutschen Markt, wie Jitse Groen im Gespräch mit Gründerszene sagte. Dieser Einsatz habe seiner Plattform die Marktführerschaft beschert.

Diese wird von Delivery Hero angezweifelt – allerdings ohne konkrete Zahlen für Deutschland zu nennen. „In Deutschland machen wir mehr Aufträge und wir sind im zweiten und dritten Quartal 2017 schneller gewachsen als unser Hauptkonkurrent“, entgegnet ein Delivery-Hero-Sprecher. „Europa, wo Deutschland fast die Hälfte des Umsatzes erwirtschaftet, wuchs mit 46 Prozent im drittel Quartal 2017.“

Zehnmal jährlich Essen auf Rädern

Das Dilemma der Lieferdienste: Das Bestellvolumen stagniert seit Jahren bei durchschnittlich 20-24 Euro. Bestandskunden bestellen pro Jahr etwa zehn Mal Essen nach Hauses. „Das ist noch relativ wenig, denn die Menschen essen jeden Tag. Deshalb muss so viel Geld in das Marketing investiert werden“, hatte Groen im Gründerszene-Interview gesagt.

Fehlende Akzeptanz war für Takeaway auch der Grund, sich im Januar 2018 aus dem französischen Markt zurückzuziehen. „Die Menschen bestellen dort kein Essen. Frankreich ist im wesentlichen Paris, da gibt es an jeder Ecke gute Restaurants und in Südfrankreich ist das Wetter schön“, hatte Groen zum Liefermarkt des Nachbarlandes gesagt.

Die Aktien der Unternehmen reagierten mit Kurssprüngen auf die Spekulationen: Takeaway stiegt über das Wochenende von 46 auf 49 Euro, Delivery Hero legte von 33 auf 35 Euro zu, verlor dann aber wieder leicht an Wert.

Bild: Getty Images / Bernard Weil / Contributor

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