Trends, Innovationen und Digitales aus der Lebensmittelbranche

„Der Bruch zwischen Mitarbeitern und Geschäftsführung war riesig“

Wo findet ihr heute gute Mitarbeiter? Eure Firma ist ja trotz des Wachstums immer noch klein.

Costa: Wir rufen in den sozialen Netzwerken auf, dass sich Fachkräfte bei uns bewerben sollen. Das machen wir dann bei denjenigen, die Koro eh schon gut finden. Wir schreiben auch auf den gängigen Jobportalen aus, da ist die Rate der richtig guten Bewerber aber klein. Die bekommen wir eher über Kontakte. 

Woher wisst ihr, dass die fähig sind?

Piran: Wenn einer gute Noten hat, hat er über eine längere Zeit Fleiss gezeigt, das ist uns wichtig. Ansonsten gucken wir, ob die Leute Koro kennen und ob sie richtig Lust auf die Firma und ihre Produkte haben. Sie müssen eine große Motivation mitbringen. Ab und zu stellen wir auch ein paar klassische Bewerbungsfragen.

Zum Beispiel?

Piran: Wie viele Hunde gibt es in Deutschland? Die Antwort kennt kaum jemand, aber es ist schon interessant zu hören, wie sich manche Bewerber den Weg dahin ableiten.

Costa: Ein gutes Bauchgefühl ist sehr wichtig. Wenn ich merke, dass ich schon beim Bewerbungsgespräch nicht gut mit ihm sprechen kann, gehe ich davon aus, dass wir das auch später im Büro nicht können. 

Wie würdet ihr eure Fähigkeiten als Führungskräfte einschätzen?

Piran: Ehrlich gesagt kennen wir keine anderen Chefs als uns. Wir sind ja gleich nach dem Studium zu Koro gekommen. Ich glaube, dass wir mittlerweile im Schnitt deutlich bessere Führungskräfte als noch vor ein paar Jahren sind. Aber wir haben immer noch gute und schlechtere Tage. 

Costa: Ausbaufähig sind wir. Das Wichtigste ist, dass wir aus unseren Fehler lernen. Das habe ich früher nicht so reflektiert gemacht wie heute. Wir sprechen viel zu zweit darüber. Perfekt ist man glaube ich nie als Chef, aber wir sind nicht mehr schlecht. Auf jeden Fall sind wir beide krass unterschiedlich. Wir haben nicht nur ein anderes Leben, sondern auch einen ganz unterschiedlichen Charakter. Ich bin eher der Mensch, der bei Konflikten ein bisschen aufbrausend reagiert. Ich kann ziemlich gut fluchen. Piran bleibt meistens ruhig. Wir ergänzen uns eigentlich ganz gut.

Piran: Ich finde, es ist ein Riesenplus bei dir, dass du Probleme offen ansprichst. Du kannst auf den Tisch hauen und sagen, wie es ist. Ich mache das viel seltener. Ich bin dagegen sehr leistungsorientiert, schaue immer auf die Ergebnisse und versuche, mit den Mitarbeitern möglichst objektiv zu kommunizieren. Aber wenn es um den Einkauf oder so geht, also um Herzensangelegenheiten, kann ich auch ein bisschen deutlicher werden.

Wie regelt ihr Konflikte, die ihr miteinander habt?

Costa: Mit viel Selbstdisziplin und Vertrauen in den anderen. Das Wichtigste ist, dass Piran und ich uns nicht zerstreiten. Das ist die Grundlage der Firma. Es kam vor, dass sich Mitarbeiter bei mir über Piran beschwert haben. Ich hab ihnen gesagt: Hört mal zu, so geht das nicht. Was erwartet ihr jetzt von mir? Soll ich gegen Piran sprechen, meinen Partner? Das kann ich nicht. Trotz aller Unterschiede würde ich uns als Team nie infrage stellen. 

Piran: Ich seh das genau so. Wir müssen jeden Konflikt klären, sonst haben wir das immer im Hinterkopf und können nicht produktiv weiterarbeiten. Am Ende entschuldigen wir uns nach einem Streit immer beide. Ich habe da glaube ich auch dazu gelernt. Wenn Costa früher etwas falsch gemacht hat, war ich schnell sauer auf ihn. Ich dachte mir, ist der doof, warum macht der dies und jenes. Ich war nicht sehr tolerant. Heute weiß ich: Es bringt nichts, wenn man so denkt. Das ist nicht produktiv. 

Costa: Es hilft ja auch, die eigenen Fehler zu sehen. Ich glaube, ich bin dank Piran besonnener geworden. Früher habe ich noch viel mehr geflucht als heute. Jetzt fluche ich nur noch auf Griechisch, damit Piran mich nicht versteht.

Bild: Chris Marxen

Folge NGIN Food auf:

In Kooperation mit
amplifypixel.outbrain