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Die misslungene Metro-Kampagne gegen die Startup-Szene

In einer Kampange prangert die Metro schlechte Startups-Jobs an. Offenbar hat der Konzern vergessen, wie er jahrelang verzweifelt um die Gunst der Szene gebuhlt hat.

Die gewünschte Aufmerksamkeit in der Tech-Szene hat der biedere Konzern aus Düsseldorf bekommen. Seit einigen Wochen prangert die Metro mit ihrer Kampagne #TakeTheExit die schlechten Arbeitsbedingungen in Startups an. Mit Plakaten hat sie U-Bahn-Stationen in Berlin zugepflastert und mit ihren Slogans die sozialen Medien geflutet. Der Konzern hofft so unter der Marke Metromom, Entwickler aus der Startup-Szene abwerben zu können. Ein verständliches Ziel, schließlich sind gute Techies Mangelware. 

Die Kampagne ist gut gemacht, keine Frage, sie regt zum Nachdenken an. Zu lange Arbeitswochen sind in der Startup-Welt tatsächlich an der Tagesordnung. Und ein Berufsanfänger wird schon öfter mal mit einem Kicker, Obstkorb und kostenloser Club Mate gelockt – und sieht dann über die miserable Bezahlung hinweg. Diese Diskussion muss geführt werden. Doch ist die Metro wirklich der richtige Absender einer Kampagne für bessere Arbeitsbedingungen? Darf sie plötzlich mit dem erhobenen Zeigefinger wedeln?

Wohl kaum. Seit Jahren scharwenzelt Metro-Chef Olaf Koch um junge Unternehmen herum. Es gibt einen eigenen Accelerator und mehrere Förderprogramme, der Konzern investiert in junge Unternehmen wie den Payment-Anbieter Orderbird. Er wird nicht müde, die Chancen der Jungfirmen zu unterstreichen. So zog Koch vor zwei Jahren sogar seine „dunkelblauen Sneakers mit trendig-weißer Sohle“ an (Handelsblatt), um an der US-Ostküste von Startups zu lernen. Er wolle „eine Brücke schlagen zwischen Startups und der traditionellen Lebensmittel- und Elektronikbranche im Handel“, diktierte er den Journalisten damals in den Block. Alles war rosarot – von schlimmen Arbeitsbedingungen nahm er sicherlich nichts mit von seiner Studienreise. Auch das Thema kam sonst nicht zur Sprache.


Und so entpuppt sich die plötzliche Kehrtwende vor allem als misslungene Recruiting-Aktion. Die Metro wird am Ende merken, dass sie Entwickler nur anlocken und langfristig binden kann, wenn sie ihnen Gestaltungsspielraum einräumt. Das muss sie interessierten Entwicklern nun beweisen. So lange ihre Mitarbeiter an Konzern-Hierarchien verzweifeln, können das auch keine vermeintlich guten Arbeitsbedingungen ausgleichen. Denn: Auch ein Nine-to-Five-Job mit Lochkarte kann zum Albtraum werden.

Metro bestätigt, hinter Kampagne gegen schlechte Startup-Jobs zu stecken

Der Konzern zieht seine IT-Abteilung neu auf und sucht dafür Entwickler. In der Startup-Szene kommt die Werbeaktion #TakeTheExit dafür nicht bei allen gut an.

Bild: Screenshot TakeTheExit.de

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