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In deutschen Büros klafft eine riesige Wasser-Lücke

Startups werben gern mit Freigetränken für Mitarbeiter. Doch nicht überall sind Arbeitnehmer gut mit Wasser oder Kaffee versorgt. Ein Bereich überrascht besonders.

Wasser und Kaffee – das sind die wichtigsten Getränkewünsche der Deutschen am Arbeitsplatz. Jeweils neun von zehn Arbeitnehmern fordern von ihren Chefs eine entsprechende Versorgung. Das zeigt eine aktuelle Umfrage des Marktforschungsinstituts Forsa im Auftrag der Initiative Dialog Natürliches Mineralwasser. Jeweils ein Drittel der Befragten hat zudem noch weitere Wünsche in Sachen Getränkeversorgung: Sie verlangen nach Fruchtsaft oder Limonade.

Doch der Wunsch ist nur das eine. Erfüllt werden die Begehrlichkeiten der Belegschaft längst nicht überall – nicht mal während einer Hitzeperiode. Laut Umfrage stellen gerade mal sechs von zehn Unternehmen ihren Mitarbeitern Mineralwasser zur Verfügung, immerhin 70 Prozent haben Heißgetränke wie Kaffee oder Tee im Angebot. Besonders schlecht ist die Versorgungslage im öffentlichen Dienst: Bei Bund, Ländern und Kommunen bekommen lediglich 38 Prozent der Beschäftigten Wasser gestellt, Heißgetränke gibt es für jeden zweiten.

Am besten ist die Versorgung in der Industrie und im Handel. Dort bekommen jeweils 80 Prozent der Mitarbeiter Kaffee oder Tee, Mineralwasser gibt es für 75 Prozent der Belegschaft. Bei Fruchtsaft und Limonade wiederum liegt der Versorgungsgrad über nahezu alle Branchen hinweg deutlich niedriger. Laut Umfrage gibt es diese Getränke nur bei durchschnittlich 37 Prozent der Unternehmen.

In den meisten Fällen kein Anspruch auf Versorgung

Aber die Mitarbeiter haben in den meisten Fällen auch keinen Anspruch auf Versorgung. Zwar stehen in der Arbeitsstättenverordnung zahlreiche Pflichten zum Schutz von Arbeitnehmern, angefangen bei Nichtraucherregelungen bis hin zur entsprechenden Schutzkleidung. Die leibliche Versorgung indes gehört nicht zu den gesetzlichen Aufgaben des Arbeitgebers.

Das Startup Mitte darf sein Wasser nicht mehr gesund nennen

Seit drei Jahren tüftelt das Berliner Startup Mitte an einer Maschine, die Leitungswasser aufbereiten soll. Jetzt darf es sein Wasser nicht mehr gesund nennen.

Einzige Ausnahme: Bei sogenannter Hitzearbeit muss der Chef für Getränke sorgen. Was genau als Hitzearbeit verstanden wird, steht in der Schrift BGI 579 der Berufsgenossenschaften: „Hitzearbeit liegt vor, wenn es infolge kombinierter Belastung aus Hitze, körperlicher Arbeit und gegebenenfalls Bekleidung zu einer Erwärmung des Körpers und damit zu einem Anstieg der Körpertemperatur kommt.“

In diesem Fall muss der Arbeitgeber die Getränke sogar kostenlos zur Verfügung stellen. Abseits der Hitzearbeit ist das meist noch eine Ausnahme. „Selbst wenn ein Arbeitgeber den Mitarbeitern Getränke anbietet, heißt das noch lange nicht, dass sie kostenlos sind“, beschreibt es Ullrich Schweitzer, der Leiter der Initiative Dialog Natürliches Mineralwasser.

Fachleute betonen Bedeutung ausreichenden Trinkens

Laut Umfrage bieten nur vier von zehn Unternehmen Heißgetränke gratis an, Mineralwasser steht sogar nur drei von zehn Mitarbeitern kostenlos zur Verfügung. Fruchtsäfte und Schorlen bietet zudem nur jede zehnte Firma ihren Angestellten zum Nulltarif.

Dass das Trinken während der Arbeit wichtig ist, insbesondere bei den aktuell hohen Temperaturen, wird von Fachleuten nachdrücklich betont. „Wenn Angestellte während der Arbeit zu wenig trinken, wird das Blut zäher und die geistige Leistungsfähigkeit nimmt rapide ab“, sagt zum Beispiel Ernährungswissenschaftler Günter Wagner, der auch Vorstandsmitglied im Deutschen Institut für Sporternährung ist und dazu Mitglied des wissenschaftlichen Beirates im Verband für Ernährung und Diätetik. „Arbeitgeber können dem entgegenwirken, indem sie den Mitarbeitern gesunde, natürliche Getränke zur Verfügung stellen.“

Dieser Artikel erschien zuerst bei Welt.de.

Bild: Getty Images / Utamaru Kido

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