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Ein gutes Jahr für HelloFresh – trotz weiterer Verluste

Nach dem IPO im November hat der Berliner Kochboxen-Versender seinen Geschäftsbericht für 2017 vorgelegt – und einen ersten US-Konkurrenten übernommen.

Rund 905 Millionen Euro hat HelloFresh im vergangenen Jahr umgesetzt, heißt es im aktuellen Geschäftsbericht für 2017. Das sind 52 Prozent mehr als im Vorjahr, 2016 waren es noch 597 Millionen Euro. Weit mehr als die Hälfte der Erlöse erwirtschaftete das Berliner Startup auf dem US-Markt: 545 Millionen Euro. Damit steigerte der Kochboxen-Versender seinen dortigen Umsatz um 90 Prozent. Etwa 1,45 Millionen aktive Kunden zählte HelloFresh im vierten Quartal 2017 weltweit.

Etwa 70 Millionen Euro verlor HelloFresh im Geschäftsjahr 2017 (bereinigtes Aebitda). Im Jahr zuvor waren es noch knapp 83 Millionen. Etwa 366 Millionen Euro Umsatzkosten verzeichnete das Startup im vergangenen Jahr, also Kosten, die beispielsweise für Personal und Material anfallen. Allein 240 Millionen Euro gab das Rocket-Internet-Venture für Marketing aus, rund 52 Prozent mehr als 2016. Am Ende ergibt sich eine bereinigte Aebitda-Marge von negativen 7,7 Prozent, eine Verbesserung von etwa sechs Prozentpunkten gegenüber 2016. 

Im vierten Quartal 2017 war der Kochboxen-Versender ohne Berücksichtigung des US-Geschäfts mit 2,8 Millionen Euro erstmals im Plus. In zehn Ländern ist das 2011 gegründete Rocket-Internet-Venture aktiv. In den USA stand HelloFresh im selben Quartal kurz vor dem Break-Even, wobei im gesamten Jahr etwa 40 Millionen Euro Verlust mit dem US-Geschäft gemacht wurden. Auf Gruppenebene will das Unternehmen im letzten Vierteljahr 2018 profitabel sein und seinen Gesamtumsatz um bis zu 30 Prozent steigern. Wie sich speziell der deutsche Markt entwickelt hat, wollte Mitgründer und CEO Dominik Richter in einem Pressegespräch nicht kommentieren.

HelloFresh kauft Bio-Konkurrenz

„2017 war bis dato das beste Jahr für HelloFresh. Wir haben unser Unternehmen nicht nur erfolgreich an die Börse gebracht, sondern auch alle wichtigen Kennzahlen signifikant verbessert – allen voran steht die herausragende Steigerung unseres bereinigten Ebitda in beiden Segmenten“, lässt sich Richter zitieren. Das Startup will künftig sein Produktportfolio erweitern, um mehr Ernährungsstile anbieten zu können. 

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Eine erste Maßnahme in diese Richtung ist die Übernahme des US-amerikanischen Konkurrenten Green Chef, die HelloFresh am Dienstagabend bekannt gab. Das 2014 gegründete Startup verschickt seine Bio-Kochboxen landesweit und soll dem Berliner Unternehmen ungefähr 15 Millionen Dollar Umsatz pro Quartal erwirtschaften, voraussichtlich weniger als zehn Prozent des US-Geschäfts. Der Kauf soll im zweiten Quartal abgeschlossen werden, die Übernahmesumme verrät HelloFresh jedoch nicht. Green Chef beschäftigt 600 Mitarbeiter und besitzt zwei Produktionszentren. Das US-Startup bietet vegane, glutenfreie, ketogene und Paleo-Rezepte an. Ob das Green-Chef-Angebot künftig auch außerhalb Amerikas erhältlich sein wird, konnte Richter nicht sagen.

Im Januar 2017 hat HelloFresh eine Finanzierung über 85 Millionen Euro von dem schottischen Fonds Baillie Gifford und einem unbekannten Geldgeber bekommen. Im Mai erhielt das Berliner Startup ein Darlehen über 60 Millionen Euro, wovon es nach eigenen Angaben erst die Hälfte in Anspruch genommen hat. Im November ging der Kochboxen-Versender dann an die Börse und sammelte rund 286 Millionen Euro ein. Bewertetet wird das Unternehmen mit 1,7 Milliarden Euro.

Bild: HelloFresh

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