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Wie dieser Gründer seine Getränke-Startups bis zum Exit führt

Sebastian Brack hat diverse Getränke-Unternehmen gegründet und zwei davon erfolgreich verkauft. Gerade führt er eine Schnapsbrennerei – und hat schon neue Pläne.

Wein, Tonic, Wermut, Mate, Whiskey – der 37-jährige Sebastian Brack hat schon mit vielen Getränken gehandelt. Zwar war nicht jede seiner Marken erfolgreich. Doch zwei Startups hat der Wahl-Berliner bis heute erfolgreich verkauft, jetzt baut er weitere auf.

Bracks Getränke-Karriere startete bei Calidris, der Firma hinter dem Energy Drink 28 Black. Nach einem kurzen Ausflug zum Rocket-Venture Immobilo gründete er 2010 gemeinsam mit Norman Sievert das Limo-Startup Thomas Henry. Größter Konkurrent damals wie heute: Schweppes. Vor acht Jahren wurde Brack noch dafür belächelt, ein Premium-Tonic und das bis dato eher unbekannte Ginger Beer verkaufen zu wollen. Mittlerweile ist Thomas Henry fester Bestandteil der deutschen Barszene. 

Eine Limo von Thomas Henry: Ginger Beer

Ein Investment von rund einer halben Million Euro bekam das Limo-Startup laut Brack zu Beginn, unter anderem von Jan Berentzen, dem ehemaligen Chef des gleichnamigen Apfelkorn-Herstellers. Allein im ersten Jahr verkaufte Thomas Henry mehr als drei Millionen seiner Premium-Getränke. Als Brack seine Anteile 2013 aufgrund von Uneinigkeiten zwischen den Gesellschaftern verkaufte, war Thomas Henry in 13 Ländern erhältlich. Mittlerweile sind es über 50.

Exit mit „Parkbank-Glück“

Bracks nächstes Projekt war Wermut. Vor fünf Jahren noch als „Parkbank-Glück“ verrufen, traute sich der Unternehmer als einer von wenigen Anbietern mit dem Likörwein Belsazar auf den Markt. 2014, ein Jahr nach der Belsazar-Gründung, stieg der Spirituosen-Konzern Diageo im Rahmen seines Inkubator-Programms Distill Ventures bei dem Startup ein. Im März 2018 übernahm der Londoner Spirituosenkonzern Belsazar schließlich komplett.

 

Wie viel Diageo für das Berliner Aperitif-Startup hingeblättert hat, will Brack nicht verraten. „Sagen wir es mal so: Ich gehe immer noch sehr gerne zur Arbeit, aber es lebt sich entspannter“, sagt er lachend. In der Vergangenheit haben Konzerne für Startup-Übernahmen in der Spirituosen-Branche bereits siebenstellige Eurobeträge bis hin zu einer Milliarde US-Dollar ausgegeben. 

Brack und sein Mitgründer Maximilian Wagner sind im Zuge der Übernahme komplett aus der Geschäftsführung von Belsazar ausgestiegen, vertreten das Startup heute nur noch als Berater. Immerhin hat der gebürtige Rheinländer nach zwei Exits jede Menge Wissen gesammelt, das er teilen kann. Er ist etwa auch als Investor und Mentor tätig. Gelernt hat er in seiner Startup-Karriere auch: „Von hundert Gründern schaffen es nur drei oder vier. Und das sind die, die nicht so romantisch rangehen und einen ordentlichen Business-Plan haben“, sagt Brack und betont, wie wichtig Controlling, Marktanalyse – und ein ordentliches Startgeld sind: „In der Getränkebranche habe ich noch niemanden kennengelernt, der mit weniger als 250.000 Euro Startkapital Erfolg hatte.“

Weniger Alkohol ist das Ziel

Bracks neuestes Projekt heißt Spreewood Distillers. Vor knapp zwei Jahren kaufte der Seriengründer zusammen mit Steffen Lohr und Bastian Heuser eine familiengeführte Schnapsbrennerei im Spreewald. Jetzt bietet das Team Whiskey, Rum und Liköre an – sowohl im eigenen Hof-Café als auch im Handel. Inklusive Gastro-Betrieb liegen die Jahresumsätze der Brennerei im siebenstelligen Bereich, so Brack. Davon nehme Spreewood rund die Hälfte durch den Verkauf der Spirituosen ein. Mit Diageo oder anderen Investoren sei der Gründer aber nicht im Gespräch. „Wir wollen da einen anderen Weg gehen“, sagt er. Einen Exit peile er langfristig nicht an.

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Bei Spreewood als Hauptprojekt wird es auf lange Sicht wohl nicht bleiben: „Es gibt immer noch Dinge, die ich gerne machen würde: einen Kakao und etwas mit Wodka und Geschmack“, so Brack. Er arbeite bereits an den Ideen und gibt einen kleinen Einblick: Den Kakao will er in der Glasflasche und im Premium-Segment anbieten. Der Wodka soll eine fernöstliche Geschmacksnote bekommen. Er glaubt, dass Milchgetränke noch kaum von Startups aufgegriffen werden und will einen Trend in den Produktkategorien Kakao und Milch sehen. Überhaupt scheinen ihn inzwischen vor allem alkoholfreie Getränke zu interessieren. Sein Ziel: „Der heilige Gral ist sowas wie Whiskey und Rum ohne Alkohol, aber mit gleichem Geschmack.“

Bilder: Belsazar, Thomas Henry

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