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Der Hype um den Gin ist vorbei – der Nachfolger steht schon bereit

Wer sich unter Barkeepern umhört, merkt: Der Gin hat seine besten Jahre hinter sich. Der Trend geht zu anderen Spirituosen wie Wermut, Whisky und Rum.

Es war wahrscheinlich das Comeback des vergangenen Jahrzehnts. Und wie so häufig bei Comebacks weiß niemand, was sie eigentlich ausgelöst hat. Seit einigen Jahren gilt Gin als das große Trendgetränk. Egal ob als Gin Tonic, wie ihn die Briten schon Anfang des 19. Jahrhunderts tranken, oder in Cocktails.

Plötzlich haben Bars 70 verschiedene Gin-Sorten im Angebot, kleine Gin-Destillerien eröffnen überall in Deutschland. Gin hat in den vergangenen Jahren einen regelrechten Hype erlebt, den keiner so wirklich begründen konnte. Doch Hypes sind auch oft irgendwann wieder vorbei. Und genau dieses Schicksal scheint nun nach einigen fetten Jahren auch den Gin ereilen.

Gin ist über dem Peak

Zugegeben: Der Hobbytrinker hat davon noch nichts mitbekommen. Auf der Messe „Finest Spirits“ in München, bei der Besucher Spirituosen aus aller Welt probieren und kaufen können, sind Stände mit Gin deutlich in der Überzahl. Und dennoch bemerken die hippen Barkeeper und Spirituosen-Experten, die auf der Messe präsent sind, dass der Trend allmählich abflaut.

„Gin hatte eine irre Entwicklung, aber ich glaube, wir sind schon über dem Peak“, sagt Andrea Caminneci vom Unternehmen Schlumberger. Schlumberger ist nicht nur eine österreichische Sektkellerei, die Firma vertreibt auch internationale Spirituosen. Zwar hätten viele Bars noch immer unzählige Gin- und Tonicsorten auf der Karte, doch langfristig würden sich wahrscheinlich nur „etwa zehn Premiumgins“ durchsetzen. Gin hat nämlich laut Caminneci einen entscheidenden Nachteil gegenüber Spirituosen wie Whisky oder Rum: „Gin ist ein Mixgetränk, man genießt ihn in der Regel nicht pur.“

Diesen Nachteil sieht auch Timo Lambrecht von Bremer Spirituosen: „Viele junge Leute steigen mit Gin in die Welt der Spirituosen ein und wechseln dann zu Whisky.“ Er hätte etwa bemerkt, wie Gin-Fans vermehrt auf irische Whiskys umsteigen.

Die Stellung von Whisky wird auf der Messe nicht hinterfragt. Hier sind sich alle einig, dass Whisky mehr als ein Modegetränk ist und seinen festen Platz im Spirituosenregal verdient hat — anders als Gin. „Ich finde, rund um den Gin gibt es auch viel zu viel Chichi. Früher gab es einen Gin und einen Tonic und es ging schnell. Jetzt wartet man ewig auf den Drink und schmeckt den Gin oft gar nicht mehr, weil so viel hinzugegeben wird“, sagt Andreas Pralle, Barkeeper und Mitarbeiter von Schwarz und Schlichte.

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Wenn der Gin aus der Hausbar verbannt wird, dann wird selbstverständlich ein Platz frei. Im Moment sieht es laut den Experten so aus, als könnte den Wermut ausfüllen. Zurzeit ist Wermut meist nicht mehr als ein Nebendarsteller im Cocktail, wie etwa beim Negroni, bei dem roter Wermut mit Gin und Campari gemischt wird.

Doch es ist nicht auszuschließen, dass Wermut bald auch die Hauptrolle übernehmen könnte. „Wermut ist stark im Kommen, auf den Messen sieht man immer mehr Wermut-Stände“, sagt Caminneci. Auch Wermut könnte man, so der Experte, wunderbar mit Tonic mixen — mit einem entscheidenden Vorteil gegenüber Gin: „Wermut ist viel leichter, man kann nach einem Drink sogar noch Autofahren.“

Wermut, Rum und Tequila im Kommen

Neben Wermut würden auch Rum und Tequila derzeit einen Aufschwung erleben. „Hochwertigen Rum kann man sehr gut pur genießen, aber auch mischen“, sagt Pralle. Er selbst experimentiere etwa mit Mixgetränken aus hochwertigem Rum und Limonade.

Und auch bei Tequila würden laut Caminneci mehr und mehr Menschen bemerken, dass er auch ohne Zitrone und Salz genießbar ist, wenn man in eine hochwertige Flasche investiert.

Tequila, Rum und Wermut, die über Jahrzehnte quasi ein Schattendasein geführt haben, erheben sich also wieder. Aber genau so ging es dem Gin auch einmal. Trends kommen und gehen eben. Nur Whisky, der bleibt.

Dieser Artikel erschien zuerst auf Business Insider Deutschland.

Bild: Getty Images / The Washington Post / Contributor

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