Trends, Innovationen und Digitales aus der Lebensmittelbranche

Wie viel Digitalisierung steckt hinter Lidls Joboffensive in Berlin?

Der Discounter wirbt in Berlin und Brandenburg damit, 1.000 neue Stellen besetzen zu wollen. Was sind das für Jobs? Und was sagen sie über Lidls Strategie aus?

Lidl arbeitet mit Hochdruck daran, sein fades Discounter-Image abzulegen. Und das nicht nur in der Kommunikation mit dem Kunden, sondern auch mit potentiellen Mitarbeitern. In Berlin und Brandenburg macht Lidl seit Anfang des Monats mit großflächigen Werbeplakaten auf eine neue Joboffensive aufmerksam. „Worauf wartest du? Auf nen Job beim BER?“ ist dort beispielsweise geschrieben. 1.000 neue Stellen will das Unternehmen der Schwarz-Gruppe besetzen. Viele davon im digitalen Bereich. NGIN Food hat nachgefragt, um was für Positionen es sich dabei handelt.

Dieses und weitere Plakate hängen in Berlin aus

Welche Stellen gibt es im digitalen Bereich?

Lidl hat zwar kaum noch Lebensmittel im Online-Shop, doch auch der Versand von Non-Food will gepflegt werden. Für welche digitalen Bereiche werden also neue Mitarbeiter gesucht? „Es handelt sich sowohl um Stellen für unsere Logistikstandorte als auch für unsere IT-Abteilung, unseren Kochboxenanbieter Kochzauber, unser Lidl-Reisen-Team und unseren Kundenservice“, teilt Lidl dazu mit. Wie viele der 1.000 Jobs im Digitalen entstehen, will Lidl auf Anfrage nicht im Detail mitteilen. Lediglich von „mehreren hundert Stellen“ ist die Rede.

Eine Suche auf der Jobbörse von Lidl Digital ergibt 103 offene Stellen, davon 43 in Berlin und Brandenburg. Demnach will die Digital-Sparte künftig neue Mitarbeiter unter anderem im Supply Chain Management, in der Datenanalyse und für die Entwicklung einer E-Commerce-App einstellen. Insgesamt hat der Discounter im Berliner Raum jedoch deutlich mehr als 1.000 Jobs offeriert, der Großteil im Verkauf.  

Warum gerade in Berlin und Brandenburg?

„Berlin ist deutschlandweit einer der wichtigsten Standorte für digitale Innovationen“, antwortet Lidl auf diese Frage. „Daher ist es für uns der ideale Ausgangsort, um Kolleginnen und Kollegen im IT-Bereich und insbesondere im Entwicklerumfeld für uns zu gewinnen.“ In der Tat ist es für einige Lebensmittelunternehmen ein Problem, Nachwuchs zu finden, da viele nicht in Großstädten angesiedelt sind. Auch die Lidl-Zentrale im baden-württembergischen Neckarsulm dürfte für viele Interessenten nicht der attraktivste Standort sein. Doch auch hier sucht der Discounter neue Mitarbeiter und wie der Konzern selbst mitteilt, könnte es auch in anderen Bundesländern bald neue Positionen geben. 

Wie hoch ist das Gehalt?

Zu den Gehältern im digitalen Bereich macht Lidl keine detaillierten Angaben, wirft lediglich ein, man garantiere „allen Mitarbeitern eine attraktive Vergütung“. Jens Urich, Geschäftsleiter Personal von Lidl Deutschland, verspricht den Neuen „eine übertarifliche Bezahlung, eine Festanstellung sowie tolle Entwicklungs- und Aufstiegschancen“.

Auf einmal ist Lidl beim E-Commerce das Maß der Dinge

In der deutschen E-Food-Landschaft ist Lidl nicht präsent. Dennoch plant der Discounter, 2018 eine Milliarde Euro online umzusetzen. Wo kommt das Geld her?

Im nicht-digitalen Bereich gibt sich Lidl weniger zugeknöpft. So wirbt das Unternehmen in der Pressemitteilung damit, dass Filialleiter bis zu 4.300 Euro im Monat zuzüglich Urlaubs- und Weihnachtsgeld erhalten. Einen Dienstwagen, der auch zur Privatnutzung zur Verfügung steht, gebe es ebenfalls dazu. Gehalt.de schätzt das Jahreseinkommen auf eine ausgeschriebene Stelle als iOS-Developer für die Lidl-App im Bereich zwischen 56.000 und 77.000 Euro im Jahr. 

Was sagt das über Lidls Online-Strategie aus?

Tatsächlich scheint Lidl sein Team im Bereich E-Commerce massiv erweitern zu wollen. Von Entwicklern bis hin zu IT Consultants sucht der Discounter Experten für die Digitalisierung. Ob damit allerdings neue Projekte angestoßen werden sollen, lässt sich aus den Stellenausschreibungen nicht entnehmen. Lidl selbst teilt dazu nichts konkretes mit. Es ist zu erwarten, dass die App Lidl Plus weiter ausgebaut wird. Sie bietet dem Kunden mehr Funktionen als die bisherige App, neu sind etwa spezielle Rabatte und ein elektronischer Kassenbon. Zunächst soll sie in Spanien und Österreich gelauncht werden, ein Rollout in andere Länder ist geplant. Sitzen die neuen Programmierer bei Lidl schon daran, Lidl Plus auch nach Deutschland zu bringen? Für App-Programmierer hat der Discounter zumindest Stellen ausgeschrieben.

Auch wenn es zwar keine Lebensmittel im Lidl-Onlineshop gibt, ist E-Commerce zu einem wichtigen Pfeiler im Geschäftsmodell des Discounters geworden. 2018 soll online eine Milliarde Euro umgesetzt werden – prozentual trägt der Onlinehandel bei Lidl damit mehr zum Gesamtumsatz bei als bei der Konkurrenz. 

Bilder: Getty Images / JUSTIN TALLIS / Contributor, Lidl

 

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