Trends, Innovationen und Digitales aus der Lebensmittelbranche

Iwice-Gründerin: „Ich war so sauer“

Erst kam das Food-Startup Iwice groß raus, dann brach alles sehr schnell zusammen. Die Gründer erzählen, wie ihr Fuckup während eines Urlaubs auf Mallorca begann.

Mit ihrem Startup Iwice wollten die Österreicher Johanna Köhler und Lukas Weinrich ein Protein-Eis für Sportler auf den Markt bringen. Doch schon am ersten Tag nach der Gründung begannen die Probleme.

Johanna, Lukas, ihr habt 2016 gegründet – und dann auf die harte Tour gelernt, wie schwer das sein kann. Was genau ist euch passiert?

Johanna: Wir haben neben dem Studium gegründet und lange gebraucht um unser Produkt auf die Beine zu stellen. Wir hatten Finanzierungen und staatliche Förderungen, super Feedback. Das erste kleine Tief war der Tag nach der Gründung unserer GmbH. Da sprang uns unser potenzieller Hersteller ab.

Ein Tag nach der Gründung? Guter Start!

Lukas: Ja, wir hatten die Kohle, aber als wir anriefen, hieß es: „Dieses Jahr nicht mehr. Nächstes Jahr können Sie noch mal anrufen.“ Es ging also gut los.

Johanna: Außerdem hatten wir uns im Sommer zuvor für „2 Minuten, 2 Millionen“, dem österreichischen Pendant zu DHDL, beworben. Schon vor der Gründung gab es eine TV-Aufzeichnung. Wir wussten, im April würde das ausgestrahlt werden. Wir hatten also Zeitdruck ...

Lukas: ... und kein Produkt mehr.

Johanna: Wir haben es trotzdem geschafft. Von Februar bis April haben wir das Produkt fertig gehabt, alles produziert, es konnte losgehen. Am Tag der Ausstrahlung gab es dann viel Aufmerksamkeit, viel Feedback. Am Abend der TV-Show meldete sich der Einkäufer der österreichischen Supermarktkette Spar. Kurze Zeit später hatten wir die nationale Listung unserer Produkte bei Spar Österreich und Iwice war damit quasi an jeder Ecke erhältlich. Es ging richtig, richtig gut los.

Lukas: Wir hatten viel kostenlose PR: Galileo hat bei uns gefilmt, Gründerszene hat berichtet, andere ebenso. VCs klopften bei uns an. Es lief. Es lief richtig gut. Und dann nahmen wir uns ein Wochenende frei. Mallorca.

Klingt, als wenn sich ein Drama anbahnen würde.

no images were found

Lukas: Wir saßen auf der Insel und uns erreichte ein Anruf: Die Gesundheitsbehörde stünde vor unserer Haustür in Klagenfurt. Wir hätten ein kleines Problem. Eine Stichprobe hätte eine Verunreinigung ergeben. Das Produkt müsste gesperrt werden.

Um was für eine Verunreinigung ging es?

Lukas: Es war eine Verunreinigung der Produkte, wo die Warnwerte überschritten waren – der Hersteller hatte ein Hygieneproblem. Also keine Salmonellen oder Ecoli, aber leider dennoch überschritten.

Johanna: Innerhalb eines Tages brach uns der komplette Vertrieb weg. Es war nicht nur eine Charge betroffen. Wir mussten alle Produkte zurückrufen. Es ging danach hin und her. Am Ende konnte uns der Hersteller die Produkte nicht liefern. Wir hatten die Zusage vom Handel, doch kein Eis zum Verkaufen.

Wieso hat der Produzent es nicht hingekriegt?


Johanna: Wir wissen es bis heute nicht genau.

Warum habt ihr nicht den Hersteller gewechselt?

Lukas: Haben wir versucht. Doch der Zeitdruck! Die Eissaison ist Ende September zu Ende. Es war nichts mehr zu machen.

Eiscreme für Fitness-Freaks

Das österreichische Startup Iwice stellt Eiscreme her, die einen besonders hohen Proteingehalt hat. Damit wollen sie Sportler zum Naschen verführen.

Ein verlorenes Jahr.

Lukas: Irgendwann stellte sich heraus: Der Hersteller war zahlungsunfähig. Er meldete Insolvenz an. All das Geld, das wir in der Seed-Runde hereingeholt hatten, war auf einen Schlag weg. Außerdem mussten wir den Schaden und die Vertragsstrafen, der uns beim Einzelhandel entstanden war, alleine tragen.

Wir hatten Listungen in Deutschland, die wir nicht bedienen konnten. Wir hatten keinen Hersteller mehr. Kein Produkt. Von Null auf Tausend und wieder zurück innerhalb von ein paar Wochen.

Ein paar Wochen nur?

Bild: Gründerszene

Folge NGIN Food auf:

In Kooperation mit
amplifypixel.outbrain