Trends, Innovationen und Digitales aus der Lebensmittelbranche

„Katjesgreenfood hat eine Exotenrolle in den USA“

Die Beteiligungsgesellschaft von Katjes investiert nur in nachhaltige Food-Startups. Der VC sieht sich dafür immer mehr in den USA um. Warum, erklärt CEO Manon Littek.

Vom Berliner Stadtteil Mitte aus geht das dreiköpfige Team von Katjesgreenfood auf die Suche nach hippen Food-Startups. Seit August 2016 finanziert der VC junge Unternehmen aus der Branche. Die Schwester des Süßigkeitenherstellers Katjes verfolgt dabei eine strikte Firmenphilosophie: Der Berliner Investor beteiligt sich nur an Startups, deren Produkte nachhaltig und vor allem pflanzlich sind. Lebensmittel aus Insekten und In-Vitro-Fleisch schließt die Katjes-Schwester jedoch aus, so CEO Manon Littek. 

In vier deutsche Food-Startups hat Katjesgreenfood bisher investiert: die Hanf-Limo von Hemptastic, die vegane Supermarktkette Veganz, die Limonade aus Kaffeekirschen von Caté und das Porridge-Café Haferkater. Zwischen 200.000 und zwei Millionen Euro bekommt jedes der Startups vom VC. 

Im September kaufte die Beteiligungsgesellschaft erstmals Anteile an einem US-Startup. In einer Finanzierungsrunde steckte Katjesgreenfood Geld in die Firma Seven Sundays, die glutenfreies Müsli herstellt. Ein halbes Jahr später hat Katjesgreenfood sein Portfolio mit einer weiteren Marke aufgestockt: Bio-Backmischungen von Foodstirs – ebenfalls ein aus den USA, das unter anderem von der Schauspielerin Sarah Michelle Gellar gegründet wurde. 

Manon, die vergangenen beiden Beteiligungen von Katjesgreenfood waren US-Startups. Wie interessant sind die Vereinigten Staaten für euch?

Die USA sind der Leitmarkt für Food-Innovationen, Trends und neue Kategorien. Die Konsumenten passen sich Innovationen ganz anders an und sind offen für neue Konzepte. Deutschland ist natürlich unser Heimatmarkt. Katjesgreenfood ist aber nicht nur auf Deutschland fokussiert. Wir wollen unser US-Portfolio weiter ausbauen.

Warum hat sich Katjesgreenfood gerade für diese beiden Startups entschieden?

Alte Getreidesorten wie zum Beispiel Hafer erleben ein Revival – sowohl in Deutschland als auch in den USA. Müsli ist in Europa bereits seit langem etabliert, jedoch in den USA eine neue und schnell wachsende Kategorie. Seven Sundays ist die wachstumsstärkste US-Müsli-Marke. Dahinter steht ein Familienunternehmen, das die gleichen langfristigen Ziele wie Katjes verfolgt.

Und Foodstirs?

Der traditionelle US-Backwarenmarkt hat ein Volumen von knapp fünf Milliarden Dollar und wird von alten, verstaubten Marken dominiert. Viele Produkte sind allerdings nicht clean und voller Zusatzstoffe. Da setzt Foodstirs dagegen. Uns haben die innovativen Ansätze überzeugt wie beispielsweise ein Backset für Granola-Riegel oder Mug-Cakes in Kooperation mit Starbucks. Durch Sarah Michelle Gellar gibt es eine sehr starke Brand Awareness, was natürlich super ist.

 

Wie hat es Katjesgreenfood geschafft, die zwei US-Startups von sich als VC zu überzeugen?

Für beide Startups sind wir als strategischer Investor mit Food-Expertise spannend. Die Altinvestoren waren bisher Business-Angels und Finanzinvestoren. Wir haben als erster europäischer Investor natürlich eine Exotenrolle, bringen dadurch jedoch eine neue Perspektive ein und können andere Ratschläge geben. Langfristig kann man sicherlich über über eine globale Expansion nachdenken.

Auch nach Deutschland?

Langfristig können wir uns das gut vorstellen. Kurzfristig allerdings nicht. Der US-Markt ist groß und besitzt noch sehr viel Potenzial. 

Wie schafft man es, sich als deutscher VC auf dem US-Markt zu etablieren?

Wir haben das Privileg, dass die Katjes-Gruppe über Erfahrungen auf dem US-Markt verfügt. Katjesgreenfood hat natürlich nicht die gleichen Kontakte zu Einkäufern in den USA wie in Deutschland, aber das ist meistens nicht das Thema. Wir helfen den Beteiligungen daher vor Ort nicht operativ, sondern verstehen uns eher als Mentor und strategischer Sparringspartner. Je nachdem, welche Bedürfnisse das Unternehmen hat, bieten wir dort unsere Hilfe an. Wir wollen bewusst nicht die Kontrolle übernehmen und liegen bei fünf bis 20 Prozent Anteilen. 

Folge NGIN Food auf Facebook!

Unterscheiden sich eure Investments in US-Startups zu den deutschen Beteiligungen?

Im Heimatmarkt machen wir Seed- to Growth-Investments, da wir näher am Markt sind und uns vor Ort intensiver austauschen können. In den USA liegt unser Hauptfokus auf Series A-Finanzierungen.

Wie schwierig ist es denn, die beiden US-Startups aus der Ferne zu betreuen?

Die Board-Meetings finden quartalsweise statt. Wir versuchen, zwei Mal im Jahr physisch zusammenzusitzen; ansonsten besprechen wir viel über Skype. Dadurch, dass wir keine operativen Tätigkeiten für die Startups übernehmen, ist das okay.

Ursprünglich wollte sich Katjesgreenfood auch in anderen europäischen Ländern nach Startups umsehen. Was ist daraus geworden?

Wir sind da offen. Unsere Fokus-Märkte sind die DACH-Region und die USA. Es gibt aber ein, zwei Sachen, die wir uns gerade angucken, die außerhalb dieser Märkte liegen.

Bild: Katjesgreenfood

Folge NGIN Food auf:

In Kooperation mit
amplifypixel.outbrain