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Die Fußball-WM ist ein Segen für die Lebensmittelwirtschaft

Die Umsätze mit Grillgut und Zubehör schnellen in die Höhe, die Wertschätzung von BBQ stiegt. Trotzdem profitieren vor allem die Discounter von der WM-Saison.

Zur Fußball-WM schmeißen die Deutschen den Grill besonders oft an. Das freut die Wirtschaft. Alleine im April gingen Bratwürste für 104 Millionen Euro über die Ladentische – fast 20 Millionen mehr als im Juli 2017, dem Bratwurst-Spitzenmonat des vergangenen Jahres. 

Eine Fußball-WM ohne Grillparty ist für viele Fans so etwas wie Weihnachten ohne Tannenbaum – eine schlichte Unmöglichkeit. Die Beliebtheit des Brutzelns unter freiem Himmel zu Freistoß und Verlängerung lässt sich mühelos an der Verbrauchsstatistik ablesen. 

Zum Beispiel an der Bratwurst (der meistvertretenen Leckerei auf dem Rost): Während der Weltmeisterschaft 2010 lag der Bratwurst-Umsatz in Deutschland um 49,4 Prozent höher als in den sechs Wochen danach, obwohl beide Zeiträume gleichermaßen in die Grill-Hauptsaison fallen.

2014 war es ähnlich: plus 27,2 Prozent. Auch bei Europameisterschaften liegt der Verkauf während der Turniere regelmäßig höher als davor und danach, wenn auch nicht ganz so deutlich.

In diesem Jahr heizt die sportliche Großveranstaltung das BBQ-Fieber wohl ebenfalls an, wie eine Studie der Marktbeobachtung Nielsen nahelegt, die Welt am Sonntag exklusiv vorlag. Demnach gingen allein im April Bratwürste für 104 Millionen Euro über die Ladentische – fast 20 Millionen mehr als im Juli 2017, dem Bratwurst-Spitzenmonat des vergangenen Jahres.

Grillen ersetzt für viele das Kochen

Ob der Großteil davon als WM-Vorrat in die Tiefkühlfächer gewandert ist oder angesichts des schönen Aprilwetters 2018 dem Sofortverzehr diente, darüber gibt die Statistik zwar keine Auskunft. Klar ist aber, dass das Grillen fester Bestandteil des alltagskulturellen Kanons in Deutschland geworden ist. „Nur rund zehn Prozent der Deutschen grillen gar nicht“, sagt Michael Griess, Nielsens Experte für Handel und Lebensmittel. „Grillen ist für viele Verbraucher nicht mehr nur Freizeitbeschäftigung, sondern ersetzt zum Teil auch das Kochen. Unsere Studien zeigen, dass etwa die Hälfte der Deutschen auch grillt, anstatt zu kochen.“

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Das gelte natürlich besonders für die warme Jahreszeit und hier wiederum speziell in Verbindung mit dem Event Fußball, sofern die Ergebnisse der Spiele nicht auf Stimmung und Magen schlagen. Unabhängig von Sieg oder Niederlage kaufen die Deutschen ihre Würstchen am liebsten zu Tiefpreisen.

„Fast die Hälfte wird beim Discounter eingekauft“, sagt Griess. Alles in allem haben die Bundesbürger zwischen Mai 2017 und April 2018 gemäß der Studie 656,7 Millionen Euro für Würstchen ausgegeben, acht Prozent mehr als im vorangegangenen Zwölfmonatszeitraum.

Acht Prozent der Männer halten sich für Grill-Profis

Generell zählen neben Schwein und Rind auch Hähnchen und Pute zum besonders beliebten Grillgut. Daneben haben sich laut Nielsen Baguettes etabliert, vorzugsweise in der Variante als Kräuterbaguette. Der Verkauf von vegetarischer Grillwurst ist etwas schneller gewachsen als der Gesamtmarkt, aber der Marktanteil von zwei Prozent ist mit „Nische“ weiter korrekt beschrieben.

Bei der Soßenauswahl verhalten sich die Griller ebenfalls traditionsbewusst. Am liebsten greifen sie laut Nielsen auf die Standardsorte „Barbecue/Grill“ zurück, gefolgt von Knoblauch, Chili und Salsa. Insgesamt ließen die Grillfreunde sich die dickflüssigen Würzen in der Zwölfmonatsperiode bis Ende April 325,3 Millionen Euro kosten, davon allein 44,5 Millionen im Top-Monat April.

Bisher unerforscht ist der Wahrheitsgehalt der Selbsteinschätzung beider Geschlechter zur jeweils eigenen Kompetenz am Rost. Laut einer Umfrage der Marktforscher von Statista halten sich fast acht Prozent der Männer für Profi-Griller, weitere knapp 71 Prozent ordnen sich den Ambitionierten zu. Als Anfänger mag sich nur jeder fünfte Mann bezeichnen lassen, während es bei den Frauen immerhin 31 Prozent sind. In die oberen Kategorien ordnen sie sich entsprechend seltener ein. Das mag wenn schon nicht immer dem eigenen Geschmack so doch dem Familienfrieden dienen.

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Dieser Text erschien zuerst bei welt.de.

Bild: Getty Images / Robert Cianflone / Staff, Grafiken: Infrgrafik WELT

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