Trends, Innovationen und Digitales aus der Lebensmittelbranche

Ein Münchener Startup macht Wasser mit Fake-Geschmack

Joyce arbeitet an einer Flasche, die Wasser mit Aroma beduftet. Der Trinkende bildet sich dadurch Geschmack ein. Das Wasser selbst kommt ohne jegliche Zusätze aus.

Vor einigen Jahren hatte jede Mineralwassermarke, die etwas auf sich hält, Wasser mit Geschmackszusatz im Sortiment. Bilder von frischen Zitronen oder Äpfeln gaukelten dem Verbraucher vor, er habe es bei dem Getränk mit einem natürlichen Produkt zu tun – obwohl laut Stiftung Warentest in Wirklichkeit nur Kunstaromen enthalten waren. Solche Mineralwässer lagen kurzzeitig im Trend, seit 2014 ist die Zahl der Menschen, die die sie täglich trinken, aber zurückgegangen. Wohl auch, weil viele Sorten vor allem Zucker enthielten.

Auf Zutaten im Wasser wollen zwei Münchener Gründer bei ihrem Produkt gänzlichen verzichten. Trotzdem soll es nach etwas schmecken. Wie das geht? Ihre Flasche täuscht dem Trinkenden Geschmack vor. Dafür sorgt eine separate Aromakapsel im Deckel. So gelangt das Aroma beim Trinken nicht in den Mund, sondern strömt durch die Nase. Beim Ausatmen entsteht der Eindruck, das Wasser schmecke zum Beispiel nach Lavendel – tatsächlich trinkt man aber pures Leitungswasser.

Joyce-Mitgründerin Lena Jüngst erklärt das so: „Wenn man Lebensmittel zerkaut, werden Aromen freigesetzt, die im Rachenraum zu den Riechrezeptoren aufsteigen, dort als Geschmack interpretiert und durch die Nase ausgeatmet werden.“ Diesen Vorgang machen sich Jüngst und ihr Gründungspartner Tim Jäger für ihre Trinkflasche zunutze. Wasser und Luft werden angesaugt, letztere durch eine Aromakapsel hindurchgeführt, wo sie beduftet wird. Dieser Duft wird anschließend ausgeatmet und vermischt sich in der Wahrnehmung des Trinkenden mit dem Wasser im Mund. „Geschmack“ entsteht.

Zehn Liter Duft-Wasser pro Kapsel

Auf die Frage nach Patenten gibt Jüngst lediglich an, man sei „generell bestrebt, sich geistiges Eigentum schützen zu lassen“. Zusammen mit Kommilitone Jäger kam sie während ihres Produktdesign-Studiums auf die Idee zur Aroma-Flasche. Die beiden hätten sich mit dem Thema Sinneswahrnehmung auseinandergesetzt und in diesem Zuge „verschiedenste Dinge ausprobiert. Sicher nicht immer wahnsinnig gesund. Wir haben uns zum Beispiel Raumdüfte mit Strohhalmen durch die Nase gezogen“, so Jüngst. Die nun verwendeten Aromen seien gesundheitlich aber absolut unbedenklich, was Forscher der TU München und die amtliche Lebensmittelüberwachung bestätigten, heißt es.

Folge NGIN Food auf Facebook!

Eine Kapsel (Joyce nennt sie „Pods“) mit hochkonzentriertem, flüssigem Aroma, das mit der Zeit verdunstet, soll zehn Liter Wasser „beduften“ können und um die 30 Cent pro Liter Wasser kosten. Das natürliche Aroma werde allerdings nur aus Früchten und Pflanzen gewonnen. „Nichts, was im Labor oder der Chemieküche entsteht“, sagt sie. Theoretisch seien so aber auch außergewöhnliche Geschmacksrichtungen möglich, zum Beispiel Schokolade oder Milchreis.

Seit Oktober 2017 wird Joyce mit dem Exist-Stipendium gefördert. Zusätzlich sei man schon jetzt auf der Suche nach Investoren, sagt Jüngst. Denn noch ist die Flasche ein Prototyp. Bis zum kommenden September soll eine erste Kleinserie produzieren werden.

Bild: Elisabeth Neuhaus/Gründerszene

Folge NGIN Food auf:

In Kooperation mit
amplifypixel.outbrain