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Diese Gründer wollen mit Tellern aus Laub Plastik ablösen

Das Startup Leaf Republic macht Laubblätter zu Einwegtellern – eine nachhaltige Alternative zu Plastik und Pappe. Dem Gründer reicht das aber noch lange nicht.

Pedram Zolgadri ist überzeugt von drei Dingen. Erstens: Die Welt braucht eine Alternative zu Plastik. Zweitens: Waldrodung muss gestoppt werden. Und drittens: Er hat die Lösung für beides gefunden. „Das ist ein Rohstoff, den die Welt braucht!“, sagt er und meint damit die Blätter einer asiatischen Schlingpflanze. Zolgadri hat herausgefunden, dass man daraus Zellstoff gewinnen kann – der Stoff, aus dem etwa Drucker- und Klopapier hergestellt und für den normalerweise Bäume gefällt werden. Außerdem lasse sich daraus sogar Kunststoff herstellen. „Wir haben das erste abbaubare Cellophan der Welt entwickelt – kristallklares Plastik aus Laubblättern!“, sagt Zolgadri nachdrücklich.

Mit der Überzeugungsarbeit vor Investoren hat es bisher trotzdem nicht geklappt. Er habe seinen Zellstoff bei Bayer, Mercedes und Audi, bei Papierfabriken und Verbänden vorgestellt, so Zolgadri. „Niemand hat sich für uns interessiert“. Mit seinem Startup Leaf Republic, das er 2013 zusammen mit Carolin Fiechter gegründet hat, nutzt er die asiatischen Blätter daher jetzt erst einmal anderweitig: Er stellt daraus Einweg-Geschirr her. Dafür eignet sich der Rohstoff nämlich ebenso gut. „Die Blätter sind biegbar und nach der Trocknung, Pressung und Formung immer noch grün“, erklärt der Gründer. Und: Das Blättergeschirr ist zu 100 Prozent abbaubar.

Thailand-München-Venezuela: Der Weg eines Laubblattes

Dafür ist der ökologische Fußabdruck, den die Produktion der Teller hinterlässt, groß. Das Laub wird auf Plantagen in Chiang Mai, Bangladesch, Nepal, Sri Lanka und Indien gepflückt, in München zu Geschirr verarbeitet und anschließend in 52 Länder exportiert, darunter Südkorea, Chile und Venezuela. Kürzlich habe man sogar eine Fuhre auf die Malediven geschickt.

So sieht das Laub-Geschirr aus.

So sieht das Laub-Geschirr aus.

Der Gründer weiß, wie das klingt. „Ja, es stimmt, der Nachhaltigkeitsgedanke ist schwierig“. Derzeit gebe es keine andere Lösung: Heimisches Laub eigne sich nicht für die Herstellung seines Einweg-Geschirrs. Und die Produktion müsse derzeit in Deutschland stattfinden, „um das Verfahren und die Werkzeuge zu entwickeln“. Später soll ein weiteres Werk in in Asien errichtet werden, wo die Personalkosten deutlich geringer sind. Der Verkaufspreis der Ware soll dann sinken. Die Fabrik in Deutschland will Zolgadri trotzdem behalten – einige Kunden würden stark auf das „Made in Germany“-Siegel achten und dafür einen höheren Preis in Kauf nehmen.

Nur acht Prozent des Umsatzes in der DACH-Region

Derzeit sind die Teller zwischen fünf und 60 Cent pro Stück bei Aldi Süd und auf Amazon erhältlich. Mit Rewe und Metro sei man „in Verhandlung“. Im Ausland läuft der Vertrieb über dort ansässige Händler. Damit verdient das Startup den Großteil seines Geldes: „92 Prozent des Umsatzes erzielen wir außerhalb der DACH-Region“, sagt Zolgadri. Als Grund gibt er an, Deutschland sei in Sachen Umweltschutz schon wesentlich weiter als etwa Südamerika oder Asien. „In anderen Länder ist die Problematik größer. Da freuen sich die Leute richtig, wenn man ihnen eine Möglichkeit gibt, umweltbewusst zu handeln“.

Insbesondere bei Foodtrucks und Restaurants finden die Blatt-Teller Anklang. Das liege am Aussehen der Produkte: „Wenn die Kunden Essen auf einem unserer Teller serviert bekommen, sehen und fühlen sie, dass er aus Laubblatt besteht“, erklärt Zolgadri. „Genau deswegen sind wir erfolgreich!“. Ein grüner Teller in Blatt-Optik habe nunmal mehr Ausstrahlung als etwa Geschirr aus Zuckerrohr. Das ist auch abbaubar, ähnelt optisch aber Pappe. Nachhaltige Einweg-Teller gibt es zudem auch aus Bambus, etwa von Leef aus Berlin.

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750.000 Blatt-Teller würden pro Monat produziert, sagt Zolgadri. In drei Jahren sollen es 80 Millionen sein. Schwarze Zahlen schreibt Leaf Republic noch nicht, derzeit ist die Firma auf Investoren angewiesen. Mehrere Business Angels und Family Offices sind beteiligt. Durch die TV-Show Das Ding des Jahres, bei der es das Startup Anfang 2018 bis ins Finale geschafft hatte, habe man die Aufmerksamkeit weiterer Geldgeber auf sich gezogen, sagt Zolgadri. So habe ein chinesischer Investor danach Interesse an Leaf Republic gezeigt. Ob der Deal zustande kommt, ist noch unklar. Umweltlösungen würden in China aber „verzweifelt gesucht“.

Bild: Leaf Republic

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