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Drei Startups gegen Lebensmittelverschwendung sammeln Millionen ein

Es ist die Woche der Food-Waste-Startups: Mehr als 20 Millionen US-Dollar flossen in den vergangenen Tagen in Unternehmen, die Lebensmittel retten wollen.

Ihre Firmensitze trennen teils mehrere Tausend Kilometer. Doch die Startups Full Harvest, Goodr und Karma haben zwei Gemeinsamkeiten: Alle drei kämpfen gegen Lebensmittelverschwendung. Und alle drei haben in dieser Woche eine Millionen-Finanzierung erhalten. 

Zunächst zu Full Harvest. Das Startup aus San Francisco versucht, für Obst und Gemüse, das nicht den ästhetischen Ansprüchen der Verbraucher entspricht, eine Verwendung zu finden. Dafür baut es eine Plattform auf, die Bauern und Lebensmittelproduzenten vernetzen soll. Hier sollen Produzenten, für deren Produkt es egal ist, wie das Obst aussieht, optisch mangelhafte Ware ordern können. Ein möglicher Abnehmer wären etwa Saftproduzenten. Nach den Vorstellungen von Full Harvest könnten diese damit sogar Kosten einsparen, weil das mangelhafte Gemüse günstiger sein soll als die bisher verwendete Ware. 

Für diese Idee hat das Startup nun 8,5 Millionen US-Dollar erhalten. Die Finanzierungsrunde wird vom Risikokapitalgeber Spark Capital angeführt. Full Harvest gibt es bereits seit 2015. Bisher hatten die Gründer nur Investments in Höhe von rund zwei Millionen US-Dollar erhalten. Mit der neuen Runde soll der Service nun ausgebaut werden. 

Das Stockholmer Startup Karma wurde ebenfalls vor rund drei Jahren gegründet und vertritt einen ähnlichen Ansatz im Kampf gegen Food-Waste. Auch Karma bietet eine Plattform. Hier sollen allerdings Restaurants und Supermärkte mit dem Endverbraucher vernetzt werden. Kunden können bei dem Startup Ware erwerben, die am Tag nicht verkauft und andernfalls weggeschmissen werden würde.

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Zwölf Millionen US-Dollar sammelte Karma nun in einer Finanzierungsrunde ein, die von dem US-VC Bessemer Venture Partner angeführt wurde. Damit ist das Unternehmen insgesamt bereits mit 18 Millionen finanziert. Das schwedische Startup ist auch in London aktiv. Insgesamt hat es laut Techcrunch rund 350.000 registrierte Nutzer und arbeitet mit circa 1500 Restaurants, Hotels und Supermärkten zusammen.

Das Trio der frisch finanzierten Food-Waste-Startups dieser Woche komplettiert Goodr. Das US-Startup kommt aus Atlanta und hat 1,25 Millionen US-Dollar eingesammelt. Bei dieser Plattform geht es darum, überschüssiges Essen aus großen Firmen an Bedürftige weiterzuleiten. Bisher gehören Flughäfen und Kongresszentren aus der Region zu den Firmen, die Lebensmittel zur Verfügung stellen. Mit dem frischen Geld soll der Service auf das ganze Land ausgeweitet werden. Goodr hat eine App und arbeitet mit der Blockchain-Technologie, sodass beide Seiten transparent einsehen können, wo das Essen gelandet ist. 

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Lebensmittelverschwendung ist für viele Startups auch in Deutschland ein Thema. In Berlin etwa sorgte Mealsaver dafür, dass überschüssiges Essen aus Restaurants abends günstiger verkauft wird, bis sich das Startup Anfang dieses Jahres mit dem finnischen Konkurrenten ResQ Club zusammentat.  Für viel Aufsehen sorgte auch das dänische Startup Too Good To Go, das ein ähnliches Konzept verfolgt und in der Fernsehsendung Die Höhle der Löwen kurz vor dem Rekordinvestment von einer Million Euro stand. Die Münchener Gründer von Etepetete wiederum versuchen ebenfalls, optisch mangelhaftes Gemüse zu verkaufen.

Im Bereich Logistik ist das Karlsruher Unternehmen Blue Yonder ein großer Player geworden, das mit Künstlicher Intelligenz gegen Lebensmittelverschwendung in Supermärkten vorgeht. Es bietet eine Technologie, die erkennt, wann Lebensmittel nicht mehr haltbar sind. So können die Verkäufer ihre Bestellmengen der Nachfrage besser anpassen. 

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Bild: Getty Images / Justin Sullivan / Staff

 

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