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12 Millionen Umsatz mit Gewürzen: „Das war niemals so geplant“

Ankerkraut startete als kleiner Onlineshop für Gewürze. Heute ist daraus ein Unternehmen mit eigener Manufaktur und Millionenumsätzen geworden.

Ankerkraut hat das geschafft, was sonst Filmstars oder Boybands gelingt: Für das Gewürz-Startup aus Hamburg gibt es eine Facebook-Fangruppe mit 18.000 Mitgliedern und einen eingetragenen Verein namens „Ankerkraut Family“. Zwei besonders treue Anhänger der jungen Firma tragen gar das Logo als Tattoo – einen Anker mit den Buchstaben A und K.

„Das ist schon verrückt“, sagt Anne Lemcke. Sie hat Ankerkraut 2013 zusammen mit ihrem Mann Stefan gegründet. Begonnen hat alles ganz klein – als aus der Garage betriebener Onlineshop für Gewürze. Heute stellt Ankerkraut 260 verschiedene Produkte in der eigenen Manufaktur in Hamburg-Sinstorf her. Der Vertrieb läuft längst nicht mehr nur über den Onlineshop, sondern über den Einzelhandel in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Italien. Geplanter Umsatz für 2018: zwölf Millionen Euro.

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PR ist Hauptaufgabe der Gründer

Als Grund für den Erfolg nennt Anne Lemcke nicht etwa den Geschmack ihrer Produkte oder die besonderen Gewürzmischungen. „Wir sind sehr nahbar“, sagt sie stattdessen. Anne Lemcke und ihr Mann haben sich selbst zum Gesicht ihrer Marke gemacht. Auf Youtube kochen sie für ihre Zuschauer Spareribs oder Kartoffelsuppe – natürlich stets mit den eigenen Produkten –, auf Instagram sieht man die beiden beim Grillen im eigenen Garten. Was für die Kunden nach spontanen Schnappschüssen aus dem Alltag der Gründer aussieht, ist Teil einer ausgefeilten Marketingstrategie.

Ihr Leitgedanke: „Menschen kaufen gern von Menschen.“ PR ist deswegen eine der Hauptaufgaben von Anne und Stefan Lemcke. Operativ haben sie sich größtenteils aus der Firma zurückgezogen. „Mindestens eine Nacht pro Woche“ müssten er und seine Frau wegen der vielen Termine mit Presse, Partnern oder Influencern in einem Hotel irgendwo in Deutschland übernachten, so der Gründer. Nebenbei kümmern sie sich um ihre zwei Kinder – oder organisieren deren Betreuung. 

„Nahbarkeit und Selbstdarstellung“ als Erfolgsrezept? 

Der Begriff „beschäftigt“ beschreibt das Paar am ehesten. Erwischt man sie am Telefon, sind sie stets auf dem Weg zu Fernseh-Drehs oder Interviews. Während unseres Gesprächs ertönt im Minutentakt der Apple-Ton für eingehende E-Mails. Später am Tag stehe die Produktion eines neuen, noch geheimen Videoformats an, erzählt Anne Lemcke. Die 39-Jährige weiß, wie man sich wirksam der Öffentlichkeit präsentiert – sie kennt das Geschäft aus einer anderen Perspektive. Früher managte sie die Pressearbeit von Musikern des Labels Kontor Records. „Heute setze ich das, was ich damals über Nahbarkeit und Selbstdarstellung gelernt habe, für Stefan und mich um.“ Ob sie sich vor sechs Jahren hätte vorstellen können, dass sie einmal auf der anderen Seite stehen würde? „Niemals. Der Erfolg, den Ankerkraut heute hat – das war niemals so geplant.“

27 – Ankerkraut

Score: 33,69 (CAGR: 168%)
Gründungsjahr: 2013
Firmensitz: Jesteburg
Branche: Food
Webseite: www.ankerkraut.de

Damals dachte bei der Namenswahl auch niemand daran, dass einmal eine Expansion in die USA anstehen würde. „So genial der Firmenname für uns ist – heute wird er uns zum Verhängnis“, so Stefan Lemcke. Doch auch wenn es nicht perfekt ist: Die Gründer wollen im Sommer 2019 in den USA unter demselben Namen an den Start gehen wie im deutschsprachigen Raum. Bei Marken wie Volkswagen oder Porsche klappe es in Amerika schließlich auch mit der Aussprache, begründet das Ehepaar. Sie vergleichen Ankerkraut am liebsten mit den ganz Großen. 

Wachstumsschub dank DHDL

Selbst in Deutschland liegt der Marktanteil von Ankerkraut gerade mal bei einem Prozent. Der jahrzehntealte Konzern Fuchs beansprucht 80 Prozent des Marktes für sich allein. Junge Firmen, darunter neben Ankerkraut auch das Düsseldorfer Startup Just Spices, müssen sich ihren Anteil hart erkämpfen. Unterstützung von Investoren hat Ankerkraut nur einmal in Anspruch genommen. 2016 traten die Gründer in der Vox-Show „Die Höhle der Löwen“ auf. Juror Frank Thelen investierte damals eine halbe Million, seitdem hält er 20 Prozent an dem Gewürz-Startup.

Die Produzenten der Sendung rühmen sich heute gern damit, dass die Firma der Lemckes durch Thelens Unterstützung groß geworden sei. Das Paar selbst sieht das anders. „Natürlich war die Show positiv für uns, aber ganz ehrlich: Wir hätten es wahrscheinlich auch ohne sie hinbekommen“, sagt Stefan Lemcke selbstbewusst. Die Zahlen zeigen jedoch, dass Ankerkraut sehr wohl von dem TV-Auftritt profitiert hat. Für 2016 habe man ohne Fernsehshow einen Umsatz von knapp drei Millionen Euro geplant, sagt der Gründer. Mit „Die Höhle der Löwen“ seien es vier Millionen geworden. Das entspricht einem Plus von immerhin 33 Prozent. 

In diesem Jahr soll vor allem das Weihnachtsgeschäft den Umsatz nach oben treiben. Schon seit dem 1. September bietet Ankerkraut Spezialsorten wie Spekulatius- und Gänsebratengewürz an – und den 150 Euro teuren „De luxe“-Adventskalender mit Salzen, Tees und Gewürz-Duftkerzen. Nur 1.000 Stück haben Anne und Stefan Lemcke produzieren lassen, jeder einzelne signiert von einem Mitarbeiter. „Für dich verpackt von Laura“ steht dann etwa darauf. Für die treuen Anhänger des Startups natürlich ein Must-have: Schon einen Tag nach Verkaufsstart war die Hälfte der Kalender weg.

Bild: Ankerkraut

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