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Wie zwei Gründerinnen ihr teures Lebkuchen-Geschäft aufbauen wollen

Von der Unternehmensberatung ins Food-Business: Zwei Gründerinnen verkaufen Lebkuchen nach einem 130 Jahre alten Rezept – und wollen trotzdem modern sein.

Es gibt Startups, die wollen den Haferbrei neu erfinden oder die uralte Rezeptur eines Magenbitters revolutionieren. Das Startup von Alexandra Vázquez Bea und Annette Rieger macht das Gegenteil: Die Cousinen aus Niedersachsen verkaufen Lebkuchen nach dem Rezept ihrer Urgroßmutter – und das hat sich seit 130 Jahren nicht geändert.

Die Idee für ihr Unternehmen Lenchen Lebkuchen sei zufällig entstanden: Wie in jedem Winter hätte Riegers Mutter Lebkuchen gebacken und privat an Hotels in der Umgebung verkauft. Die hätten die Küchlein als regionales Produkt an ihre Gäste verschenkt. Dann habe plötzlich Edeka angefragt, erzählt Vázquez Bea: Der Supermarkt habe die Lebkuchen in sein Regional-Sortiment aufnehmen wollen.

Ohne Bäckermeister kein Gebäck-Startup

Die Cousinen hätten sofort ins Lebkuchengeschäft einsteigen wollen, doch: Backprodukte dürfe man nur verkaufen, wenn sie ein Bäcker oder Konditormeister herstellt, sagt Vázquez Bea. Sie selbst ist ehemalige Unternehmensberaterin, Rieger Projektmanagerin. Die Kooperation mit Edeka sei daher nicht zustande gekommen, trotzdem sei die Anfrage des Supermarktes der Startschuss für Lenchen Lebkuchen gewesen. Vázquez Bea und ihre Cousine hätten eine GmbH gegründet und den Konditormeister einer Hannoverschen Bäckerei angeheuert, erzählt sie. 

Die Handarbeit verursache hohe Personalkosten, sagt die Gründerin. Zudem seien die Zutaten teuer – etwa Walnüsse aus Frankreich, die hochwertiger seien als die kalifornischen. Damit rechtfertigt sie den hohen Verkaufspreis, der bei 7,80 Euro pro Vierer-Schachtel liegt.

Die Luxus-Lebkuchen im Würfelformat

Die Luxus-Lebkuchen im Würfelformat

Der teure Preis zielt auf eine bestimmte Kundengruppe ab: Man wolle sich an Personen richten, „die fest im Beruf stehen und transparente Produkte schätzen“, sagt Vázquez Bea. Derzeit liege der Schwerpunkt aber auf dem B2B-Geschäft mit Hotels und Unternehmen, Preisanpassungen gebe es für diese Kunden laut Gründerin nicht. Weiterhin würden die Produkte auf Messen vertrieben, Ende Oktober solle der Onlineshop des Unternehmens launchen.

Reine Handarbeit kann langfristig nicht funktionieren

Etwa 10.000 Packungen Lebkuchen hätten die Cousinen seit dem Start Ende 2016 verkauft. Ihr Konditormeister könne maximal eine Million Küchlein pro Weihnachtssaison backen. Heißt: „Wenn wir expandieren wollen, müssten wir Teile der Produktion Maschinen überlassen“, sagt Vázquez Bea. Es seien etwa schon Anfragen aus China gekommen.

Für die Expansion ins Ausland würden die Gründerinnen die Unterstützung eines Investors benötigen. Bisher hätten Vázquez Bea und Rieger ihr Startup durch einen KfW-Kredit finanziert, doch ein Investment ziehe man nun in Erwägung, sagt Vázquez Bea.

Doch kauft überhaupt jemand die Produkte, wenn nicht gerade Weihnachten ansteht? Die Gründerinnen jedenfalls wollen Kunden davon überzeugen, dass sie Lebkuchen das ganze Jahr lang essen sollten: So seien etwa Valentinstags-, Oster- oder Sommer-Editionen geplant.

Bild: Lenchen Lebkuchen

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