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„Wenn du dich für dein erstes Produkt nicht schämst, dann warst du zu langsam“

Keleya will werdende Mütter während der Schwangerschaft in Sachen Fitness und Ernährung betreuen. Die Beta-Version der App war nach nur einem Monat auf dem Markt.

Im Internet finden sich zahlreiche Tipps für eine ausgewogene Ernährung und ausreichend Bewegung während der Schwangerschaft. Allerdings trifft nicht jeder Ratschlag auf jede Frau zu. Das Gründungs-Trio um Victoria Engelhardt, Sarah Müggenburg und Alexander Leuchte hat daher den digitalen Gesundheits-Coach Keleya für junge und werdende Mütter entwickelt. Die App liefert ein individuelles Video-Coaching-Programm, das Menüplan und Fitnessübungen an die Bedürfnisse der schwangeren Nutzer anpasst.

Fest stand die Idee im Mai 2017, bereits Ende Juni erschien die Beta-Version, mit der die Gründer ihre ersten zahlenden Kundinnen generieren konnten. Im September 2017 erhielten die Gründer ihr erstes Seed-Investment. Die Digital-Unit des Versicherers Wüstenrot & Württembergische steckte einen sechsstelligen Betrag in das Berliner Startup. 

Alexander und Victoria, wie ist die Idee zu Keleya entstanden?

Victoria: Eine meiner besten Freundinnen ist schwanger geworden und litt während ihrer Schwangerschaft an jedem Symptom, das man als werdende Mutter haben kann. Daraufhin haben Alex und ich gemeinsam nach existierenden Lösungen auf dem Markt gesucht, mit 30 Schwangeren und Ärzten gesprochen und dabei festgestellt, dass selbst im Jahr 2017 das Thema Schwangerschaft noch mit vielen Fragezeichen und Unsicherheiten verbunden ist.

Alexander: Also wollten wir eine einfache Lösung schaffen, die sich in den Alltag integrieren lässt und den Frauen dabei hilft, trotz Schwangerschaft weiterhin entspannt und fit zu bleiben. Über eine ehemalige Kollegin von mir haben wir dann Sarah gefunden, die bereits seit zwölf Jahre Yoga unterrichtet und unser Team perfekt ergänzt.

 

Wie habt ihr die Idee so schnell umsetzen können?

Alex: Wenn du dich für dein erstes Produkt nicht schämst, dann warst du zu langsam. Nach dieser Attitüde sind wir vorgegangen. Wir wollten ein Geschäftsmodell entwickeln, das tatsächlich Umsatz generiert und keine reine Vision bleibt, die vielleicht irgendwann mal Geld abwirft. Diese Vorgehensweise war für unseren Investor auch sicherlich nicht unerheblich.

Victoria: Der Prototyp sollte vorrangig dazu dienen, die Zahlungsbereitschaft von potenziellen Kundinnen zu testen.

Das habt ihr mit euren 53 ersten zahlenden Kundinnen auch erfolgreich gemeistert. Wie viele habt ihr denn heute, sechs Monate nach dem offiziellen Launch eurer App?

Alex: Aktuell haben wir dreistellig zahlende Kundinnen, mehr können wir dazu nicht sagen. Zahlend ist jede Kundin, die sich für unser Ein-, Zwei-, oder Drei-Monats-Abonnement entscheidet. Wichtig ist dabei, den Unterschied zu unseren anderen Userinnen im Kopf zu haben, die die App gratis testen oder getestet haben. Die Zahl dieser Nutzerinnen befindet sich im fünfstelligen Bereich.

Victoria: Das aber mit dem Hintergrund, dass wir bis dato nicht einmal 12.000 Euro Marketingbudget ausgegeben haben.

Wie viele zahlende Kundinnen strebt ihr für Ende 2018 an?

Victoria: Auf jeden Fall wollen wir eine hohe vierstellige Anzahl an Kundinnen generieren. Außerdem wollen wir das Produkt so weiterentwickeln, dass wir die Frau nicht nur während der Schwangerschaft begleiten, sondern erreichen, dass sie auch nach ihrer Entbindung bei uns bleibt. Wir wollen mit ihr mitwachsen.

Alex: Der Fantasie für unser Produkt sind keine Grenzen gesetzt – sowohl vertikal, horizontal als auch Feature-technisch. Ziel ist, ein Ökosystem für junge und werdende Mütter zu schaffen, um sie in dieser Zeit in sämtlichen Dimensionen abzuholen. Wir planen, im Sommer unsere nächste Investorenrunde einzusammeln, um unsere Ideen umsetzen, aktives Marketing angehen und das bestehende Produkt weiterentwickeln zu können.

Apps zum Thema Schwangerschaft sind allerdings nichts Neues. Was wollt ihr denn mit Keleya anders machen?

Alex: Es gibt einige Marktführer, allerdings bieten diese einen ,One Size Fits All Content'. Sie spiegeln primär ihre Webseiten in den Apps eins zu eins wieder und fügen nur wenige neue Features hinzu. Ihr Ziel ist es, Webseiten-Traffic zu generieren, um dort wiederum Ads schalten zu können. Der Content ist dann zwar auf die Schwangerschaftswoche bezogen, aber nicht individualisiert. Wir hingegen fokussieren uns auf die zwei Kernbereiche Fitness und Ernährung und kuratieren den Content so für unsere Kundin, wie sie ihn braucht.

Victoria: Wir sind eine Marke, die einen positiven Ansatz verfolgt. Wir wollen unserer Kundin nicht mit erhobenem Zeigefinger sagen, was sie alles nicht darf, sondern eine Freundin sein, die ihr Ratschläge gibt.

Das wollt ihr nicht nur für deutsche Frauen sein, denn seit drei Wochen seid ihr auch in anderen Ländern live.

Alex: Ja, wir testen stetig verschiedene Märkte an und sind auch bereits international tätig. Allerdings gibt es die Frau, die wir in Deutschland targeten, nicht auch eins zu eins in England. Daher müssen wir für andere Länder auch andere Personas bauen.

Foto: Keleya

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