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Warum dieses Startup smarte Kräutergärten baut

In Zukunft wächst Salat nicht mehr auf dem Feld, sondern in smarten Glasschränken. Das Startup Infarm hat eine sogenannte Vertical-Farming-Technologie entwickelt.

Insgesamt 24 Millionen Euro hat das Berliner Startup Infarm seit der Gründung 2013 eingesammelt. Die israelischen Gründer Guy Galonska, sein Bruder Erez und dessen Partnerin Osnat Michaeli entwickeln in einem Hinterhof im Berliner Bezirk Kreuzberg Systeme intelligente Glaskästen, in denen Pflanzen unter natürlichen Bedingungen gedeihen sollen. 

Die Einheiten haben zahlreiche Sensoren, die kontinuierlich alle nötigen Parameter wie ph-Wert, Temperatur, Licht und Nährstoffdichte messen. Jede Farm sammelt dabei unentwegt Daten: Pro Lebenszyklus einer Pflanze sind das etwa 50.000 Datenpunkte. Die einzelnen Farmen sind außerdem über eine Cloud mit der zentralen Plattform von Infarm verbunden, sodass das Startup die Einheiten aus der Ferne kontrollieren kann. 50 dieser Indoor-Farmen stehen in Berliner Supermärkten, Restaurants und Lagerhäusern, darunter in Filialen von Edeka und Metro. Geldgeber haben gerade 20 Euro Millionen Euro in Infarm investiert. Das Startup will nun expandieren und bis Mitte 2019 insgesamt 1.000 vertikale Farmen über Europa verteilt betreiben.

NGIN Food hat Mitgründerin Osnat Michaeli getroffen und mit ihr über Vertical Farming gesprochen und über die Entscheidung, nach Berlin zu ziehen.  

Osnat, ihr baut automatisierte Farmen, die sich selber optimieren. Welche Aufgaben hat der Besitzer dann noch?

Sensible Prozesse wie das Bewässern oder die Anpassung der Temperatur laufen automatisch. Die sogenannten Infarmer müssen lediglich die Pflanzen säen und später ernten. Und das Design des Systems erlaubt eine tägliche Ernte.

Was ist der Vorteil an Vertical Farming?

Dadurch, dass wir das System in Form von Modulen anbieten, können wir die Farmen an jedem Standort aufbauen, ohne dass wir Qualität oder Leistungsfähigkeit einbüßen. Selbst, wenn wir mehrere Einheiten miteinander verbinden, ist jede Farm ein eigenes Ökosystem. So können an nur einem Standort hunderte Pflanzensorten angebaut werden, anstatt eine Monokultur zu bewirtschaften.

Wird es Infarm also auch für Privatkunden geben?

Noch nicht. 

Warum sollten sich Restaurants und Supermärkte für diese Technologie entscheiden? 

Die Kunden bekommen vor allem qualitativ hochwertigere Pflanzen zu wettbewerbsfähigen Preisen. Die Pflanzen sind noch lebendig, wenn sie im Supermarkt verkauft werden, weil die Wurzeln nicht abgeschnitten werden. Wenn der Kunde sie also zuhause in ein Glas Wasser stellt, leben sie weiter. Dadurch behalten sie ihre Nährstoffe und den natürlichen Geschmack. Außerdem können die Farmen personalisiert werden.

Eine Farm besteht aus mehreren Ebenen, die verschieden bepflanzt werden können

Inwiefern?

Die Pflanzen werden an die Bedürfnisse der Kunden angepasst. Edeka baut beispielsweise frischen Koriander in unseren Einheiten an. Und weil die Deutschen Koriander nicht so gern mögen, haben wir eine spezielle Sorte gesucht, deren Geschmack milder ist. Die richtige Züchtung zu beschaffen, ist eine Option. Man kann auch die Konditionen wie das Lichtspektrum verändern, wodurch dann andere Prozesse in der Pflanze ausgelöst werden. Auf diese Weise erzeugt die Pflanze andere Nährstoffe, die sich dann im Geschmack widerspiegeln. 

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Ihr seid 2012 von Israel nach Berlin gezogen. Warum habt ihr Infarm hier aufgezogen und nicht in eurer Heimat?

Aus verschiedenen Gründen: Zuallererst wollen wir im Zentrum von Europa sein, wo diese Lösung viel mehr benötigt wird. Wir wollten genügend Zeit für die Produktentwicklung haben und nicht mit einem halb-fertigen Produkt in den Markt geworfen werden. Hinzu kommt, dass Berlin ein Zentrum der Startup-Szene ist und Talente aus der ganzen Welt hierherkommen. In Israel werden die meisten Lebensmittel regional angebaut, weshalb der Markt für Vertical Farming zu klein ist.

Seid ihr schon profitabel?

Nein. Wir sind ein Startup, also wird es noch Zeit brauchen, bevor wir diesen Punkt tatsächlich erreichen. Zurzeit investieren wir viel Geld in Forschung und Entwicklung, um unser Produkt immer weiter zu optimieren.

Bilder: Robert Rieger / Infarm & diephotodesigner.de

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